Uwe Brauner pflegt seit 20 Jahren Dutzende selbstgebaute Nistkästen in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg). Wie es dazu kam und welches Problem ihm derzeit zu schaffen macht.
Angefangen hat alles mit einem Rasen. Als ein Nachbar in Uwe Brauners Kindheit um dessen Mithilfe beim Aussäen der Grünfläche bat, ging dem heute 66-Jährigen ein Licht auf. „Mir wurde klar, dass man der Natur etwas zurückgeben muss. Vorher hatten wir den Rasen mit unserem Gekicke nur kaputtgemacht“, erinnert sich der Kornwestheimer, der heute in Tübingen wohnt.
Später machte eben jener Nachbar Brauner auch mit selbstgebauten Nistkästen für Vögel vertraut. Daraus wurde für den 66-Jährigen bis heute so etwas wie eine Lebensaufgabe.
Neben seiner Familie in Kornwestheim, bringt eben diese Leidenschaft für Vögel und ihre Nistplätze Brauner regelmäßig zurück in die Stadt, in der er aufwuchs. Er hat nämlich vor mehr als 20 Jahren etliche Nistkästen in Eigenregie in den Stadtparks Kornwestheims und im Freizeitpark aufgehängt.
Frecher Start mit Nistkästen
„Das war schon ein wenig frech damals“, erinnert sich der Rentner heute an seine Anfangszeit. Er habe einfach mit dem Aufhängen der Nistkästen angefangen und sich danach von der Stadt die Materialkosten ersetzen lassen. Einen Antrag im Vorfeld habe er nicht gestellt, aber die Stadt hieß seinen Einsatz letztlich gut.
Jedes Frühjahr kommt er noch heute aus Tübingen zurück, um die Nistkästen flott zu machen für die neue Brutsaison. „Zuerst habe ich 2005 mit Nistkästen in den Stadtparks angefangen, bevor ich auf die Idee mit den Blumentöpfen kam“, sagt Brauner.
Anders als hölzerne Nistkästen lassen sich die Bruthöhlen auf Blumentopfbasis einfacher herstellen: Einflugloch hineinbohren, Abdeckung darauf und fertig ist der Nistkasten für Meisenvögel, Eichhörnchen und Co.
„Als junger Mensch war ich mal ganz gut im Stabhochsprung. Die Höhe der Nistkästen macht mir also nichts aus.“
Uwe Brauner, Vogelfreund
Dabei darf es nicht jeder Blumentopf sein: Brauner hat sich für italienische Fabrikate entschieden, die seien nämlich weicher. Da komme er besser mit dem Bohrer durch, erklärt er.
Im Freizeitpark – einer Grünfläche am Ostrand Kornwestheims – fing er mit 100 Nistkästen an, mittlerweile seien es noch schätzungsweise 70. In den Stadtparks Kornwestheims hat Brauner 42 weitere Kästen aufgehängt. Einige seien durch morsches Holz heruntergefallen, andere auch gezielt zerstört worden. 80 Prozent dieser Nistkästen seien aber jedes Jahr belegt.
Dass er für das Anbringen und Reinigen der Nistkästen teilweise mehrere Meter in die Höhe steigen muss, macht ihm nichts aus. „Als junger Mensch war ich mal ganz gut im Stabhochsprung. Die Höhe macht mir also nichts aus“, erklärt Brauner schmunzelnd. Er sei aber mit dem Alter vorsichtiger geworden, er hänge die Nistkästen nicht mehr in sieben Metern Höhe auf.
Auch in Tübingen und Calw hängen seine Blumentopfnistkästen mittlerweile, und das alles in Eigenregie. Mit dem Nabu kooperiere er nicht. In Tübingen habe ihn der Ortsverein auch schon gebeten, seine Kästen an einem Ort abzuhängen. Groß aufgeregt hat ihn das nicht.
Brauner ist ein ruhiger Mann, er redet leise. Nach Tübingen ist er wegen des Theologiestudiums gegangen und dort geblieben. Pfarrer ist er aber nicht geworden. Er habe sein Studium nicht abgeschlossen. Der Pfarrberuf sei nichts für ihn. Dafür bräuchte es extrovertierte Persönlichkeiten, die gerne vor einer Gemeinde stehen.
Wenn er im Frühjahr die Nistkästen sauber macht und sicherstellt, dass sie erneut genutzt werden können, muss er pro Standort teilweise mehrere Meter hoch mit einer Leiter klettern. 30 bis 40 Nistkästen schafft er dabei täglich. Das heißt, dass er allein für den Freizeitpark in Kornwestheim zwei volle Arbeitstage braucht.
Totholz im Freizeitpark
Die Arbeit wird dabei nicht nur durch sein fortschreitendes Alter immer schwerer, auch die äußeren Umstände machen ihm zunehmend zu schaffen. Im Freizeitpark gibt es neben vielen Grünflächen auch ein Wäldchen, in dem die meisten der Nistkästen hängen. Das Waldstück ist als natürlicher Wald angelegt. Totholz wird nicht weggeräumt, sondern dient als Lebensraum.
Zunehmend morsches Holz mache es ihm aber schwer, seine Nistkästen zu pflegen, sagt Brauner. Bäume fallen um, sind durch Totholz schwerer zu erreichen oder sie tragen die Nistkästen nicht mehr. Wenn Brauner seine Leiter an einen toten Baum stellt, ist die Sturzgefahr sehr groß. Grundsätzlich findet Brauner die Idee eines natürlichen Waldes gut, er macht sich nur Sorgen um die Menschen im Wald. „Hinweisschilder oder Ähnliches wären schon mal ein guter Anfang“, sagt er.
Bei der Stadt ist das Problem nicht unbekannt. Grundsätzlich sei es sinnvoll, in dieser Art Wald, Totholz liegen zu lassen. Dennoch würden regelmäßig die Wege freigeräumt. Das Problem ist allerdings, dass das nur geht, wenn es die Witterung zulässt. Die Nässe macht dem derzeit einen Strich durch die Rechnung. Die Baumpflegemaßnahmen sollen aber zeitnah und turnusgemäß wieder stattfinden. Auch eine Beschilderung wird geprüft.