Niemals aufgeben, lautet das Motto der Stuttgarter Volleyballerinnen Foto: Baumann

Es sieht so aus, als würden die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart im Play-off-Finale in Schwerin erneut ihren Meister finden.

Stuttgart - Am Ende flossen Tränen der Enttäuschung. Vor allem den beiden Außenangreiferinnen, die auch nächste Saison das Gerüst von Allianz MTV Stuttgart bilden werden, ging die bittere 1:3-Heimpleite (20:25, 25:14, 20:25, 16:25) im zweiten Endspiel gegen Bundesliga-Primus Schwerin in der ausverkauften Scharrena nahe: Michaela Mlejnkova (20), die mit 17 Punkten erneut beste Stuttgarterin war und spürte, dass sie die Finalserie nicht alleine gewinnen kann. Und Renata Sandor (26). Die Ungarin würde ihre Teamkollegin gerne unterstützen. Doch sie kann nicht. Am Ende einer kräftezehrenden Saison streikt ihr Körper. „Schwerin ist sehr stark, hat zudem den breiteren Kader“, meinte MTV-Trainer Guillermo Naranjo Hernández, „wenn wir so angeschlagen sind wie derzeit, reicht es nicht, um in einer Finalserie auf diesem Level zu bestehen.“ Aufgeben? Werde sein Team trotzdem nicht: „Wir versuchen weiter alles.“

Doch mehr als Durchhalteparolen bleiben dem Außenseiter nicht. Schwerin dominierte das zweite Spiel abgesehen von einer Schwächephase im zweiten Satz, hatte klare Vorteile in der Annahme und im Block. Zudem war Diagonalangreiferin Louisa Lippmann, die der MTV vor der Saison gerne von Dresden nach Stuttgart gelotst hätte, kaum zu stoppen. Schon an diesem Mittwoch (19 Uhr) könnte der SSC durch einen Heimsieg im dritten von maximal fünf Play-off-Duellen die Meisterschaft perfekt machen. „Schwerin war diesmal in allen Bereichen einen Tick besser“, meinte die neue MTV-Sportchefin Kim Renkema, deren Team nun drei Spiele in Serie gewinnen müsste, um im dritten DM-Finale nacheinander erstmals den Titel zu holen, „wir geben uns zwar noch nicht geschlagen, aber wir sind auch Realisten. Wenn die Schwerinerinnen noch einmal so auftreten wie in der Scharrena, dann gewinnen sie die Meisterschaft auch verdient.“

Was macht noch Hoffnung?

Was noch Hoffnung macht? Nicht mehr viel. Klar ist: Renata Sandor wäre nicht zu ersetzen. Julia Schaefer (20), die Mitte des zweiten Satzes im Außenangriff für die Ungarin kam, ist zwar hochtalentiert, auf diesem Niveau aber (noch) überfordert. Und Deborah van Daelen eigentlich Diagonalangreiferin, deshalb auf dieser Position nur eine Notlösung. Ob Sandor, die nach einem Kreuzbandriss zu Beginn dieser Saison zurückkehrte und bisher alle 40 Spiele absolviert hat, es am Mittwoch noch einmal versuchen kann, ist offen. „Das entscheidet der Arzt“, sagte Coach Hernández, „Renata trainiert seit mehreren Wochen nicht mehr, ist körperlich am Limit. Wir werden auf keinen Fall ein Risiko eingehen, schließlich soll sie auch nächstes Jahr noch hier spielen.“

Andererseits wird es ohne Sandor kaum möglich sein, die Serie zu drehen – selbst wenn der MTV sich immer noch als Angstgegner der Schwerinerinnen sieht. Schließlich wurde das Pokalfinale im Januar nach aussichtslosem Rückstand ebenso noch gewonnen wie die beiden Duelle in den Play-off-Halbfinalserien 2015 und 2016. „Wir haben schon mehrfach erlebt, wie Schwerin total einbricht“, meinte Hernandez, „der SSC ist zwar nicht mehr ganz so anfällig wie früher, aber trotzdem noch nicht durch.“

So sieht es auch Felix Koslowski – allerdings aus einem anderen Grund. „Die Vergangenheit interessiert mich nicht mehr“, sagte der Schweriner Coach, der auch Bundestrainer ist, „wir haben eine sehr gute Ausgangslage, aber dennoch großen Respekt vor Stuttgart. Das ist ein Team, das super aggressiv spielen kann und nie aufgibt. Gegen jeden anderen Bundesligisten wäre die Serie entschieden. Gegen Stuttgart nicht.“

Trotzdem richtet man sich beim MTV darauf ein, dass nach dem Spiel in Schwerin alles vorbei sein könnte. „Unser Gegner hat bisher seine Favoritenrolle eindrucksvoll bestätigt“, meinte Geschäftsführer Aurel Irion, „meine Mannschaft hat zwar schon öfter bewiesen, dass sie selbst aus aussichtslosen Situationen zurückkommen kann, aber diesmal sind die Chancen gering.“ Gut möglich, dass am Mittwoch erneut Tränen fließen werden. Dann letztmals in dieser Saison.

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