Für die Verteilung auf die Schulen ist der Wohnort der Schüler entscheidend. Foto: zap

Manche Schulen platzen aus allen Nähten, anderen fehlen die Anmeldungen. Vom kommenden Schuljahr an wollen Schulamt und Regierungspräsidium die Schülerzahlen daher stärker umverteilen– und rechnen deshalb schon mit Klagen der Eltern.

Kreis Ludwigsburg - Für Bernhard Joos lässt sich das Problem in einem Satz zusammenfassen: „Wir sind voll bis zum letzten Platz.“ Der Leiter der Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg sagt das, ohne dabei verärgert oder verzweifelt zu klingen. Dabei sind die Auswirkungen auf den Alltag an seiner Schule durchaus gravierend. Zurzeit gebe es elf sogenannte Wanderklassen an der OPS, erzählt Joos. Das seien im Verhältnis zu den Klassen, die ein eigenes Zimmer für den Unterricht zur Verfügung hätten, einfach zu viele.

„Wir haben kaum noch freie Räume“, sagt Joos. Ursprünglich sei das Schulzentrum für neun Züge ausgelegt gewesen. „Inzwischen haben wir in manchen Jahrgängen elf Klassen.“

Dass es an der OPS mittlerweile derart eng zugeht, haben auch die zuständigen Stellen im Staatlichen Schulamt Ludwigsburg und im Regierungspräsidium (RP) Stuttgart mitbekommen. Aus dem RP heißt es, man beobachte die veränderten Schülerströme im Kreis Ludwigsburg seit zwei Jahren „mit wachsender Sorge“. Daher habe man ein Konzept erarbeitet, um die Schülerzahlen im Kreis besser zu verteilen.

Manche Schulen stoßen an Kapazitätsgrenzen

Mit dem „Schülerlenkungskonzept im Landkreis Ludwigsburg“ sollen die ungleichen Anmeldezahlen an den weiterführenden Schulen ausgeglichen werden. Denn anders als in Freiberg gebe es durchaus noch Standorte, die Kapazitäten frei hätten, sagt der zuständige Referent im RP, Helmut Fischer. Diese sollen nun besser genutzt werden.

Bereits vom kommenden Schuljahr an wollen die Schulbehörden die Anmeldezahlen im Auge behalten und gegebenenfalls Schüler umverteilen, wenn einzelne Schulen an ihre Grenzen kommen. Dabei spielt vor allem die Entfernung zwischen Wohnort und Schulort eine Rolle, ebenso die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch kommt eine sogenannte Geschwisterregelung zum Tragen: Schüler, deren Geschwister bereits eine bestimmte Schule besuchen, haben einen Vorteil gegenüber anderen Bewerbern.

Am Beispiel Oscar-Paret-Schule bedeutet das konkret: ab der Grenze von 140 Anmeldungen für die Real- und Gemeinschaftsschule suchen die Behörden das Gespräch mit interessierten Familien. Das Ziel sei es, zu konstruktiven Lösungen zu kommen, sagt Fischer. So könnten Kinder aus Ingersheim, die für die Oscar-Paret-Schule angemeldet wurden, auch die Gemeinschaftschule in Bietigheim-Bissingen besuchen. „Gute Beratung ist das A und O an dieser Stelle.“ Da die Anmeldungen für das kommende Schuljahr bereits Mitte März abgegeben werden müssten, bleibe dafür auch genügend Zeit, sagt der Freiberger Schulleiter Joos.

Die Behörden rechnen mit Klagen der Eltern

Doch klar scheint bei diesem Vorgehen auch: ohne Konflikte wird es wohl nicht gehen. Denn naturgemäß werden manche Schüler und deren Eltern wohl eine Absage bekommen – zumindest für ihren Wunsch-Schulort. „Wir können nicht auf jeden Elternwunsch Rücksicht nehmen“, sagt Helmut Fischer.

Dass damit Konflikte programmiert sind, darüber ist man sich im Regierungspräsidium auch im Klaren: Er rechne durchaus mit vereinzelten Klagen von Eltern, sagt Fischer. „Doch wir haben da eine rechtssichere Position.“

Das Regierungspräsidium verweist auch darauf, dass es nicht nur in Freiberger Klassenzimmern eng zugehe. An der Glemstalschule in Schwieberdingen gab es im Sommer Ärger wegen der Kapazität der Gemeinschaftsschule. Schließlich entschied das RP, zunächst fünf Eingangsklassen für die Gemeinschaftsschule zu gründen, um mehr Platz zu schaffen.

Zunächst betrifft das Lenkungspapier vor allem die Realschulen und Gemeinschaftschulen im Kreis. Doch Helmut Fischer und seine Kollegen aus dem Regierungspräsidium arbeiten an einem ähnlichen Konzept für Gymnasien. Denn auch dort zeichneten sich mancherorts schon Platzprobleme ab, sagt Fischer, unter anderem, da Schulen mit G9-Zügen sehr beliebt seien. Das Papier werde man voraussichtlich im Januar vorstellen.

Info: Gemeinschaftsschulen und ein Freiberger Neubau

Zusammen lernen
Zurzeit gibt es 15 Gemeinschaftsschulen im Landkreis Ludwigsburg (siehe Grafik). Die ersten Schulen dieser Art starteten zum Schuljahr 2013/2014, darunter die Oscar-Paret-Schule in Freiberg und die Wilhelm-Keil-Schule in Remseck. Allein in diesem Schuljahr kamen fünf neue Standorte dazu.

Schulzentrum
Unter dem Dach der Oscar-Paret-Schule befinden sich neben der Gemeinschaftsschule auch eine Realschule und ein Gymnasium. Insgesamt besuchen 1650 Schüler den Campus.

Baustelle
Im Zuge der Modernisierung des Zentrums plante die Stadt Freiberg ursprünglich auch, das Schulzentrum zu sanieren. Inzwischen will man das Gebäude aber ganz abbrechen und neu bauen. Um künftig keine Platzprobleme mehr zu haben, soll das neue Gebäude nach dem Willen des Regierungspräsidiums größer dimensioniert sein. Damit stiegen auch die geschätzten Kosten auf aktuell rund 60 Millionen Euro.

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