Die Stadt will die nistenden Rabenvögel vom Schulcampus Ludwigsburg mit modernster Technik vertreiben. Der Vogelkot verdreckt die Gehwege.
Nicht eine Saatkrähen lässt sich an diesem frühsommerlich warmen Mittag im Februar in der Alleenstraße in Ludwigsburg blicken. Offensichtlich sind alle ausgeflogen. Wer weiß: womöglich hat der eine oder andere Vogel bereits Reißaus genommen und kommt auch nicht zurück an den angestammten Platz auf den imposanten, rund 100 Jahre alten Platanen. Das wäre ganz im Sinne der Stadtverwaltung und der Schulen in der City.
Die schmutzige Gefahr von oben
In den Baumwipfeln bauen Dutzende Saatkrähen seit Jahren gern ihre Nester. In luftiger Höhe fühlen sich die unter Artenschutz stehenden Tiere ganz offenkundig wohl. Sehr zum Ärger vieler Anwohner, die sich regelmäßig wegen des Lärms und Drecks auf den Gehwegen beklagen. Auf dem benachbarten Schulcampus findet das Vogelvieh halt ordentlich Nahrung: etwa achtlos weggeworfenes Vesperbrot. Der Vogelkot auf dem Boden löst dann bei den Schülern und Lehrern Unmut aus. Was also tun?
Die Stadt Ludwigsburg setzt seit ein paar Tagen auf modernste Technik, um zumindest ein paar der ungeliebten Saatkrähen zu vergrämen, sprich zu vertreiben. Auf dem Gebäude des Friedrich-Schiller-Gymnasiums wurden jetzt Geräte mit Mikrofonen und Lautsprechern installiert. Von unten sind diese nur als kleine Kästen zu erkennen, Kästen, die es aber in sich haben: Diese Apparaturen der dänischen Firma Bird Alert (auf deutsch: Vogel Alarm) erkennen mit Hilfe von KI Saatkrähen an deren Geräuschen. Diese smarte Vogel-Abwehrtechnik „antwortet auf Krähisch“, erklärt Katharina Hofmann mit einem Augenzwinkern bei dem Vor-Ort-Pressetermin, zu dem die Stadt eingeladen hat.
Erzeugt werden Krähen-Warnrufe. Katharina Hofmann leitet die Abteilung Grünflächen und Ökologie bei der Verwaltung und erzählt, dass vor zwei Jahren 126 Krähenpaare gezählt worden seien. Zu viele. Während der vergangenen Wochen seien in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt die Platanen gestutzt worden. Bei diesen Arbeiten wurden auch 68 Nester „entnommen“. Leere Nester versteht sich. In der Vergangenheit hätten solche Maßnahmen allerdings nie zur Reduktion der Zahl der Krähen geführt. Ganz im Gegenteil, es wurden über die Jahre immer mehr Tiere gezählt.
Eventuell sollen die Warnrufe auch von zwei Seiten ertönen
Krähen, sagt Katharina Hoffmann, seien kluge Tiere. Es sei keinesfalls zu erwarten, dass sich fortan wegen der Vergrämung überhaupt keine Saatkrähen mehr rund um den Campus ansiedelten. Zumal zunächst nur die Solitudestraße mit den technisch erzeugten, smarten Krähen-Warnrufen beschallt wird. Bürgermeister Sebastian Mannl erklärt bei dem Termin unter den imposanten Platanen, dass die Krähen in der City in den nächsten Wochen gezählt würden. Sollte sich der Bestand nicht verringern, dann würden eventuell weitere Vorkehrungen ergriffen, etwa die Beschallung auch der anderen Seite des Gymnasiums.
Wobei allen klar seien müsse: Wegen des Artenschutz ist es keinesfalls machbar, alle Krähen zu vertreiben. Sobald auch nur ein einziges Vogelpaar in einem Nest zu brüten beginnt, müsse die Beschallung ohnehin bis auf weiteres eingestellt werden. Mitte April will die Stadt eine erste Bilanz ziehen, sagt Mannl. Bis dann soll ein Ökologe auch erkundet haben, ob man das Problem womöglich nur von einem Ort in der Stadt an einen anderen verlagert hat, sprich ob die schlauen Krähen sich einen neuen, schönen Platz in Ludwigsburg ausgesucht haben.