Sandra Ciesek sieht Deutschland "auf dem richtigen Weg" aus der Pandemie. Foto: Kay Nietfeld/dpa Foto: dpa

Die Frankfurter Virologin Ciesek mahnt: Niemand sollte sich nach der ersten Impfung in Sicherheit wiegen, das Immunsystem braucht die zweite Dosis unbedingt. Aber Ciesek zeigt sich auch optimistisch.

Frankfurt/Hamburg - Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek ist zuversichtlich, dass sich die Corona-Situation in Deutschland entspannt.

"Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg", sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update".

Das Impftempo sei schneller als vorhergesagt, bis zu eine Million Impfungen pro Tag seien eine gute Zahl. "Ich bin optimistisch: Wenn wir es schaffen, weiter schnell und gezielt zu impfen und vielleicht in vier Wochen schon die Hälfte der Erwachsenen die erste Dosis bekommen haben, dass sich die Situation dann weiter entspannen wird."

Das Impftempo spiele "eine entscheidende Rolle", sei aber nicht der einzige Grund. Auch das veränderte Verhalten der Menschen spiele eine Rolle, ebenso wie der beginnende Sommer. "Das ist immer ein Zusammenspiel."

Zu den geplanten Lockerungen sagte Ciesek, man müsse unterscheiden, wer auf wen treffe: Eine Gruppe vollständig geimpfter Personen sei nahezu vollständig geschützt. "Hier kann es zu einer Lockerung kommen." Anders sehe es in der Öffentlichkeit aus, wo ganz viele noch nicht geimpft sind. "Da muss man noch vorsichtig sein und als Geimpfter noch Rücksicht nehmen auf die, die nicht geimpft sind."

Ciesek betonte, wie wichtig die Zweitimpfung ist. Erst zwei Wochen nach dem zweiten Termin habe man vollen Impfschutz. Sie plädierte dafür, beim die Menschen besser darüber aufzuklären, "dass nicht sofort ein Schutz besteht". Der Impfschutz werde mit der zweiten Dosis nicht nur gesteigert, sondern auch erst langfristig verankert. "Erst mit der zweiten Impfung erreicht man das immunologische Gedächtnis", sagte Ciesek.

Ciesek erwartet die baldige Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für 12- bis 15-Jährige in Europa. "Dann könnte man damit rechnen, dass diese Altersgruppe schon ab Juni geimpft werden könnte", sagte sie - theoretisch. Praktisch sei Impfstoff aber immer noch knapp. Und da größtenteils nach Alter geimpft werde, werde das für die breite Masse der Kinder wohl noch dauern.

© dpa-infocom, dpa:210505-99-470675/3

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