Vorbereitet für den Ernstfall: Es ist gut zu wissen, wie man reagieren muss, wenn man einen Vogel findet. Foto: Shutterstock/FamVeld

Einen verletzten oder hilflosen Vogel in Stuttgart gefunden und unsicher, was zu tun ist? In diesem kurzen Guide erfährt man die wichtigsten Erste-Hilfe-Schritte – vom sicheren Aufnehmen über Schock-Anzeichen bis zum richtigen Transport.

Wie sollte man sich korrekt verhalten, wenn man einen Vogel findet, der verletzt, krank oder hilflos erscheint? Wie kann man den Tieren helfen und wohin kann man sich wenden? Die wichtigsten Schritte, um korrekt zu handeln und an welche Stellen man sich in Stuttgart wenden kann.

Vogel gefunden – was tun?

Findet man einen verletzten, kranken oder hilflosen Vogel, kann man diesen in einem Karton mit Luftlöchern platzieren. Wichtig ist, dass der Boden zuvor ausgelegt wird, beispielsweise mit einem Handtuch. Mit etwas Glück erholt sich der Vogel über Nacht und man kann ihn am Fundort wieder aussetzen. Wilde Vögel werden in der Regel versuchen sich mit ihren spitzen Schnäbeln oder scharfen Krallen zu wehren. Deshalb ist es ratsam Handschuhe zu tragen, oder ein Handtuch über den Vogel zu legen.

Blutet der Vogel, sollte man ein Wattepad getränkt mit einer Eisenchloridlösung auf die Wunde drücken. Sollte dies nicht zur Hand sein, sollte man die Wunde mit einem Tageszeitungspapier abdrücken.

Steht ein Vogel unter Schock oder erleidet Kreislaufversagen, können ihm einige Tropfen alkoholfreie Rescue-Tropfen auf eine äußerliche Stelle, beispielsweise in den Nacken getropft werden. Ein solcher Zustand lässt sich in der Regel daran erkennen, dass sich die Vögel nicht auf den Beinen halten können.

Die Tiere sind bei einer Vogelauffangstation in den besten Händen. In der Regel werden diese Stationen jedoch ehrenamtlich betrieben und sind stark gefragt, weshalb sie häufig voll belegt sind. Alternativ kann man sich an einen ansässigen Tierarzt oder den tierärztlichen Notdienst wenden. Jedoch muss man in diesem Fall in der Regel selbst für die Kosten einer Behandlung aufkommen.

Gut zu wissen: Nicht alle Tierärzte sind ausreichend vogelkundig. Deshalb sollte man dringend telefonisch nachhaken, ob der gewählte Tierarzt den Vogel behandeln kann. In Stuttgart und Umgebung gibt es jedoch einige Veterinäre, die auf Vögel spezialisiert sind. Eine Übersicht gibt es beim Vogelbund.

Der NABU bietet eine übersichtliche Checkliste mit hilfreichen Fragen zur Einordnung des gefundenen Vogels. Beantwortet man die aufgeführten Fragen, wird in der Regel deutlich, ob ein Eingreifen des Menschen erforderlich oder ratsam ist. Hier geht’s zur schnellen Entscheidungshilfe.

Anlaufstellen in Stuttgart: Wen kann man anrufen, wenn man einen Vogel gefunden hat?

Stuttgarter Tiernotdienst

Der Städtische Tiernotdienst in Stuttgart kümmert sich bei Benachrichtigung um verletzte Wildtiere. Dies geschieht kostenlos. Erreichbar zwischen sechs und 22 Uhr unter 0711 216 919 00.

Tierärztlicher Notdienst

Nach 22 Uhr kann der tierärztliche Notdienst helfen. Die Behandlungen sind jedoch kostenpflichtig. Zu erreichen unter der Nummer 0711 76 57 477

NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen nimmt Vögel auf

Montags bis freitags von neun bis zwölf und von 13 bis 17 Uhr erreichbar unter der Nummer: 07473 1022. Die regulären Aufnahmezeiten sind zu den telefonischen Sprechzeiten. Hier können die Vögel bei Bedarf aufgenommen und gepflegt werden, bis sie wieder freigelassen werden können.

Adresse: Ziegelhütte 21, 72116 Mössingen

Wildtierauffangstationen in Baden-Württemberg

Einige Wildtierauffangstationen in Baden-Württemberg sind speziell auf Vögel ausgerichtet oder nehmen auch Vögel auf. Eine Übersicht finden Interessierte auf der Webseite von Wildtierschutz Deutschland.

Jungvögel nicht vom Fundort entfernen

Findet man nackte oder kaum gefiederte Vögel, handelt es sich vermutlich um einen Jungvogel. Dieser sollte, sofern auffindbar, in sein Nest zurückgesetzt werden. Kehren die Eltern zum Nest zurück und füttern ihren Nachwuchs weiter, ist die Rettungsaktion geglückt.

Sind die Jungvögel bereits stärker gefiedert, unternehmen sie in der Regel erste Erkundungsversuche und verlassen ihr Nest. Die Jungvögel kennen die Gefahren ihrer Umwelt noch nicht, weshalb sie diesen meist schutzlos ausgeliefert sind. Solche Jungvögel sollte man vorsichtig in einen sicheren Grünbereich in der Nähe des Fundorts setzen. Die Vögel rufen dann meist nach ihren Eltern, die kommen, um sie zu füttern.

Gut zu wissen: Vögel haben keinen besonders ausgeprägten Geruchssinn, weshalb sich die Eltern nicht am menschlichen Geruch stören, wenn ein Vogeljunges mit den Händen angefasst wurde. Deshalb ist es wichtig, die Vögel, wenn möglich immer in der Natur zu lassen und nicht mitzunehmen. Bei ihren Eltern haben Jungvogel die besten Überlebenschancen.

Transport eines kranken oder verletzten Vogels

Wer einen kranken oder verletzten Vogel aufnimmt und diesen zum Tierarzt oder zu einer Auffangstationen bringen möchte, kann sich an folgende Tipps zum Vogeltransport halten.

 
  • Der Transportbehälter sollte während des Transportes aufrecht stehen und nicht rutschen.
  • Der Transportbehälter sollte mit einem Tuch abgedeckt werden, um den Vogel möglichst wenigen Umweltreizen auszusetzen.
  • Luftlöcher werden in den Karton von innen nach außen gestochen.
  • Den Boden mit weichen Tüchern auslegen. Sonst sollte sich nichts im Karton befinden – auch kein Futter und Wasser.
  • Kann der Vogel nicht eingeständig sitzen oder stehen, formt man aus einem weiteren Handtuch eine Rolle, die man zu einem Nest formt, in dem der Vogel platziert wird.
  • Schwache, unbefiederte oder ausgekühlte Vögel bekommen eine Wärmequelle ins Nest. Das kann ein Körnerkissen sein, ein Taschenwärmer, eine Wärmflasche oder eine PET-Flasche mit warmem Wasser. Die Wärmequelle darf sich nicht zu heiß anfühlen und sollte nochmals mit einem Tuch abgedeckt werden.
 

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es im ersten Moment gilt, Ruhe zu bewahren. Man sollte ruhig hinterfragen, ob sich der Vogel in einer Notsituation befindet und ob ein Eingreifen durch den Menschen nötig ist. Die Ursache für das Verhalten gilt es zu eruieren, damit anschließend korrekt gehandelt werden kann. Zur Hilfestellung stehen Ansprechpartner vom Tiernotdienst, vom Naturschutzbund oder Tierarzt zur Seite.