Ein elektrisch betriebener Golf parkt vor dem Hangar des Flughafens Tempelhof in Berlin. Der Viertürer soll zu Preisen ab 35.000 Euro im Sommer auf den Markt kommen. Foto: dpa

Zuletzt war VW-Chef Martin Winterkorn äußerst vorsichtig mit Prognosen für das Jahr 2014. Nun legte er seine Zurückhaltung ab. Der Absatz soll die Grenze von 10 Millionen schon in diesem Jahr übertreffen.

Zuletzt war VW-Chef Martin Winterkorn äußerst vorsichtig mit Prognosen für das Jahr 2014. Nun legte er seine Zurückhaltung ab. Der Absatz soll die Grenze von 10 Millionen schon in diesem Jahr übertreffen.

Die Bilanz

Für den Volkswagen-Konzern war 2013 ein Rekordjahr: Weltweit setzten die Wolfsburger 9,7 Millionen Fahrzeuge ab. Im Vorjahr waren es 9,3 Millionen. Mit eingerechnet sind dabei allerdings die Nutzfahrzeuge der Marken VW, Scania und MAN. Der Umsatz von Europas größtem Autobauer kletterte um 2,2 Prozent auf 197 Milliarden Euro. Der operative Gewinn legte ebenfalls zu – um 1,5 Prozent auf knapp 11,7 Milliarden Euro. Die Rendite lag bei knapp 6 Prozent und damit ähnlich hoch wie etwa bei Daimler.

Bei den Finanzzahlen ist das China-Geschäft nicht mit eingerechnet, da es sich dabei um Gemeinschaftsunternehmen handelt. Nur die Absatzzahlen aus China werden dem Konzern zugerechnet. Dort Mitte erzielte Volkswagen einen operativen Gewinn von 4,3 Milliarden Euro. „Berücksichtigt man diesen Zusammenhang, läge der Gewinn pro ausgeliefertem Fahrzeug deutlich höher“, so Winterkorn. Für den VW-Chef selbst war 2013 ebenfalls ein gutes Jahr. Er bekommt gut 15 Millionen Euro überwiesen, eine halbe Million Euro mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Daimler-Chef Dieter Zetsche verdiente 8,25 Millionen Euro. Die tarifbeschäftigten Mitarbeiter des VW-Konzerns erhalten zum Gehalt 6200 Euro Prämie, bei Daimler waren es rund 3000.

Die Marken

Als unangefochtene Ertragsperlen im VW-Konzern gelten Porsche und Audi. So hat allein der Sportwagenbauer aus Stuttgart knapp 2,6 Milliarden Euro Gewinn beigesteuert, die Rendite liegt hier bei sagenhaften 18 Prozent. „Porsche wächst in jeder Hinsicht“, sagte Winterkorn. Sinnbild dafür sei der neue Geländewagen Macan, der in Leipzig vom Band läuft. Audi hat 5 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet und eine Rendite von 10,1 Prozent erreicht.

Die Kernmarke VW erreichte 2,9 Milliarden Euro Gewinn, etwa 750 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Auch der Absatz ging zurück. Mit 4,7 Millionen Golf, Passat und Co. wurden fast 150 000 weniger verkauft als noch im Vorjahr. Sorgenkind bleibt Seat. Obwohl der Absatz zulegte, stand am Ende ein Verlust von 152 Millionen Euro – immerhin vier Millionen Euro weniger als 2012. Auch Skoda, zuletzt vor allem mit dem Oktavia ein stabiler Wachstumsmotor, legte eine Pause ein. Der Gewinn sank um fast 200 Millionen Euro auf 522 Millionen Euro.

Die Märkte

Für VW bleibt China ein Goldesel. Dort wird inzwischen fast jedes dritte Auto aus dem Konzern verkauft. „Wir glauben, dass China weiter wachsen wird“, sagte Winterkorn. So sei man als erster Autobauer mit einem Werk im bisher noch nicht erschlossenen Nordwesten präsent. Das Händlernetz solle wie das Modellangebot weiter ausgebaut werden. In den USA dagegen schwächelt vor allem die Kernmarke VW. Allein im Februar 2014 sank der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 16,3 Prozent auf etwas mehr als 50 000 Einheiten. Als Gründe nennt Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch fehlende neue Modelle. Allerdings sei die Einführung eines mittelgroßen Geländewagens speziell für den amerikanischen Markt geplant. Zum anderen habe man das Geschäft neu aufgestellt und erreicht, dass nach langen Jahren großer Verluste dort wieder Geld verdient werde. „Bis 2018 wollen wir in den USA eine Million Fahrzeuge absetzen“, kündigte Pötsch an. Mit 611 747 verkauften Pkw war man 2013 von diesem Ziel noch ein ganzes Stück weit entfernt. In Westeuropa erwartet Winterkorn 2014 eine leichte Erholung des Marktes. Hier hatte der Konzern 2013 den Absatz mit 2,7 Millionen verkauften Autos geradeso stabil halten können.

Die Nutzfahrzeuge

Trotz der Kritik an der geplanten Komplett-Übernahme von Scania für 6,7 Milliarden Euro hält VW weiter am Ziel eines integrierten Nutzfahrzeugkonzerns mit den Marken MAN, VW und Scania fest. Um Einsparungen zu ermöglichen, müsse man sich von „juristischen Fesseln“ lösen, sagte Finanzvorstand Pötsch. Langfristig könnten dadurch die Kosten um jährlich 650 Millionen Euro gedrückt werden. Man werde die Integration der Marke so sensibel wie möglich betreiben, versprach Winterkorn und lieferte ein Bekenntnis zu Belegschaft, Werken und der „besonderen Unternehmenskultur“ der schwedischen Firma ab. Die Zusammenführung der Marken soll Andreas Renschler übernehmen, der bei Daimler lange Jahre die Lkw-Sparte verantwortete und am 1. Februar 2015 seinen Dienst in Wolfsburg antritt.

Die Strategie

In den vergangenen Wochen hatte sich Winterkorn immer vorsichtig geäußert. Am Donnerstag allerdings wagte er sich aus der Deckung. „Wir sehen gute Chancen, dass wir die Marke von 10 Millionen Fahrzeugen schon in diesem Jahr erreichen – vier Jahre früher als geplant.“ Auch die Ertragskraft soll steigen. Ein Zauberwort, das dabei immer wieder fällt, ist der Modulare Querbaukasten (MQB) zur Kostensenkung. Damit ist gemeint, dass bei immer mehr Modellen immer mehr Teile baugleich sind. Dies gilt heute bereits etwa für Golf, Audi A3, Skoda Oktavia und Seat Leon. Die Zahl der auf diese Weise gefertigten Autos soll bis 2016 auf vier Millionen steigen, 2013 waren es eine Million Fahrzeuge. Die Strategie ermöglicht es beispielsweise auch, ein Auto wie den Golf ohne größere Umbauten mit verschiedenen Antrieben wie Dieselmotor, Batterie, Plug-in-Hybrid (also Batterie und Benzin-Motor) oder Brennstoffzelle auszustatten.

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