In einer vollen Halle feierten die Barock Volleys Ludwigsburg ihren Sieg gegen die Baden Volleys aus Karlsruhe. Foto: Baumann

Immer mehr Zuschauer wollen Bundesligist Barock Volleys in Ludwigsburg sehen. Auch Liga-Geschäftsführerin Kim Renkema ist begeistert von der Entwicklung. Wird eine Halle bald zu klein?

Kim Renkema weiß, wie es sich anfühlt, mit einem Verein einen erfolgreichen Weg zu gehen. Zwölf Jahre lang war die 38-Jährige das Gesicht des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart und feierte zahlreiche Erfolge – zunächst als Spielerin, dann als Sportdirektorin. Seit vergangenem Mai ist sie Geschäftsführerin der Volleyball Bundesliga (VBL) und zuständig für die Bereiche Sport, Marketing, Vertrieb und Events.

 

In dieser Funktion hat die mit ihrer Familie in Esslingen lebende Niederländerin auch ein Auge darauf, wie sich die Barock Volleys aus Ludwigsburg in der Herren-Bundesliga entwickeln. Ihre Bewertung für den Klub fällt nach 18 Spieltagen rundum positiv aus. „Da kann die Liga nur dankbar sein für diesen Aufsteiger, das sollte auch andere Standorte motivieren“, sagt Renkema. Der Verein sei das beste Beispiel dafür, wie man sich in der Kürze der Zeit in allen Bereichen etablieren könne und Ludwigsburg habe das Zeug zu einem gestandenen Erstligastandort. Sie schiebt gleich einige Faktoren hinterher, warum es bislang so gut funktioniert: „Die Stadt ist sportaffin, der Name passt und alle Mitarbeitenden sind mit Herzblut dabei.“

VBL-Geschäftsführerin Kim Renkema sieht großes Potenzial bei den Barock Volleys. Foto: Baumann

Und natürlich liefern die Ludwigsburger auch sportlich ab. Vor dem nächsten Heimspiel an diesem Sonntag um 17 Uhr in der Rundsporthalle (RSH) gegen den Tabellenachten Volleys Herrsching rangiert das Team von Coach Hasse Mattila mit 31 Punkten auf dem sechsten Platz und ist damit auf Play-Off-Kurs. Dafür müssen die Volleys mindestens Achter werden – der Vorsprung auf Rang neun derzeit liegt bei sieben Punkten.

Deshalb wollen immer mehr Menschen aus der Region den Newcomer live sehen. Beim 3:0 am vergangenen Sonntag gegen die Baden Volleys aus Karlsruhe waren fast 800 Fans in der Innenstadthalle. Hier stößt der Klub inzwischen an Kapazitätsgrenzen, denn aus Brandschutzgründen dürfen nicht mehr Zuschauer dabei sein. Beim Derby gegen den VfB Friedrichshafen in der RSH waren 1000 Zuschauer dabei. Die neue Begeisterung überträgt sich auch auf die Mannschaft. „Beim letzten Mal sorgte das Publikum in der Rundsporthalle für eine unglaubliche Atmosphäre. Wir wachsen miteinander, und wenn ich beim Einkaufen mit der Teamjacke unterwegs bin, sprechen mich die Leute auch an“, sagt Coach Hasse Mattila.

Unter den Zuschauern gegen Karlsruhe war auch Jörg Ahmann, Bronzemedaillengewinner bei den Olympische Spielen 2000 in Sydney im Beachvolleyball, dessen Sohn Mike bei den Baden Volleys spielt. Auch von Ahmann gibt es anerkennende Worte für den Rivalen: „Sie haben einen tollen Weg gemacht und sich vor der Runde gut verstärkt“, sagt Ahmann, der auch U23-Nationaltrainer der deutschen Beachvolleyball-Nationalteams ist. Inzwischen reicht die Strahlkraft der Volleys sogar über Ludwigsburg hinaus. „Die sportliche Entwicklung ist außergewöhnlich positiv. Das honorieren auch die Zuschauer der Gegner. Ludwigsburg füllt auch die Hallen der anderen Teams“, sagt Ralf Hoppe, Präsident des Volleyball-Verbandes Baden-Württemberg. Er traut es dem Verein zu, in ein paar Jahren alle Spiele in der MHP-Arena auszutragen. Man habe sich vor der Runde klug verstärkt, meint Hoppe. „Da merkt man, dass mit Michael Dornheim ein sehr erfahrener Volleyballer als Sportdirektor tätig ist“, sagt der Präsident.

Präsident Hoppe schlägt gemeinsamen Spieltag vor

Er sieht auch Parallelen zum Allianz MTV Stuttgart. „Es war ein langer Weg, bis der Klub seine derzeitige Ausnahmestellung erreicht hat. Das braucht in Ludwigsburg noch seine Zeit“, sagt Hoppe. Er hat auch schon eine kleine Vision davon, wie Frauen von Allianz MTV Stuttgart und die Ludwigsburger Männer Synergien bilden könnten: „Die beiden Klubs könnten überlegen, ob es Sinn macht einen gemeinsamen Spieltag auszurichten. Erst das Bundesligaspiel der Männer, dann das der Frauen.“ Das wäre auch ganz nach dem Geschmack von Kim Renkema, die von „Riesenpotenzialen“ spricht, was auch die gemeinsame Fanbindung oder gemeinsamen Sponsoren angeht. „Die beiden Vereine können sich gut ergänzen, ohne dass man sich dabei etwas wegnimmt.“

Klub hofft auf 2000 Zuschauer gegen Berlin

Der nächste große Höhepunkt für die Barock Volleys soll das Spiel am 15. Februar in der MHP-Arena gegen den derzeitigen Tabellenzweiten Berlin Volleys werden. Da hoffen die Verantwortliche auf 2000 Zuschauer. Vielleicht hat Kim Renkema dann auch Zeit, vorbeizuschauen.