Diagonalangreiferin Lena Große Scharmann, Erik Reitsma: Die Zusammenarbeit zwischen Team und Trainer funktioniert. Foto: Baumann

Zwei Spiele, zwei Siege: Erik Reitsma gelingt ein guter Einstieg als neuer Coach der Stuttgarter Volleyballerinnen – und dennoch wird der Niederländer wohl eine Interimslösung bleiben.

Stuttgart - Ruhig und fokussiert spazierte Erik Reitsma am Samstagabend durch seine Coachingzone in der Scharrena. Als ihn der Schiedsrichter darauf hinwies, diese bitte nicht zu verlassen, antwortete er mit einem Lächeln und ein paar freundlichen Worten. In den ersten beiden Sätzen seines Heimdebüts als Cheftrainer der Bundesliga-Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart gegen die Ladies in Black Aachen konnte den 30-Jährigen nichts aus der Ruhe bringen – auch weil seine Spielerinnen dominierten und sich die zwei Durchgänge locker sicherten (25:15, 25:20). Danach allerdings war Schluss mit lustig.

Die kurze Amtszeit von Reitsma hat es in sich

Nach einer knappen Entscheidung des Unparteiischen zugunsten der Gäste riss der Niederländer im dritten Satz seine Arme auseinander und reklamierte lautstark in Richtung Schiedsrichterpodest. „Es waren heute sehr viele Emotionen im Spiel. Wir haben zwei sehr souveräne Sätze gezeigt, dann wurde es ein Duell auf Augenhöhe“, sagte Erik Reitsma. Der dritte Satz ging mit 25:18 klar an die Aachenerinnen, danach setzte sich das Wechselbad der Gefühle für den Neu-Cheftrainer fort. Beim Stand von 22:24 wehrte sein Team zwei Satzbälle ab, kurz darauf verwertete Juliët Lohuis den ersten Matchball zum 27:25 und damit zum 3:1-Erfolg. „Es war“, gestand Reitsma erleichtert, „natürlich ein ganz besonderes Spiel für mich.“ Weil es enorm knapp war. Und weil die gesamte Situation im Stuttgarter Volleyball derzeit ziemlich ungewöhnlich ist.

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Vor einer Woche übernahm der bisherige Co-Trainer die Rolle seines zurückgetretenen Chefs Giannis Athanasopoulos, mit dem er seit August 2019 eng zusammengearbeitet hatte. Und schon diese kurze Amtszeit hatte es aus Sicht von Reitsma in sich. Weil sein Co-Trainer Sebastian Schmitz am Mittwoch in seiner Funktion als Stützpunkttrainer gefordert war, saß der Niederländer beim 3:0-Sieg in Wiesbaden alleine auf der Bank. Und die Partie gegen Aachen war für den 30-Jährigen, der jüngst zum Co-Trainer des niederländischen Frauen-Nationalteams ernannt wurde, eine Reise in die eigene Vergangenheit. Vor seinem Wechsel nach Stuttgart hatte Reitsma als Co-Trainer von Saskia van Hintum bei den Ladies in Black seine ersten Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt. „Das sind schon sehr viele Eindrücke, die ich nun in kurzer Zeit verarbeiten musste“, meinte Reitsma, „aber der Verein und auch die Spielerinnen unterstützen mich toll.“

Verein sucht einen Nachfolger für Athanasopoulos

Kein Wunder, denn im Kreis der Mannschaft genießt der Übergangschef große Wertschätzung. „Er ist ein sehr kommunikativer Trainer, der viel Wert auf Taktik legt“, sagte Zuspielerin Pia Kästner. Besonders intensiv sei seine Vorbereitung auf die Partien: „Er geht sehr in die Details und spricht mit jeder Spielerin einzeln.“ Auf wie viele Begegnungen Reitsma sein Team als Cheftrainer noch einstimmen wird, ist indes offen.

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„Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben. Er ist in dieser schwierigen Situation eingesprungen und hat es in den beiden Spielen sehr gut gemacht“, sagte Aurel Irion. Trotz der funktionierenden Zusammenarbeit zwischen Team und Trainer werde aber weiter nach einem Nachfolger für Athanasopoulos gesucht. „Es ist gut möglich, dass wir mit Erik Reitsma auch in die Champions-League-Spiele in der zweiten Dezember-Woche in Istanbul gehen“, sagte der Geschäftsführer von Allianz MTV Stuttgart, „aber vielleicht tut sich bis dahin ja auch noch was.“

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