Ein Bakterium namens Suttonella ornithocola verursacht bei den Vögeln eine Lungenentzündung. Foto: dpa/Patrick Pleul

In den vergangenen zwei Wochen sterben im Südwesten mehrere Hundert Meisen, bundesweit werden rund 26.000 tote Tiere gemeldet. Jetzt steht fest, was die Tiere tötet.

Stuttgart/Berlin - Der Erreger des neuen Blaumeisensterbens ist identifiziert. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller teilte am Mittwoch in Berlin mit, es sei das Bakterium Suttonella ornithocola, das bei den Vögeln eine Lungenentzündung verursacht. Vogelfreunde hatten in den vergangenen zwei Wochen im Südwesten mehrere Hundert Blaumeisen, aber vereinzelt auch Kohlmeisen und andere kleine Singvögel tot aufgefunden, hatte der Naturschutzbund NABU Baden-Württemberg mitgeteilt. Bundesweit wurden rund 26.000 Tiere gemeldet.

Erkrankte Tiere säßen apathisch und aufgeplustert auf dem Boden und flüchteten vor näher kommenden Menschen nicht mehr, erläuterte Stefan Bosch, NABU-Fachbeauftragter für Vogelschutz in Baden-Württemberg. Oft wirke es, als hätten die Vögel Atemprobleme. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids seien verklebt.

„Auch für Vögel gilt jetzt Social Distancing“

Den Erreger haben jetzt nahezu zeitgleich das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie das Chemische Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe identifiziert. Das Bakterium wurde erstmals 1996 in Großbritannien beschrieben. „Suttonella ornithocola tötet fast ausschließlich Meisen, vor allem die kleinen Meisenarten, von denen die Blaumeise mit Abstand am häufigsten in deutschen Gärten vorkommt“, sagte Miller.

Der NABU bittet weiter, den Fund kranker und toter Meisen auf einer Internetplattform zu melden. Futter- und Wasserstellen im Garten, die Vogeltreffs sind, sollte man entfernen. „Auch für Vögel gilt jetzt Social Distancing“, so Miller. Stattdessen sollten die Vögel gute Bedingungen für die anstehende Brutzeit erhalten in naturnahen Gärten.

Der Erreger sei für Menschen und Haustiere ungefährlich, teilten die NABU-Experten weiter mit. Dennoch sollte mit toten Vögeln vorsichtig umgegangen werden, weil sie auch andere Krankheitserreger in sich tragen können. Wie stark die Meisenbestände beeinträchtigt wurden, werden voraussichtlich die Ergebnisse der Gartenvogelzählung „Stunde der Gartenvögel“ vom 8. bis 10. Mai zeigen.

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