Ute Busch (Mi.) spielt seit sechs Jahren für die TSF Ditzingen – nun klinkt sie sich für etwa ein Jahr aus und geht auf Reisen. Foto: Andreas Gorr

Die Kapitänin der TSF Ditzingen hat gegen die TSG Reutlingen ihr vorerst letztes Spiel in der Volleyball-Regionalliga bestritten. Sie begibt sich auf eine große Reise.

Die Volleyballerinnen der TSF Ditzingen haben die TSG Reutlingen mit 3:1 (19:25, 25:23, 25:20, 25:20) besiegt und damit den Abstieg ihres Gegners in die Oberliga besiegelt. Für Ute Busch war die Partie aus einem anderen Grund eine besondere – für die Ditzinger Spielführerin war es der vorerst letzte Auftritt im Trikot der TSF.

 

„Ich lege ein Sabbatjahr im Beruf ein“, erzählt die Wirtschaftsingenieurin, die in den kommenden Monaten viel vorhat. Ute Busch hat ihren Campingbus vollgepackt und sich am Dienstag auf große Fahrt begeben – sie will die Seidenstraße befahren. Der Krieg im Iran allerdings zwingt sie zu Umwegen. „Ich denke“, sagt die 32-Jährige, „dass ich wohl bis nach Georgien kommen werde. Und dann sehe ich weiter.“

Den Gleitschirm mit im Gepäck

Für Ute Busch war es eine der letzten Chancen, den Beruf für ein Jahr auf Stand-by zu schalten, die wollte sie nutzen. Mit im Bus verladen hat die begeisterte Fliegerin ihren Gleitschirm, in Rumänien erwägt sie den einen oder anderen Flug. „Ich werde mich vor Ort bei den Leuten informieren, was geht und was nicht“, betont die Volleyballerin im Teilzeit-Ruhestand, „ich mache mich schlau. Ein Risiko will ich nicht eingehen.“

Ute Busch 2017 im Trikot des TSV Georgii Allianz Stuttgart Foto: Yavuz Dural

Es ist nicht das erste Mal, dass Ute Busch mehrere Monate den deutschen Gefilden entflieht – mit 16 Jahren hatte es sie nach Australien verschlagen, wo sie als Volleyball-Exportschlager made in Germany gar für ein Auswahlteam des Bundesstaates Queensland nominiert wurde und in einem Miniturnier gegen New South Wales sowie die neuseeländische Nord- und Südinsel antrat. Bei ihrer Tour durch Europa und Asien hat sie einen Volleyball eingepackt, rechnet aber nicht unbedingt damit, dass sie auch zum Spielen kommt. „Man benötigt dafür halt ein paar Leute“, sagt Ute Busch.

Die hatte sie zur Verfügung, als es in ihrem letzten Ligaspiel gegen die TSG Reutlingen ging. Den TSF fehlte lang die nötige Leichtigkeit, im ersten Satz wurde viel diskutiert, es fehlte in Abwesenheit von Trainer Lothar Benz die ordnende Hand von außen – und die TSG buchte den Satz für sich. Im zweiten Durchgang senkten die Ditzingerinnen die eigene Fehlerquote, ganz besonders bei den Aufschlägen. „Dann sind wir allmählich besser reingekommen“, erzählt Ute Busch. Es wurde zwar beim 25:23 am Ende eng, doch die TSF glichen zum 1:1 aus.

Trainer Lothar Benz im Kreis seiner Spielerinnen Foto: Andreas Gorr

Der dritte Satz war zwar noch kein Selbstläufer, aber bei Reutlingen litt die Moral mit jedem Punkt, den Ditzingen erzielte – mit dem 2:1 nach Sätzen war die TSG endgültig abgestiegen, sie hätte drei Punkte benötigt, um die Minimalchance in den letzten Partien aufrecht zu erhalten. „Damit war die Gegenwehr von Reutlingen nahezu erloschen“, sagte Ute Busch, auf Lothar Benz nun verzichten muss.

Der Trainer bedauert der Abschied der Spielführerin, die in dieser Saison achtmal zur wertvollsten Spielerin gekürt worden ist, doch der Coach kann ihre Beweggründe voll und ganz akzeptieren. „Natürlich wird sie uns fehlen“, unterstreicht Benz, „das Team und auch zum Teil ich haben von ihrer Erfahrung profitiert. Sie hat stets Verantwortung übernommen.“ Sechs Jahre lang schmetterte die Außenangreiferin für die TSF, davor spielte sie bei Georgii Allianz Stuttgart und sammelte zwei Jahre Drittliga-Erfahrung,

Das Kapitel TSF Ditzingen hat die Ex-Kapitänin noch nicht endgültig geschlossen. „Wenn ich wieder zurück bin“, sagt die 32-Jährige, „und wieder Lust auf Volleyball habe, sind die TSF mein erster Ansprechpartner.“ Nicht nur Lothar Benz wird diese Worte mit Freude vernehmen.