Der Europa-Park will die „Happy Family“ auf allen Kanälen vermarkten. Foto: Europa-Park

Das Thema virtuelle Realität boomt in den Vergnügungsparks. Die Markenlizenzen an den beliebtesten Kinderhelden besitzt Disney – und lässt sich das gut bezahlen. Der Europa-Park will dem Unterhaltungskonzern jetzt Konkurrenz machen.

Rust - Es ist ein ungleiches Duell. Auch wenn der Europa-Park der bestbesuchte Freizeitpark Deutschlands ist, wirkt er gegen den Weltkonzern Disney wie David gegen Goliath. Doch Michael Mack, Teil des Europa-Park-Familienunternehmens und Mitglied der Geschäftsführung, räumt sich gute Chancen ein, Marken zu entwickeln, die so beliebt werden können wie des Disney-Konzerns. „Wir haben jetzt unseren ersten abendfüllenden Animationsfilm produziert“, sagt Mack. „Happy Family“ war im Sommer im Kino zu sehen.

Dabei geht es für den Europa-Park um mehr als nur ein Experiment. Denn seitdem Virtual Reality, kurz VR, Einzug in Freizeitparks gehalten hat, verdienen Disney und andere Lizenzbesitzer von Figuren aus der Popkultur mit. Schwingt Spider-Man durch das Programm einer Virtual-Reality-Achterbahn, verdient Disney an jeder Fahrt – fliegt Superman durchs Bild, kassiert Warner Bros. ab. „Darum wollen wir unsere eigenen Helden etablieren“, sagt Mack. Das ist die „Happy Family“, eine eher lustige denn gruselige Monsterfamilie.

Dass der Filmverleih für den Kinostreifen Warner Bros. heißt und damit eigentlich ein Konkurrent im VR-Geschäft ist, spielt offenbar keine Rolle. Schließlich ist die Monsterfamilie Wünschemann noch weit vom Promistatus der Ducks entfernt. Was sich nicht nur mit dem Film, sondern auch mit VR-Programmen in Fahrgeschäften ändern soll.

Marktführer bei VR-Achterbahnen

Wenige Minuten – länger dauert eine Achterbahnfahrt nie. Das ist nicht viel Zeit, um dem Publikum mit VR-Brillen Figuren näherzubringen, die ihm zuvor völlig unbekannt waren. „Das ist erzählerisch natürlich eine Herausforderung“, sagt Michael Mack. Der erste Micky-Maus-Zeichentrickfilm „Steamboat Willie“ aus dem Jahr 1928 dauerte aber auch keine acht Minuten – und funktionierte.

Außerdem sind die Achterbahn-Clips auch nur Teil einer größeren „Verwertungskette“, wie Mack das nennt. Sie sind das Testfeld, auf dem ausprobiert wird, ob Marken und Figuren ankommen. „Wenn das der Fall ist, empfiehlt sich ein Filmdreh.“ Das ist aktuell schon geschehen: „Und wenn der Film funktioniert, könnte man darüber nachdenken, eine Serie zu produzieren.“ Dann, so die Theorie, dürfte die Marke den Kultstatus haben und noch mehr Publikum in Achterbahnen locken, die mit wiederum mit entsprechenden VR-Programmen ausgestattet sind.

Und hier ist Michael Mack bei einem weiteren der neuen Geschäftsfelder angelangt, die das Familienunternehmen derzeit erschließt. Neben dem Park und einer Achterbahn-Baufirma betreibt es zwei Start-ups: Das ist die Filmfirma Mack Media und VR Croaster, eine Produktionsfirma für 3-D-Brillen. Sechs bis acht Millionen Euro setzt die Europa-Park-Tochter derzeit jährlich um, knapp 40 Achterbahnen rund um den Globus hat VR Croaster bereits mit den Brillen und auf die Wegführung angepassten Filmen ausgestattet.

Wo diese Verzahnung genau hinführen soll, darüber hält sich Mack bedeckt. Er äußerst sich auch nicht zu Wachstumszielen dieser Projekte. Insgesamt setzt Disney im Jahr 55 Milliarden US-Dollar um. Schätzungen sagen, dass die Europa-Park-Gruppe etwa eine halbe Milliarde Euro Jahresumsatz hat – kaum ein Prozent von Disney.


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