Volleyball-Trainer Giannis Athanasopoulos gibt seine Anweisungen künftig nicht mehr allein dem Team von Allianz MTV Stuttgart. Foto: Baumann

Erfolg weckt Begehrlichkeiten: Giannis Athanasopoulos, der Cheftrainer der Stuttgarter Volleyballerinnen, hat ab Sommer noch einen interessanten Nebenjob.

Stuttgart - In keiner der populären Mannschaftssportarten gibt es eine derart strikte Aufteilung wie im Volleyball: Von Oktober bis Mai laufen die Vereins-Wettbewerbe, von Mai bis Oktober die Turniere für Nationalteams. Was sich nach Klarheit anhört, macht in der Realität durchaus Probleme. Für die Vereine, die ein halbes Jahr lang keine Einnahmen haben und dann sechs Monate einen irrwitzig vollen Terminplan. Und für die Aktiven, deren Engagement in den Nationalmannschaften automatisch bedeutet, dass sie so gut wie nie eine Pause haben. Eine vielversprechende Perspektive bietet diese deutliche Trennlinie somit nur ambitionierten Trainern: In keiner anderen Sportart kommt es so häufig vor, dass der Chefcoach eines Vereins zudem eine Länderauswahl betreut. Zu dieser Gruppe gehört nun auch Giannis Athanasopoulos (40).

Der Trainer von Allianz MTV Stuttgart, der mit seinen Volleyballerinnen die Bundesliga-Hauptrunde auf Rang eins beendet hat und mit seinem Team in den Play-offs erstmals Meister werden will, wird in den nächsten zwei Jahren im Nebenjob als Coach des tschechischen Frauen-Nationalteams arbeiten. „Ich fühle mich sehr geehrt“, erklärt Athanasopoulos, „wir werden hart arbeiten, um unser Niveau zu verbessern und zu den besten europäischen Teams vorzustoßen. Das größte Ziel ist die Qualifikation für die EM 2021.“

Sollte es im Play-off-Finale fünf Spiele dauern, bis der Meister gefunden ist, geht die Saison in Deutschland bis zum 12. Mai. Lange könnte Athanasopoulos danach nicht Urlaub machen: Schon zwei Wochen später steht für das tschechische Team der Auftakt in der Europa-Liga an. Anschließend gibt es im August in China ein Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dabei wird es zu einem interessanten Wiedersehen kommen: Die Tschechinnen spielen auch gegen das deutsche Team mit Bundestrainer Felix Koslowski, der im Hauptjob Coach des großen Stuttgarter Rivalen SSC Schwerin ist.

Dass die Verantwortlichen im tschechischen Volleyball auf Athanasopoulos kamen, spricht für die gute Arbeit, die der Grieche beim MTV leistet. Es hat aber auch ein bisschen mit seiner Historie zu tun: Ehe er nach Stuttgart kam, arbeitete Athanasopoulos in der Saison 2013/14 im Trainerteam von VK Agel Prostejov. Jetzt sagt er: „Mein großer Dank gilt den Verantwortlichen von Allianz MTV Stuttgart, die es mir ermöglichen, meinen Traum zu erfüllen, zusätzlich als Nationaltrainer zu arbeiten. Ich bin mir sicher, dass ich sehr viele Erfahrungen sammeln werde, die es mir ermöglichen, ein besserer Trainer zu werden.“

Das ist die eine Seite der Medaille, zu der auch gehört, dass Athanasopoulos künftig international noch besser vernetzt sein wird. Es gibt allerdings auch die Kehrseite: Natürlich wächst die Belastung für ihn enorm, und es wird zwangsläufig auch zu Überschneidungen kommen – denn normalerweise beginnen Bundesligisten Anfang August mit der Vorbereitung auf die nächste Saison. Dessen sind sich die Verantwortlichen bei Allianz MTV Stuttgart bewusst, und trotzdem wollten sie ihrem Coach keine Steine in den Weg legen. „Wir sind stolz darauf, dass Giannis nun Nationaltrainer wird“, sagt Sportdirektorin Kim Renkema, „seine Entwicklung und seine gute Arbeit bleiben natürlich nicht unbeobachtet. Für ihn ist dies ein nächster Schritt in seiner Karriere. Die Erfahrungen, die er mit dem tschechischen Nationalteam sammeln kann, sind für uns als Verein nur gut. Seine Arbeit bei uns bleibt seine Hauptaufgabe, die terminlichen Überschneidungen nehmen wir in Kauf.“

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