Die ehemalige Villa von Eugen Bolz am Kriegsbergturm wurde im Lauf der Jahre baulich stark verändert. Ist sie deshalb nicht erhaltenswert? Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Denkmalschützer haben die Villa Bolz am Killesberg begutachtet. Ihr Urteil: Kein Kulturdenkmal. Das Wissenschaftsministerium könnte das ehemalige Haus des von den Nazis ermordeten früheren württembergischen Staatspräsidenten theoretisch dennoch als erhaltenswert einstufen.

Stuttgart - Aus Sicht des Denkmalschutzes spricht nichts gegen den geplanten Abriss der ehemaligen Villa von Eugen Bolz (1881-1945) beim Kriegsbergturm. „Es handelt sich bei der Villa um kein Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes“, teilte das Regierungspräsidium Stuttgart am Donnerstag mit. Das Finanz- und Wirtschaftsministerium trage diese Entscheidung als oberste Denkmalbehörde mit.

Aufgrund der Berichterstattung der Stuttgarter Nachrichten hatten mehrere Bürger Prüfanträge gestellt. Daraufhin begutachteten Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege sowie Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Stuttgart in den vergangenen Tagen das Gebäude auf dem Killesberg.

Dabei zeigte sich laut Regierungspräsidiums, dass die Villa nach dem Zweiten Weltkrieg im Inneren weitgehend umgebaut wurde: „Am Gebäude sind die wenigen historisch überlieferten Verbindungen mit dem Wirken der landesgeschichtlich bedeutenden Persönlichkeit Eugen Bolz in keiner Weise mehr ablesbar.“ Auch am Außenbau seien zahlreiche bauliche Veränderungen feststellbar.

Zugleich verwies das Regierungspräsidium auf das Wissenschaftsministerium. Dieses habe die Möglichkeit, dass Gebäude, „aus anderen Gründen, die das Denkmalschutzgesetz nicht kennt, als erhaltenswert einzustufen“.

Die Villa wurde zwischen 1932 und 1944 von dem früheren württembergischen Staatspräsidenten und entschiedenen Hitler-Gegner Eugen Bolz bewohnt . Bolz traf sich dort unter anderem mit dem führenden Verschwörer Carl Friedrich Goerdeler. Seine Enkel haben das Anwesen im vergangenen Jahr an ein Wohnungsbauunternehmen gekauft, das die Villa abreißen und an ihrer Stelle vier exklusive Eigentumswohnungen errichten will. Ein Baugesuch soll demnächst eingereicht werden.

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