Fritz Kuhn sticht das erste Fass an. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das 174. Cannstatter Volksfest hat begonnen. Stuttgarts OB Fritz Kuhn hat das erste Fass angestochen. Damit Sie gerüstet sind für einen Besuch, erklären wir Ihnen den Rummel in Bad Cannstatt von A bis Z.

Stuttgart - Ein Volksfest-Abc zum Auftakt des Wasenrummels:

A wie Alkohol

Soll gefährlich sein, selbst in kleinen Mengen, behaupten Wissenschaftler. Millionen Gäste werden in den kommenden 17 Tagen im Selbstversuch testen, ob das tatsächlich stimmt.

B wie Bier

Wertvolles Gut. Auch flüssiges Gold genannt. Sein Preis ist jedes Jahr im Steigen begriffen. Mittlerweile bei 11,20 Euro je Liter angekommen. Dem Geldbeutel zuliebe sollte man also M wie maßhalten.

C wie Cider

Neudeutsch für Most. Das war lange das Getränk der Wahl beim Volksfest. Erst im vorigen Jahrhundert löste das B wie Bier den sauren Apfeltrunk ab.

D wie Diminutiv

Die schwäbische Verkleinerungsform passt oft. So ist sie bei der Bezeichnung der getrunkenen Menge äußerst sinnvoll. Wenn man daheim gefragt wird, wie viel man getrunken habe, empfiehlt es sich nicht, drei Liter Bier zu sagen, sondern drei Krügle.

E wie Eröffnung

Die findet seit zwölf Jahren freitags statt. Damit man mehr B wie Bier verkaufen kann. Es geht also um gute Geschäfte, mithin eine ernste Sache. OB Fritz Kuhn hat das verinnerlicht, er lässt Taten sprechen statt Worte. Während die früheren Oberbürgermeister gerne Witze erzählten, mal lustig wie Manfred Rommel, mal weniger lustig wie Wolfgang Schuster, lässt Fritz Kuhn die Anekdoten lieber gleich weg. Er gibt den Clint Eastwood vom Wasen: ein Mann, ein Satz, vier Schläge. Das war’s: Nicht schwätzen, trinken!

F wie Fruchtsäule

Die 26 Meter hohe Fruchtsäule auf dem Volksfest kennt jeder. Dass sie Symbol des Festes und Ausweis seiner Herkunft als Erntedankfest ist, wissen nur noch wenige. Für viele ist sie vor allem der Treffpunkt vor der Sauftour.

G wie Großkopfete

Man sieht sie gerne beim Volksfest. Ihr natürlicher Lebensraum sind die Logen. Seit jedoch das Finanzamt den Partyveranstaltern auf die Finger schaut und die Gäste selbst zahlen müssen, sind ihre Lebensweise und ihr Vorkommen bedroht.

H wie Hähnchen

Nennt nur der Auswärtige so. Für den Schwaben sind das Göckele. Sie sind dermaßen beliebt, dass nach dem Volksfest kein Hahn mehr kräht: 400 000 halbe Göckele werden in 17 Tagen verspeist.

I wie Intimsphäre

Verteidigt der Schwabe normalerweise hartnäckig. Mit zwei Leuten gilt ein Tisch als besetzt. Beim Volksfest muss man aber zusammenkuscheln.

J wie Josh

Das Lied „Cordula Grün“ des Wieners Josh wird beim Volksfest wohl wieder der Ohrwurm des Jahres sein. Was erstaunlich ist. Der Refrain ist zwar absolut mitgröltauglich, aber versuchen Sie mal mit vier Maß intus „dass sie verheiratet ist / mit einem Pädiatrist“ zu singen.

K wie Krott

Nicht erschrecken, liebe auswärtige Damen. Falls ein Schwabe Sie mit Krott anspricht, hält er Sie nicht für eine Kröte, sondern für eine hübsche junge Frau.

L wie Landhausschick

Fasching im Herbst. Das hat anscheinend was. Auch der Schwabe schmeißt sich gerne in Alpenschick. Und geht als kühner Wilderer und als Sennerin vom Königssee verkleidet aufs Volksfest. Siehe T wie Tracht.

M wie Maß

Eine Maß halten können viele. Aber maßhalten ist nur wenigen gegeben.

N wie nach Hause

Muss jeder mal. Am besten mit der Straßenbahn. Schon 1868 pendelte eine Pferdebahn zum Wasen, 1895 hatten die Pferde dann Pause, die Bahn fuhr elektrisch. Und beförderte 1912 binnen vier Tagen Volksfest sage und schreibe 859 000 Menschen zum Fest. Da klage heutzutage noch mal einer über volle Bahnen.

O wie „Oins goht no“

Den Satz muss man können. Lässt sich so lange sagen, bis man zu spüren beginnt, dass die Wissenschaftler mit ihrem Urteil über A wie Alkohol vielleicht doch recht hatten.

P wie Post

Das Volksfest hat eine eigene Briefträgerin. Und sie hat schwer zu tragen, leben und arbeiten auf dem Wasen doch 2500 Menschen.

Q wie Quantum

Das muss jeder selbst fest­legen. Es gilt, sich nicht zu überschätzen, sonst droht morgens der Schreck beim Betrachten der aufgelesenen V wie Vogl-schaich.

R wie Rotkohl

Die Fruchtsäule war ihrer Zeit voraus und schon immer naturnah. Sie wird mit fast drei Tonnen Obst und Gemüse wie Spitzkraut, Trauben, Äpfel, Rotkohl und Tausenden von Blumen geschmückt – alles aus der Region.

S wie Strobl, Thomas

Der Innenminister von der CDU durfte bei der Eröffnung Landesvater Winfried Kretschmann vertreten. Und war noch einmal wichtiger als die innerparteiliche Rivalin Susanne Eisenmann, die ihm im Publikum zu Füßen saß.

T wie Tracht

Trachten kennt der Schwabe eigentlich nicht. „Er trägt Häs“, sagt Wulf Wager, Brauchtumsexperte und einer der Gründer der Cannstatter Trachtengruppe der Kübler. Nämlich die Sonndichshäs für die Festtage, ein Wergdichshäs und Stallhäs zum Arbeiten, ein Kirchahäs für den Kirchgang, ein Hauchzichshäs zum Heiraten, ein Trauerhäs und ein Fasnetshäs.

U wie Umschwung

Viele von uns scheiterten im Sportunterricht am Hüftumschwung und schafften nur den halben Weg um Reck oder Barren. Wie es richtig geht, kann man vom 4. Oktober an in der Schleyerhalle bei der Turn-WM sehen. Die Turner sollten übrigens mal ein B wie Bier trinken. Es gibt eine japanische Studie mit 12 000 Teilnehmern, die vier Jahre lang währte. Die eine Hälfte trank täglich einen halben Liter (Frauen) bis einen Liter (Männer) Bier, die andere Wasser. Die Biertrinker hatten am Ende mehr Kraft, denn laut Ersteller der Studie enthält Bier viel Kalium, und das lässt Muskeln wachsen.

V wie Voglschaich

Unangenehmes Mitbringsel. Deshalb Obacht beim Anbaggern und besser M wie maßhalten.

W wie Wasen

Hier zeigt sich der Experte. Bajuwaren und Nordlichter sagen fälschlicherweise die Wasen, weil sie die Wiesn für das Maß aller Dinge halten. Der Wasen ist im Süddeutschen ein Feuchtland, ein Überschwemmungsgebiet. Die Norddeutschen würden im Übrigen Werder sagen.

X wie X-Beine

Lässt sich bei den Herren der Schöpfung mit Lederhosen kaschieren. L wie Landhausschick sei Dank. Unsicherer Gang zu später Stunde liegt aber eher am B wie Bier.

Y wie Yoga

Braucht ein Besucher des Volksfests nicht. Ihm gelingt es, mittels bewusstseinserweiternder heimischer Substanzen wie Hopfen, Malz und Gerste Geist und Körper zu trennen und den Zustand völliger Harmonie zu erreichen.

Z wie Zinken

Kennzeichnet den schwäbischen Experten. Der Schwabe schmeckt den Alkohol auch mit der Nase. Folgerichtig muss die groß sein, die Durchblutung zeigt den Grad der Kenntnis des Experten an. Und ist der Beweis dafür, dass die japanische Studie Schwächen hat. B wie Bier lässt nicht nur Muskeln wachsen.

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