Voller Einsatz: Sarah Wilhite (blaues Trikot) wird von Nia Grant und Alexa Marie Dannemiller geblockt Foto: Baumann

Drei Siege im Pokal haben die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart eingefahren. Jetzt soll der Meistertitel her – kein leichtes Unterfangen, da es der Mannschaft derzeit nicht gelingt, ihr Leistungsvermögen voll auszuschöpfen.

Stuttgart - Im Vip-Raum der Scharrena gibt es eine neue Attraktion. Dort lehnt nun eine Vitrine an der Wand, die alle Erfolge von Allianz MTV Stuttgart auf einen Blick sichtbar macht. Unter anderem mit einem großen Pokal, der symbolisch steht für die drei Siege in den Cup-Wettbewerben 2011, 2015 und 2017. Das ist gut fürs Ego. Allerdings wird beim Betrachten der Vitrine auch deutlich, was dem ehrgeizigen Verein noch fehlt – ein Triumph in der Meisterschaft. Das soll sich in den nächsten sechs Wochen ändern.

Die Bundesliga-Saison haben die Stuttgarter Volleyballerinnen trotz der 2:3-Heimniederlage (20:25, 21:25, 25:18, 25:19, 15:17) am letzten Spieltag gegen den SC Potsdam auf Platz eins beendet. Das Duell gegen Ex-Trainer Guillermo Naranjo Hernández war bedeutungslos, so dass MTV-Coach Giannis Athanasopoulos einige seiner besten Kräfte gar nicht oder nur ganz wenig einsetzte. Und trotzdem passte das Ergebnis keinem. Weil es die Zweifel daran nährte, das ausgegebene Saisonziel – einen Titel – am Ende auch tatsächlich zu erreichen. Bevor die Play-offs um die Meisterschaft am Sonntag (15.30 Uhr/Scharrena) mit dem ersten Viertelfinal-Duell gegen den VC Wiesbaden beginnen, ist der Druck in Stuttgart groß. Enorm groß.

Schnelle Lösungen gefordert

Mannschaft 38 Spiele hat das MTV-Team seit dem 20. Oktober bestritten, und irgendwann ging in der gefährlichen Gemengelage aus ständiger physischer und psychischer Belastung sowie der Enttäuschung über die 0:3-Pleite im Pokalfinale gegen den SSC Schwerin die Form verloren. Es läuft zwar nicht schlecht, aber längst nicht mehr so gut wie im November und Dezember. Weshalb Sportchefin Kim Renkema klare Worte wählt: „Wir haben nun eine Woche Zeit, um zu unserer vollen Leistungsstärke und zum Glauben an uns selbst zurückzufinden.“ Doch das allein wird nicht reichen.

Denn ein Unterschied zur ersten Saisonhälfte ist, dass die Konkurrenz das auf die überragende Diagonalangreiferin Krystal Rivers ausgerichtete Spielsystem entschlüsselt hat. Was kein großes Problem wäre, wenn andere Angriffsoptionen greifen würden. Doch Mittelblockerin Molly McCage ist längst nicht so effektiv wie vergangene Saison, weil es Abstimmungsprobleme mit den Zuspielerinnen Pia Kästner und Madison Bugg gibt. Noch größere Sorgen bereiten Renkema indes die Außenangreiferinnen Jana-Franziska Poll, Sarah Wilhite, Julia Schaefer und Renata Sandor, die sich allesamt in einem Loch befinden. „Wir können uns im Angriff nicht nur auf Krystal Rivers verlassen, das ist definitiv zu wenig. Wir müssen uns schnell neue Lösungen erarbeiten und kreativer werden“, fordert die Sportchefin, die vor allem das Außen-Quartett in die Pflicht nimmt: „Dort haben wir Schwierigkeiten, das kann jeder sehen. Alle beherrschen die Technik für Annahme und Angriff, nun müssen alle wieder mehr an sich glauben und auch mal etwas riskieren, um zu punkten. In den Play-offs ist kein Platz für Angst.“

Der Chefcoach ist gefordert

Trainer Giannis Athanasopoulos macht einen guten Job, keine Frage. Doch noch nie war der Grieche, der seine zweite Saison als Chefcoach bestreitet, so gefordert wie jetzt. Er muss sein Team dorthin zurückbringen, wo es schon mal war – an die Leistungsgrenze. „Von allen“, sagt Geschäftsführer Aurel Irion, „muss mehr kommen.“ Athanasopoulos ist das klar, aber er weiß auch, was zu tun ist. „Uns fehlt es vor allem am Training“, sagt er angesichts der ständigen Reisen und vielen Spiele, „wir haben nun zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Woche Zeit, um uns auf eine Partie vorzubereiten. Unsere Form wird gegen Wiesbaden wieder besser sein, da bin ich sicher.“

Fans stehen hinter dem Team

Umfeld Die Fans stehen voll hinter dem Team, die Funktionäre machen ihren Job – auch wenn Irion alles andere als glücklich darüber ist, dass ein Umzug in die Porsche-Arena in den Play-offs aus terminlichen Gründen nicht möglich sein wird. „Das ist schade“, sagt der Geschäftsführer, „ändert aber nichts daran, dass wir nicht vorhaben, erneut Zweiter zu werden.“ Zumal in der neuen Vitrine ganz bewusst etwas Platz gelassen wurde. Für die Meisterschale.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: