Volkshochschulen Mehr Unterricht - weniger Geld

Von Arnold Rieger 

Die Volkshochschule in Stuttgart Foto: Moritz
Die Volkshochschule in Stuttgart Foto: Moritz

Volkshochschulen haben mehr Zulauf, sehen sich aber vom Land finanziell benachteiligt.

Stuttgart - Die 175 Volkshochschulen im Land haben im vergangenen Jahr 2,7 Millionen Unterrichtsstunden gehalten - so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr. Auch die Zahl der Teilnehmer stieg, so dass Verbandsdirektor Hermann Huba am Montag bilanzierte: "Jeder fünfte Baden-Württemberger bildet sich an einer Volkshochschule."

Vor allem Kurse im Themenbereich Gesundheit werden immer stärker nachgefragt, sie machen fast 39 Prozent des Angebots aus. Es folgen Sprachkurse und das Themenfeld Kultur und Gestalten. Die höchste Steigerungsrate - plus 29 Prozent - gibt es bei den Kursen, mit denen ein Schulabschluss erworben werden kann: "Diese Zahl macht deutlich, dass viele Menschen für ihren beruflichen Erfolg eine zweite Chance brauchen", sagte Huba am Montag. Auch die berufliche Bildung liegt offenbar im Trend, weil immer mehr Menschen in der Weiterbildung eine Möglichkeit sehen, ihren Arbeitsplatz zu sichern. Trotz dieses positiven Trends klagt der Volkshochschulverband über die Finanzierung.

Zwar sei der Zuschuss des Landes um zwei Prozent gestiegen, so Huba, und auch die Kommunen und Landkreise hätten ihre Förderung leicht erhöht. Doch all dies fange Kostensteigerungen nicht auf.

"Tatsache ist, dass die Volkshochschulen einen immer größeren Anteil ihrer Arbeit selbst finanzieren", sagte der Verbandsdirektor. Im Landesschnitt betrage dieser Wert 66 Prozent. Eine Folge davon sei, dass die Teilnehmer deutlich mehr bezahlen müssten als in anderen Ländern - und das verstärke wiederum die soziale Selektivität. Huba: "Wir erreichen längst nicht mehr alle." Er forderte deshalb das Land auf, die Weiterbildung mit deutlich mehr Geld zu fördern als den acht Millionen Euro, die jährlich in diesen Bereich fließen.

5,6 Prozent aller Einnahmen der Volkshochschulen stammten vom Land. Der bundesweite Durchschnitt liegt laut Huba bei 14 Prozent.

Negative gesellschaftliche Folgen erwartet er auch vom Sparkurs bei den Integrationskursen für Migranten. Dem zuständigen Bundesamt fehlen bis Jahresende rund 30 Millionen Euro, weil dieses Geld in die Fahrtkostenerstattung für Teilnehmer fließt. Die Einsparungen an anderer Stelle hätten zur Folge, dass 30000 Integrationswillige damit rechnen müssten, dieses Jahr keine Kurszulassung mehr zu bekommen.

 

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