Die Freude muss raus: Die Volleyballer des ASV Botnang sind Drittliga-Meister. Foto: privat

Die Drittliga-Volleyballer verlieren ihr finales Saisonspiel bei der SSG Langen mit 3:1, profitieren aber vom Ausrutscher des Verfolgers FT 1844 Freiburg II.

Puh! Das ging ja gerade noch mal gut. Die Volleyballer des ASV Botnang traten am Samstagabend bei der abstiegsbedrohten SSG Langen in Hessen an, um durch einen Sieg den Titel in der dritten Liga fix zu machen. Die Rechnung machte das Team aber ohne den Gastgeber. Dieser versuchte am finalen Spieltag seine letzte theoretische Chance auf den Klassenverbleib zu nutzen und siegte mit 3:0 (25:23, 25:19, 27:25). Dennoch 20 Minuten nach der Partie Jubel auf der aktuellen Verlierer-Seite, Frustration auf der Gewinnerseite. Der hartnäckigsten Kontrahent des Teams aus dem Stuttgarter Westen, die FT 1844 Freiburg II, unterlag beim Tabellenvierten TV Waldgirmes mit 1:3 und somit gelang dem ASV doch noch der Titelgewinn. Langens Konkurrenz punktete indes auch, sodass die Hessen doch abgestiegen sind.

 

Blankes Entsetzen und in die Leere starrende Blicke sah man bei den Botnangern nach der verlorenen Partie. „Langen hat einige ehemalige Zweitliga-Spieler aufgeboten, die sonst nicht spielen und bei uns war die Nervosität spürbar gewesen“, begründet der stellvertretende Abteilungsleiter und Zuspieler Lukas Beckebans die Pleite. Zudem habe man den Gastgebern zu viele Serien zum Punkten gegönnt.

Doch aus dem besagten Entsetzen entwickelte sich in der Kabine beim gemeinsamen Bibern vor dem Livestream der Freiburg-Partie immer mehr Hoffnung, nervenaufreibende Hochspannung und letztlich grenzenloser Jubel. Eine 2:3-Niederlage hätte den Breisgauern nämlich gereicht, um einen Zähler zu schnappen, mit dem ASV nach Punkten gleichzuziehen und dann aufgrund des besseren Satzverhältnisses den Titel zu holen. „Das war Nervenflattern pur, Waldgirmes hat den vierten Satz mit 26:24 und insgesamt mit 3:1 gewonnen. Damit hat es doch noch für uns gereicht“, sagt Beckebans und atmet dabei mächtig durch. Danach gab es kein Halten mehr, die Feier begann bereits auf der Heimfahrt im Kleinbus und endete – wie zu hören war – für so manchen erst am frühen Morgen in der Stuttgarter City.

„Wir haben in dieser Runde häufig Ausfälle in unserer Stammsechs zu beklagen gehabt, doch aufgrund unserer Masse an Spieler haben wir das kompensieren können und die Mannschaft ist immer besser zusammengewachsen“, sagt der ASV-Coach Kim Knaupp. Auch wenn seine Belegschaft im Vergleich zum Konkurrenten Freiburg drei Siege weniger aufzuweisen hat, „sind wir verdient Meister geworden, weil wir, außer dreimal, mit 2:3-Sätzen unterlagen und somit jeweils einen Punkt ergattert und in der Endabrechnung eben mit einem Zähler die Nase letztlich vorne haben“.

Aufstiegsfrage muss bis Anfang Mai geklärt sein

Der Titel ist also eingetütet, die Aufstiegsfrage in die zweite Liga Süd indes noch nicht geklärt. Anders als in der Vorjahren ist die Bereitschaft aber da, im Oberhaus antreten zu wollen – die Planungen beziehungsweise das Schaffen der Rahmenbedingungen laufen bereits seit Saisonbeginn. „Ein erhöhtes Budget um etwa 50 Prozent brauchen wir für die zweite Liga“, hat der stellvertretende Abteilungsleiter Beckebans bereits vor einem Jahr gesagt. Die Mehrkosten ergeben sich unter anderem durch weitere Auswärtsfahrten – Gegner kommen zum Beispiel aus Dresden und Leipzig – aus höheren Lizenzgebühren und für die Schiedsrichter. „Diesen Betrag können wir stemmen“, sagt Beckebans. Unerwartete finanzielle Belastungen entstehen für die Keiler, wie sie sich selbst nennen, durch Kürzungen im Sporthaushalt der Stadt Stuttgart. So erhöht sich die Nutzungsgebühr der Sporthallen und werden die Fahrtkostenzuschüsse gestrichen. Für den jetzigen Drittliga-Meister bedeutete das: „Mehrkosten im niedrigen fünfstelligen Bereich“, schätzt Beckebans. Bis zur ersten Maiwoche haben die West-Stuttgarter noch Zeit, die Summe zusammenzubekommen und weitere Details zu klären. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, wollen unbedingt hoch“, so Beckebans.

Probleme stellt auch der bisherige Spielort dar. Die Ballsporthalle Botnang hat kein komplett eingefärbtes Spielfeld, wie es für die zweite Liga Bedingung ist. Gemeinsam mit der Stadt arbeite man an einer Lösung, so Beckens, wobei von Seiten des Verbands eine Ausnahmeregelung für ein Jahr möglich sei.

Zukunft von Trainer bei Nichtaufstieg offen

Eine weitere Frage ist die Zukunft von Trainer Knaupp. „Für die zweite Liga habe ich zugesagt“, sagt er. Doch was ist, wenn die Botnanger erneut dem Aufstieg doch noch eine Absage erteilen, eine weitere Runde in der dritten Liga drehen werden? Schließlich hat Knaupp im Vorjahr die Frauen des Drittligisten TSV Allianz Stuttgart verlassen, weil ihm dort die Perspektive in Richtung Höherklassigkeit fehlte. „Dann müssen wir nochmals reden, wie es weiterhegen soll“, so Knaupp.