Werner Schmidgall will sich im Ruhestand ehrenamtlich engagieren. Foto: Gottfried Stoppel

Werner Schmidgall arbeitet seit fast 50 Jahren bei der Volksbank Backnang. Zunächst war er Stift. Seit 2001 ist Schmidgall Vorstandsvorsitzender. Ende Dezember geht der 65-Jährige in den Ruhestand.

Backnang - Das waren noch Zeiten. Als Werner Schmidgall 1968 seine Lehre zum Bankkaufmann bei der Volksbank Backnang begonnen hat, bekamen die Beschäftigten fast aller Industriebetriebe in der Stadt ihren Lohn noch bar ausgezahlt in kleinen Tüten. Er habe damals als „Stift“ schon bald „fast alles machen dürfen“, auch dieses Geld in die Tüten packen. Das erzählt Schmidgall, der jetzt 65 Jahre alte Vorstandsvorsitzende des Kreditinstituts, der Ende Dezember in den Ruhestand geht. Der Diplom-Bankbetriebswirt hat nahezu 50 Jahre lang bei der Volksbank Backnang gearbeitet, er sagt: „den Kunden gedient“.

Anno dazumal habe er als junger Mann noch an großen mechanischen Rechenmaschinen gearbeitet. Im ersten Lehrjahr habe er zusammen mit den Vorständen um 6 Uhr morgens vor den großen Backnanger Betrieben, etwa beim Kaelble, Flugblätter an die Arbeiter verteilt und für die Eröffnung von Bankkonten sowie das erste Vermögensbildungsgesetz geworben. Schmidgall hat später als Kassierer gearbeitet, dann als Kreditsachbearbeiter, als Leiter der Kreditabteilung. Er wurde Prokurist, Mitglied der Geschäftsleitung, 1987 dann Bereichsleiter des Firmenkundengeschäfts. Das kaum einjährige Intermezzo als Vorstand der Genossenschaftsbank Bernhausen 1988/89 taucht in seinem gedruckten Lebenslauf gar nicht auf.

Als Bub wollte er mal Pilot werden, dann Kameramann

Schmidgall erzählt an diesem trüben Herbsttag, dass er damals ohnehin eigentlich lieber in Backnang in den Bankvorstand aufgerückt wäre. Ihm sei aber signalisiert worden, dass man ihn auf so einem Posten nicht benötige. Den Mann, der in Backnang geboren und aufgewachsen ist, ereilte aber schon wenige Monaten später der Rückrufe. Er musste offenbar nicht lange überlegen. Backnang ist seine Stadt, Schmidgall ist unter anderem Ehrenvorsitzender der Schützengilde. Seit 1989 ist er Vorstandsmitglied der Volksbank Backnang, seit 2001 der Vorsitzende. Anfragen von Privatbanken – es habe ein paar gegeben – seien stets abgelehnt worden, denn „ich bin Volks-Banker“, sagt er augenzwinkernd. Von Kreditinstituten, die 25 Prozent Rendite versprächen, halte er nichts.

Wollte der Vater von zwei längst erwachsenen Töchtern schon immer zur Bank? Auch als kleiner Bub? Nein, sagt Schmidgall. Er habe mal Pilot werden wollen, dann Kameramann. Dass er nach der Mittleren Reife an der Schickhardt-Realschule Volks-Banker wurde, damit sei er aber rundum zufrieden. Er treffe in der Stadt immer wieder Unternehmer und Häuslesbauer, die ihm dankbar seien für die gute Zusammenarbeit.

„Wir sollten das Bargeld als Tauschmittel beibehalten.“

Seine Volksbank Backnang sei über die Jahrzehnte langsam aber stetig gewachsen. Der Jahresüberschuss zum Beispiel habe 1968 rund 200 000 D-Mark (100 000 Euro) betragen, 2016 rund 6,4 Millionen Euro. 1968 habe die Bank 3000 Mitglieder gehabt, heute mehr als 44 000. Die Volksbank sei gut durch die Finanzkrise 2008/09 gekommen, ohne ein Minus. Es sind beeindruckende Zahlen, die der Mann präsentiert, der von sich behauptet, er sei kein Karrieretyp. Die Aufgabe einer Volksbank sei es, „Gelder einzusammeln, sicher anzulegen und der regionalen Wirtschaft zur Verfügung zu stellen“. Pläne für den Ruhestand? Keine übergroßen, antwortet Schmidgall sinngemäß. Er werde jedenfalls keine Weltreise machen, plane vielmehr, sich ehrenamtlich stärker zu engagieren. Er habe ein paar Anfragen, werde sich aber erst im neuen Jahr entscheiden. Und was sagt der Volks-Banker zum Vorhaben einiger Politiker, das Bargeld, das er einst in kleine Tüten gepackt hat, komplett abzuschaffen? Gar nichts, sagt er. „Wir sollten das Bargeld als Tauschmittel beibehalten.“

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