Die Spielerinnen von Volleyball-Bundesligist TSV Flacht sind keine Profis – doch das soll sich laut Business-Plan in den kommenden Jahren massiv verändern.
Die schaurige Partie beim VfB Suhl, wo die Binder Blaubären in nur 54 Spielminuten mit 0:3 abgefertigt und nach Hause geschickt wurden, hat Manuel Hartmann nach einem intensiven Videostudium mit dem Team aufarbeitet. „Wir sind schüchtern, ängstlich, nervös und sehr eingeschränkt aufgetreten“, sagt der Coach, „häufig gibt es einen Einbruch nach einer starken Leistung – woher das rührt, kann ich nicht exakt benennen.“
Wenn am Sonntag (18 Uhr) der VC Wiesbaden im Heckengäu aufschlägt, soll der Aufsteiger ein anderes Gesicht zeigen – am besten das wie gegen den USC Münster, wo die Blaubären knapp an einem Punkt vorbeigeschrammt sind. Siege sind nicht Pflicht, es gilt für den Aufsteiger, sich im neuen Umfeld zu akklimatisieren. Das Ziel im dreijährigen Business-Plan des TSV Flacht lautet in Jahr eins: Punkten gegen die Mitaufsteiger Hamburg und Borken sowie den einen oder anderen Satz gegen die Alteingesessenen gewinnen. Absteigen können die Blaubären, in der keine Spielerin Vollprofi ist, nicht, zwei Saisons haben sie Schonzeit.
Monatssalär zwischen 800 und 1000 Euro netto
In Jahr zwei sieht der Plan vor, das Team punktuell zu verstärken und zwar mit Profi-Spielerinnen, in der dritten Saison soll der Kader ausgereift und mit elf bis 13 Vollprofis bestückt sein, wenn das Wort „Etablieren“ im Pflichtenheft steht. Die Mannschaft wird dann ein völlig anderes Gesicht besitzen im Vergleich zu heute. Denn Spielerinnen, die im Beruf stehen, werden diesen letzten Schritt kaum mitgehen, weil sie in ihren Jobs ziemlich sicher mehr verdienen als ihnen der TSV Flacht im Volleyball anbieten könnte. Geschätzte 800 bis 1000 Euro netto könnte das Monatssalär betragen, möglicherweise aufgehübscht durch Wohnung plus Auto.
Man darf vermuten, Spielerinnen Ende 20 und älter entscheiden sich lieber für ihre derzeitige Beschäftigung, die sie auch noch ausüben können, wenn sie zur Ü 35 gehören. Denn Manager Michael Kaiser besitzt keinen goldenen Tresor, wenngleich Schmuckhersteller Binder als Namenssponsor der Blaubären finanziell ein ordentliches Scherflein zum Budget beiträgt. Über Zahlen spricht der Manager zurückhaltend, der aktuelle Etat liege bei etwa 250 000 Euro, wie viel Geld davon allein in die Mannschaft fließt, verrät er nicht. „Wir müssen den Etat in etwa verdreifachen, um unseren Business-Plan erfüllen zu können“, erläutert der 42-Jährige.
Kaiser ist optimistisch, dass er die wirtschaftlichen Hausaufgaben erledigen kann, auch in Zeiten, in denen Firmenbosse konzentriert auf Ausgaben blicken wie ein Adler auf Beutesuche. „Unsere Partner ziehen mit“, betont er, „das Portfolio bei den Sponsoren ist gewachsen.“ Auf die Fans können die Blaubären zählen, alle Heimspiele waren mit 433 Zuschauern ausverkauft – eine verlässliche Einnahmenquelle. Nun hoffen die Flachter, dass die Umwidmung der Heckengäusporthalle in eine Versammlungsstätte (bisher Sportstätte) samt einiger Baumaßnahmen das Zuschauermaximum auf etwa 600 schraubt. „Das würde uns helfen“, bekennt der Manager, „wir müssen wirtschaftlich wachsen, wollen wir den Plan erfüllen.“
Davon hängt ab, welche Spielerinnen die sportliche Leitung einfangen kann, wenn das Modellieren des Kaders für die nächste Saison anläuft. Natürlich sind die Ober-Blaubären auf der Jagd nach jungen, entwicklungsfähigen Spielerinnen, aber: „Welcher Club ist das nicht?“, sagt Manuel Hartmann. Top-Talente wie Marie Steinhilber (19), Mette Pfeffer (20) oder Leana Grozer (18) unterschreiben bei den Marktführern Stuttgart, Dresden und Schwerin, nicht in der Liga-Peripherie Flacht. „Es ist nicht so leicht, Talente zu bekommen, die sofort die erforderliche Leistung bringen“, betont der TSV-Chefcoach, der als Ex-Bundestrainer des deutschen Nachwuchses ein Auge für Talente besitzt.
Der Teammix wird aus Erstliga-erfahrenen Kräften und ambitionierten jungen Kräften wie Hanna Kögler (21) und Franka van der Veer (22) bestehen, die nicht das große Geld verdienen wollen, die aber die Möglichkeit nutzen möchten, sich mit den Blaubären auf der Erstliga-Bühne zu zeigen. Um den Business-Plan umzusetzen sind Siege hilfreich – gerade in der Premieren-Saison.