Ein Ballon weist auf den Taxistand am Wasen hin Foto: Leif Piechowski

Am ersten Wasen-Wochenende haben viel zu wenige Taxis das Festgelände angefahren. Das sagt die Veranstaltungsgesellschaft und macht die Taxi-Auto-Zentrale dafür verantwortlich. Dort lehnt man den Schwarzen Peter ab – und reagiert mit einer Streikdrohung.

Stuttgart - Es kam, wie es kommen musste. Bestes Wetter zum Volksfestauftakt am vergangenen Wochenende, ein brechend volles Gelände – und am späten Abend kaum ein Taxi, das die Leute nach Hause bringt. „Das hat sowohl am Freitag als auch am Samstag nicht geklappt. Wir haben viele Beschwerden von allen Seiten bekommen“, ärgert sich Andreas Kroll, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart.

Schon vor Wochen waren sich die Beteiligten beim Volksfest einig, dass der Taxiverkehr zu den Stoßzeiten am Abend nicht funktionieren wird, wenn sich nichts ändert. Und schon damals war das die einzige Gemeinsamkeit. Die Taxi-Auto-Zentrale in Bad Cannstatt, die fast alle Taxifahrten in Stuttgart vermittelt und rund 750 Fahrzeuge zur Verfügung hat, kritisierte die Stellplätze an Daimlerstraße und Veielbrunnenweg. Viel zu wenige seien das, zu weit vom Fest entfernt und zudem schlecht beschildert. Stellplätze in der Mercedesstraße, so wie früher, wurden gefordert. Stadt und in.Stuttgart lehnten das aus Baustellen- und Sicherheitsgründen ab und konterten mit der Behauptung, der Taxiverkehr habe in der Vergangenheit deshalb oft nicht funktioniert, weil schlicht zu wenige Taxis zum Wasen kämen.

An dieser Einschätzung hat sich nach dem Wochenende nichts geändert. Im Gegenteil. Man habe die Beschilderung verbessert, Ballons angebracht und auf viele Anregungen reagiert, sagt Kroll. „Aber der Besucher fühlt sich verschaukelt, wenn man auf Taxis hinweist und dann keine da sind.“ Offenbar kämen weiterhin viel zu wenige Wagen zum Wasen. Die Taxi-Zentrale müsse „jetzt beweisen, dass das Gewerbe in Stuttgart willens und in der Lage ist, das zu leisten. Wenn die so arbeiten wie bisher, kann es nicht so weitergehen“, sagt Kroll.

Er droht damit, künftig auf andere Partner zu setzen. „Es gibt bereits Gäste, die sich auf Alternativen konzentrieren, etwa Minicars nach Ludwigsburg benutzen.“ Bei Minicars oder auch Mietwagen handelt es sich um taxiähnliche Fahrzeuge, die aber nicht am Taxistand stehen dürfen, sondern nur auf direkte Bestellung Fahrgäste transportieren. Die Taxibranche fürchtet diese Konkurrenz, die in manchen Städten im Südwesten bereits zu heftigen Konflikten führt. Kroll denkt laut darüber nach, mit solchen Anbietern zusammenzuarbeiten: „Wenn sich nichts ändert, müssen wir etwas tun.“

In der Taxi-Auto-Zentrale reagiert man auf die anhaltende Kritik mit einem scharfen Konter. „Da werden die Gegebenheiten völlig falsch interpretiert“, sagt der Vorstandsvorsitzende Murat Arslan. Der Taxiplatz sei unübersichtlich, außerdem kämen viele Autos gar nicht erst bis dorthin. „Wenn die Stadt so wie am Freitag- und Samstagabend auch noch die Mercedesstraße sperrt, gehen die Leute zu Fuß bis zur König-Karls-Brücke und greifen dort schon die Taxis ab“, sagt Arslan.

Er fordert erneut: „Wenn zu den Stoßzeiten massenhaft Leute nach Hause wollen, müssen die Taxis direkt vor dem Ausgang stehen.“ Der Verkehr habe tadellos geklappt, bis die Mercedesstraße vor einigen Jahren als Taxistandort weggefallen sei. „Bevor man die nicht wieder für den Taxiverkehr freigibt, lässt sich das Problem nicht lösen“, sagt Arslan.

Im Ordnungsamt ist man von dieser Forderung nicht begeistert. Man müsse die Mercedesstraße aus Sicherheitsgründen zeitweise sperren, heißt es dort. Man könne auch keine Taxis durchlassen, wenn dort zahlreiche Angetrunkene nach Hause gingen. Das sei zu gefährlich. Man könne bestätigen, dass am Wochenende die Taxikapazitäten erschöpft gewesen seien. Man habe allerdings auch das Phänomen beobachtet, dass die Wagen bereits vor dem Taxistand von Fahrgästen angehalten worden sind und so gar nicht bis zur Daimlerstraße kamen.

Eine schnelle Lösung zu finden wird wohl schwierig. Beim Ordnungsamt sieht man zwei kurzfristige Möglichkeiten. Zum einen soll es mehr Aufstellflächen Richtung Güterbahnhofsgelände geben, von wo aus Taxis nachrücken können. Zum anderen soll die Taxi-Zentrale auf ihre Fahrer einwirken, Passagiere nur am Stand aufzunehmen und nicht schon vorher an der Straße. Beides ­habe man am Wochenende bereits mit den Betroffenen besprochen.

Für den Fall, dass das nicht klappt, deutet sich ein scharfer Konflikt an. „Wenn die Veranstalter sich tatsächlich andere Transportpartner suchen, werden wir streiken und dafür sorgen, dass kein Taxi mehr am Wasen steht“, droht Arslan. Und schiebt nach: „Die müssen endlich aufhören, uns die Schuld in die Schuhe zu schieben.“

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