Das Vogtland im südlichsten Zipfel Sachsens hat viel zu bieten. Foto: Zeller

Einen Musikantenwinkel, Kurquellen und einsame Wanderwege - das alles gibt es im Vogtslan.

Bier für den Herrn, Schokolade mit Gingko für die Dame? In diesem Fall aber nicht als Genuss für den Gaumen, sondern als Ganzkörpererlebnis im luxuriösen Flair einer königlichen Badeloge. Da würde König Albert von Sachsen sicher nicht schlecht staunen, was heute mit der Wellnesswoge so alles in seine hochherrschaftliche Kupferwanne schwappt. Aber auch in den Staatsbädern Bad Elster und Bad Brambach im Vogtland, dem südlichsten Zipfel Sachsens, hat man die Zeichen der Zeit erkannt und setzt neben klassischen Moor-, Radon- und Trinkkuren erfolgreich auf Gesundheitsurlaub und hochwertige Wohlfühlangebote.

Bad Elster kann mit seinem nobel restaurierten historischen König Albert Bad sogar mit einem unvergleichlichen Ambiente punkten. Mit einem beachtlichen Kraftakt hat man in den letzten zehn Jahren den sozialistischen Grauschleier vertrieben und den Charme des alten Bades wieder zum Leuchten und auf hohen modernen Standard gebracht. So bildet die lichte Glaskonstruktion der neuen Bade- und Saunalandschaft Elsterado einen gelungenen Kontrast zur opulent-nostalgischen Bäderarchitektur.

In Bad Elster pflegten im 19. Jahrhundert Gäste der gehobenen Stände zu kuren. Beim Flanieren durch den englischen Landschaftspark – Natrium-Sulfat-Chlorid-Hydrogenkarbonat-Säuerling nippend – bot der aktuelle Gesellschaftstratsch spannende Unterhaltung: die abenteuerliche Flucht der zur Kur weilenden Prinzessin Luise von Sachsen-Coburg-Gotha mit ihrem Geliebten, dem Oberstleutnant Géza von Mattachich, zum Beispiel, ein Skandal, der die Höfe von Dresden bis Wien in Rage versetzte.

Der Kurpark mit seinem alten Baumbestand mag heute noch schöner sein als zu König Alberts Zeiten, und die prächtigen Hotel-Villen und das herrlich plüschige König-Albert-Theater strahlen nach aufwändigen Restaurierungen wieder in altem Glanz. Nur das ehrwürdige Grandhotel, noch zu DDR-Zeiten erstes Haus am Platz, bröselt traurig vor sich hin und wartet auf Investoren, die sich von den strengen Auflagen des Denkmalschutzes nicht schrecken lassen.

Neben dem fein aufgerüschten Bad Elster wirkt das kleine Bad Brambach eher wie ein liebes Bauernmädchen – ein Dorf mit einem modernen Therapiezentrum und einem neuen Hotel in historischen Mauern. Und doch besitzt der Minikurort etwas Einmaliges: die stärksten Radonquellen Europas, die Linderung bei Rheuma und Gelenkerkrankungen versprechen. Wenn dort abends um sieben garantiert die Bürgersteige hochgeklappt werden, ist immerhin in Bad und Sauna noch was los.

Deswegen muss es aber längst nicht langweilig werden. Es gibt viel zu entdecken im und um das Vogtland herum, das sich wie ein Faustkeil zwischen Tschechien, Bayern und Thüringen schiebt. Ein Katzensprung ist’s hinüber nach Eger, Franzensbad und Marienbad. Westlich liegen Fichtelgebirge, Frankenwald, Thüringer Schiefergebirge.

Unter Wanderern – zumindest aus den alten Bundesländern – wird das Vogtland noch als Geheimtipp gehandelt, denn in der jahrzehntelangen Grenzsituation konnten sich naturbelassene Regionen erhalten, die in den westdeutschen Mittelgebirgen eher selten sind. Märchenhafte Waldwege, weich gefedert von Moos und Tannennadeln, führen zur Tschechischen Grenze. Mal in Böhmen, mal in Sachsen wandert man in stiller Waldeinsamkeit an Bächen entlang, zu winzigen Dörfern oder Aussichtspunkten.

Wer es richtig knackig mag, kann sich auf den 228 Kilometer langen Vogtland Panorama Weg begeben. Da liegen viele Sehenswürdigkeiten direkt am Wege. Die Spitzenstadt Plauen zum Beispiel mit dem Spitzenmuseum im alten Renaissance-Rathaus oder die imposante Göltzschtalbrücke, die größte Backsteinbrücke der Welt, die sich wie ein römisches Aquädukt über das Tal spannt. Und in Morgenröthe-Rautenkranz, dem Geburtsort des DDR-Astronauten Sigmund Jähn, entführt die Deutsche Raumfahrtausstellung mit original Ausrüstungsteilen, Flugsimulator und dem Trainingsmodul der Raumstation MIR ins Abenteuer Raumfahrt.

Ob zu Fuß oder mit dem Auto – im Vogtland führt kein Weg am Musikantenwinkel vorbei, der bei Musikern schon seit Jahrhunderten einen klingenden Namen hat. Klingenthal, Zwota und Markneukirchen waren bis zur Wende große Zentren der Musikinstrumentenherstellung: Künstler aus aller Welt musizieren auf Vogtländer Geigen. Bandonion und Harmonika spielen in Argentinien zum Tango auf, Trompeten jazzen in New Orleans, und selbst in der berühmten Oper von Sydney erklingen vogtländische Instrumente.

Auch Geigenbaumeister Udo Kretzschmann in Markneukirchen liefert seine Geigen bis in die USA. In seiner kleinen Werkstatt darf man ihm über die Schulter schauen. "Die ersten Geigenbauer kamen schon im 17. Jahrhundert als protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen ins Vogtland", erzählt er. In seiner Familie besteht die Geigenbautradition seit 1716. Auch wenn nach der Wende die großen VEB-Betriebe abgewickelt wurden, lebt der Instrumentenbau in einer ganzen Reihe kleiner Manufakturen und Werkstätten weiter.

Zu Konzertreihen und internationalen Wettbewerben finden sich Musiker aus aller Welt im vogtländischen Musikwinkel ein. Wer nicht hören kann, darf immerhin staunen: im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen im schönen Paulus-Schlössel, in der Schaumanufaktur für Musikinstrumente in Klingenthal oder im Harmonikamuseum in Zwota.

Info Mobil ohne Auto: Die Vogtlandbahn erschließt die ganze Region mit ihren Sehenswürdigkeiten für Ausflüge, Kultur und Wanderungen – sogar nach Tschechien bis Eger und Marienbad; http://www.vogtlandbahn.de.

Allgemeine Auskunft: Tourismusverband Vogtland, Telefon 0 37 44 / 1888 60, http://www.vogtlandtourist.de.

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