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Kretschmann bleibt, wo er ist: Entscheidung über Regierungsumzug und Landtagsumbau.

Stuttgart - Zieht er um, oder zieht er nicht um? Seit Wochen wurde gerätselt, ob Ministerpräsident Winfried Kretschmann den traditionsreichen Regierungssitz in Stuttgart – die Villa Reitzenstein – aufgibt und seinen Amtssitz ins Neue Schloss ins Zentrum von Stuttgart verlegt. Nun steht fest: Der Grüne bleibt, wo er ist. „Die Villa Reitzenstein ist weiterhin der Sitz des Ministerpräsidenten“, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen.

Kretschmann hatte nach der Regierungsübernahme kein Hehl daraus gemacht, dass er im Unterschied zu seinen CDU-Vorgängern gerne von der Stuttgarter Halbhöhenlage in das Stadtzentrum ziehen würde. Da sei er näher bei den Bürgern, sagte er wiederholt. Doch die Begutachtung durch Fachleute (wegen der nötigen Sicherheitsanforderungen) und eine Begehung von Kretschmann selbst führten jetzt dazu, dass man die Umzugsidee fallen ließ. Dennoch wird der Ministerpräsident bald seinen Amtssitz räumen müssen – zumindest vorübergehend. Denn die Villa Reitzenstein gilt als dringend sanierungsbedürftig. Ein Bürotrakt soll wegen Asbestspuren komplett abgerissen und neu errichtet werden, im altehrwürdigen Bau selbst sind darüber hinaus energiesparende Maßnahmen geplant. „Da ist es im Sommer brütend heiß drin und im Winter pfeift der Wind durch alle Ritzen“, sagt ein Mitarbeiter. Während der Umbauphase wird die Regierungszentrale auf andere Gebäude verteilt, unter anderem soll dabei auch der Amtssitz des früheren US-Militärgouverneurs Lucius D. Clay in der Nachbarschaft genutzt werden.

Durch die weitere Nutzung der Villa Reitzenstein sind nun auch andere offene Raumfragen der Landesregierung geklärt. Wenn das Kultusministerium im Herbst dieses Jahres aus dem Neuen Schloss in neue Räume auszieht, werden dort große Teile der Landtagsverwaltung einziehen. Zudem finden ab Ende des Jahres oder Anfang 2013 im Weißen Saal des Neuen Schlosses vorübergehend die Sitzungen des Landtags statt. Der Grund: Der Landtag wird komplett umgebaut. Seit Jahren war über einen Neu- oder Anbau an das bisherige Parlament diskutiert worden, nun soll nach einhelliger Meinung aller vier Landtagsparteien ein Umbau unter anderem dafür sorgen, dass der bisher fensterlose Plenarsaal endlich Tageslicht bekommt – möglicherweise durch ein großes Glasdach. Experten schätzen, dass die Umbauarbeiten mit Kosten von mindestens 30 Millionen Euro gut ein Jahr dauern werden. Sobald sie abgeschlossen sind, kehrt der Landtag ins neue Parlament zurück. Das Neue Schloss wird dann ganz Superminister Nils Schmid (SPD) in Beschlag nehmen. Sein Finanzministerium ist schon jetzt dort, dann kommt auch sein Wirtschaftsministerium hinzu.

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