Volleyball Tabula rasa bei Stuttgarts Volleyballerinnen

Von Tom Bloch 

Allianz-Trainer Guillermo Naranjo Hernandez Foto: Baumann
Allianz-Trainer Guillermo Naranjo Hernandez Foto: Baumann

Der Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart trennt sich nach dem Aus im Viertelfinale der Play-offs gleich von acht Spielerinnen. Nur Alessandra Jovy-Heuser bleibt sicher bei dem Bundesligisten.

Der Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart trennt sich nach dem Aus im Viertelfinale der Play-offs gleich von acht Spielerinnen. Nur Alessandra Jovy-Heuser bleibt sicher bei dem Bundesligisten.

Stuttgart - In der amerikanischen Basketballwelt werden verdiente Athleten mit großem Bahnhof verabschiedet. Ein Trikot mit der angestammten Nummer wird feierlich unter das Dach der Heimspielstätte gehängt, die Nummer anschließend nie wieder vergeben. Selbstredend, dass diese feierliche Zeremonie unter der Anwesenheit der Fans passiert.

Bei Allianz MTV Stuttgart wurden jüngst gleich acht Spielerinnen aus dem Elfer-Kader verabschiedet – und keiner hat’s gemerkt. Besonders bitter dabei: der Abgang von Publikumsliebling Evelyn Cristina Lourenco Delogú. Die Brasilianerin stieß 2008 gleich nach dem Aufstieg in die Erste Bundesliga zum Stuttgarter Volleyball-Team und prägte sechs Spielzeiten lang das Gesicht des Teams wie keine andere.

Keine freute sich, keine ärgerte sich so emotional auf dem Spielfeld, und ihre spektakulären Verteidigungsbälle bis knapp unter die Hallendecke sorgten immer wieder für Szenenapplaus. Doch nun heißt es: Koffer packen. „Es ist ein wirklich sehr trauriger Moment in meinem Leben, denn Stuttgart war nicht nur ein Team, es war meine Heimat, mit all den Fans und den Freunden, die ich hier gefunden habe“, sagt die 33-jährige Libero-Spielerin und ist traurig darüber, dass sie keine Gelegenheit hatte, dies den Fans in der Scharrena persönlich zu sagen.

Eine kleine Geschenktüte zum Abschied

Das Aus im Viertelfinale der Play-offs um die deutsche Meisterschaft mit zwei unerwartet schlechten Auftritten bei den Volley-Stars Thüringen hatte eine Verabschiedung vor dem Stuttgarter Publikum nicht zugelassen. Nach dem neunten Rang und der bislang schlechtesten Saison seit dem Bundesliga-Aufstieg macht Bernhard Lobmüller Tabula rasa. „Es hat sich doch keine Spielerin so empfohlen, dass ich sagen kann, die müssen wir um jeden Preis halten“, sagt der Manager. Beim Saisonabschluss in den Räumen eines Sponsors gab es für die acht fest stehenden Abgänge eine kleine Tüte mit Geschenken. Das war’s.

Von der französischen Zuspielerin Laurianne Truchetet hatte sich der Verein nach ihrer Knieverletzung bereits zum Jahreswechsel getrennt. Rebecca Pavan, immerhin als beste Mittelblockerin der Liga vor der Saison aus Berlin nach Stuttgart gekommen, hat am Dienstag den Flieger zurück in ihre kanadische Heimat genommen, wo sie direkt zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft einrückt.

Auch Zuspielerin Megan Cyr, die Außenangreiferinnen Lindsay Stalzer und Tatjana Zautys (ebenfalls mehrere Jahre im Stuttgarter Trikot) sowie die Eigengewächse Pia Weiand (Zuspiel) und Lena Gschwendtner (Libera) erhalten keinen neuen Vertrag. Mittelblockerin Franziska Bremer hat aus beruflichen Gründen ihre Volleyball-Karriere beendet.

Die Niederländerin Deborah van Daelen ist nach dem Saisonende sofort nach Italien gewechselt und spielt nun dort für den A2-Ligisten Savino Del Bene Scandicci (bei Florenz) in den Play-offs um die Meisterschaft. Da die 25-Jährige schon nach der vergangenen Saison ein Engagement in der finanziell besser gestellten italienischen Liga angestrebt hatte, ist wohl mit einer Rückkehr nicht zu rechnen.

Auch Spielführerin Engelhardt wackelt

Auch hinter Spielführerin Svenja Engelhardt steht ein Fragezeichen. Obwohl Lobmüller mit der Außenangreiferin für die kommende Saison plant, besteht auch die Möglichkeit, dass sie ihr Studium in ihrer Wahlheimat Kalifornien fortsetzt. Einzig Alessandra Jovy-Heuser wird sicher im Kader verbleiben. Die Mittelblockerin studiert Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim.

„Wenn wir ein ganz neues Team aufbauen müssen, dann müssen wir das halt tun“, sagt Lobmüller, der gemeinsam mit Trainer Guillermo Naranjo Hernández am neuen Personal arbeitet. „Es wird eine Mannschaft geben, von der wir der Meinung sind, dass das auch ein echtes Team sein wird, in das jede einzelne Spielerin passt.“

Schon in dieser Woche sollen die ersten Neuverpflichtungen bekanntgegeben werden. Eine potenzielle Kandidatin: Heather Meyers – die 24-jährige Linkshänderin aus den USA spielte vor zwei Jahren für den VC Wiesbaden auf der Diagonalposition und hielt sich bereits in Stuttgart zu Gesprächen auf. Außerdem hat der Club eine brasilianische Mittelblockerin im Visier.

Lesen Sie jetzt