Wenn es Nacht ist auf dem Wasen, beginnen die Taxiprobleme Foto: Max Kovalenko

Stadt und Veranstalter des Volksfests geben der Taxi-Auto-Zentrale die Schuld daran, dass abends zu wenige Taxis am Wasen sind. Die Taxifahrer reagieren mit Empörung und fordern bessere Stellplatzlösungen.

Stuttgart - Manfred Hülsmann wählt einen anschaulichen Vergleich. „Wenn die Kellnerin beim Volksfest erst zwei Mal ums Zelt rennen muss, bevor sie ihre Maßkrüge los wird, klappt das auch nicht“, sagt er verärgert. Genauso sei das mit den Taxis am Wasen: schlechter Stellplatz, umständlicher Weg dahin, schwierige Abfahrt, verärgerte Fahrgäste, die keinen Wagen bekommen.

Hülsmann, seine zwei Vorstandskollegen Murat Arslan und Hakan Sandalya von der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart sowie weitere Kollegen aus der Branche sitzen am Dienstagvormittag in ihrem Cannstatter Büro und üben sich im Krisenmanagement. Zuvor hat die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, die das Volksfest organisiert, schwere Geschütze aufgefahren. Am Auftaktwochenende seien wie schon in den Vorjahren spätabends viel zu wenige Taxis am Wasen gewesen. Die Taxi-Zentrale mache ihren Job schlecht, sagte der in.Stuttgart-Geschäftsführer Andreas Kroll. Man müsse deshalb überlegen, mit anderen Anbietern zusammenzuarbeiten.

Die Stuttgarter Taxifahrer sind angesichts dieser Vorwürfe erbost. Die Vorstände der Taxi-Zentrale, die in Stuttgart den größten Teil der Fahrten vermittelt und dabei bis zu 750 Autos zur Verfügung hat, legen mehrere Protokolle vor. Daraus geht nicht nur hervor, dass sie die Probleme bereits Monate vor dem Volksfest bei Treffen mit den anderen Beteiligten angesprochen haben, sondern auch, dass sie am vergangenen Freitag und Samstag alle verfügbaren Taxis nach Bad Cannstatt geschickt haben.

Taxifahrer in Stuttgart sind bereit zum Streik

„Wir tun alles, was möglich ist“, sagt Arslan. 90 Prozent aller vorhandenen Wagen seien in den Nächten im Einsatz gewesen. Die Vorwürfe, man schicke zu wenige Taxis zum Wasen, empört ihn. Die Rede ist von Geschäftsschädigung. Er bekräftigt die Streikbereitschaft der Fahrer: „Wenn in.Stuttgart sich andere Partner holt, ziehen wir uns komplett vom Wasen zurück und konzentrieren uns auf andere Punkte in der Stadt.“

„Uns ist es sehr wichtig, dass wir einen guten Service bieten können, aber unter diesen Umständen geht es nicht besser“, sagt Sandalya, der am Wochenende selbst am Wasen gewesen ist. Dort hat er die Situation gemeinsam mit Vertretern von in.Stuttgart, der Stadt und der Polizei beobachtet. Aus dem Protokoll des Ordnungsamts geht hervor, dass offenbar sehr wenige Autos am Taxistand in der Daimlerstraße angekommen sind – aber auch, dass viele Wagen bereits vorher von Kunden abgegriffen worden sind. „Die Leute stehen am Bahnhof oder auf der König-Karls-Brücke mitten auf der Straße. Wenn wir Leute zum Wasen bringen, wollen sie im fließenden Verkehr aussteigen, weil wir nicht direkt am Gelände halten können. Das ist gefährlich“, betont Sandalya.

Die Taxifahrer bleiben bei der Forderung: Trotz zeitweiser Sperrung wollen sie einen Stand in der Mercedesstraße. Den könnte ihrer Meinung nach jeder leicht sehen. Für An- und Abfahrt könne man eine Lösung finden. Dafür wäre man auch bereit, Ordner zu stellen. „Wenn das gut organisiert ist, sind die Fahrzeuge auch schneller wieder da“, sagt Arslan. Wenn kein Landwirtschaftliches Hauptfest ist wie in diesem Jahr, könne man sich auch wie bei der Fußball-WM 2006 einen Stand auf dem Wasen-Parkplatz vorstellen.

Beides will die Stadt nicht genehmigen. Das stößt bei den Taxlern auf Unverständnis. Und auch in.Stuttgart kommt nicht gut weg: „Man kann das Fest nicht ständig größer machen, sich aber nicht um eine angemessene Infrastruktur für Taxis kümmern.“

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