Mit einem Eisenzaun abgeschirmt. die Türen und unteren Fenster mit Holz verrammelt: Die Villa Berg am Dienstag im Dämmerzustand – er wird wohl noch bis zum Jahresende andauern. Foto: Leif Piechowski

Ein hochrangiges Stuttgarter Kulturdenkmal steht leer und verkommt. Um die Villa Berg zu retten und eine Wohnbebauung im angrenzenden Park zu verhindern, müsste die Stadt Stuttgart schleunigst eingreifen, meint Bezirksvorsteher Martin Körner.

Stuttgart - Der Ärger darüber, dass das einstige Landhaus des württembergischen Kronprinzen Karl und seiner Frau Olga weiterhin ungebremst verfallen darf, ist bei Martin Körner (SPD) groß. So groß, dass der ehrenamtliche Bezirksvorsteher des Stuttgarter Ostens sogar OB Fritz Kuhn (Grüne) ins Visier nimmt. „Ich bin zunehmend ungehalten darüber, dass die Spitze der Verwaltung nicht endlich einen Schritt weiterkommt“, sagte Körner den Stuttgarter Nachrichten. Er erwarte klare Signale für die Rettung der Villa – und ein Signal nach außen, dass Privatunternehmen nicht mit Wohnungsbau im Park der Villa Berg Kasse machen könnten.

Nach Körners Auffassung muss die Stadt endlich aktiv versuchen, der Hängepartie um die Villa ein Ende zu machen – einer Hängepartie, in der ein früherer Investor, ein Insolvenzverwalter und ein neuer Investor entscheidende Rollen spielten. Der Gemeinderat, so Körner, sollte schnell per Beschluss klarstellen, dass das geltende Baurecht für den Park nicht geändert wird. Dass die Düsseldorfer Firma PDI somit keine Chance mehr hat, die bestehenden Fernsehstudios des Südwestrundfunks in ein Wohngebiet umzuwandeln, die eigene Kasse aufzubessern und nebenbei die Villa zu sanieren.

Dieser Beschluss würde forcieren, was der Gemeinderat mehrheitlich schon länger anstrebt: Der Investor soll das Handtuch werfen, der Insolvenzverwalter Michael Pluta gar keine andere Wahl mehr haben, als die Villa für wenig Geld an die Stadt abzustoßen. Danach saniert die Stadt die Villa, reißt zunächst die Fernsehstudios und später vielleicht auch die Hörfunk-Studios neben der Villa ab. Schließlich restauriert sie den Park, an dem nach dem Krieg Raubbau betrieben wurde. Der Gemeinderatsbeschluss, hofft Körner, würde wie eine Initialzündung wirken. Dann erst könne der Insolvenzverwalter vor die Gläubiger der früheren Häussler-Gruppe treten und ihnen sagen, dass hier nicht mehr viel zu holen sei. Dann erst könne Pluta mit der Stadt kooperieren.

Unterschiedliche Strömungen im Rathaus

Vorerst läuft die Sache aber anders: Vor kurzem erst hat Pluta der Firma PDI als Käuferin der Villa und der Fernsehstudios ein weiteres Jahr eingeräumt, um sich für den Vollzug des Kaufvertrags oder für den Rückzug zu entscheiden, wenn das Baurecht fürs Wohnungsbauprojekt unerreichbar scheint. Ende 2013 soll die verlängerte Frist ablaufen. „Wir arbeiten auf Hochdruck an dem Projekt“, sagte PDI-Chef Matthias Düsterdick. Er glaube trotz aller Schwierigkeiten weiter an den Erfolg. Er strebe nach wie vor ein Varieté und eine Gastronomie in der Villa an. Im Rathaus gebe es unterschiedliche Strömungen. Wo er eine günstige Strömung entdeckt haben will, verriet er nicht. Man habe Stillschweigen vereinbart.

Vor kurzem soll Düsterdick auch mit Kuhn geredet haben. Wie sie verblieben, ist unbekannt. Städtebaubürgermeister Matthias Hahn (SPD) ließ auf Anfrage aber keinen Zweifel an seiner Haltung: Zwischen ihn und Körner passe, was das Ziel und den Weg angehe, kein Blatt Papier. „Wir sind an der Arbeit“, sagte Hahn. Der OB habe sich das Haus angeschaut. Er selbst, so Hahn, sei jüngst mit Finanzbürgermeister Michael Föll und Interessenten aus der Kultur in Berg gewesen. „Wir sind uns in der Verwaltung einig, eine Nutzung für Film und Medien im weitesten Sinne anzustreben, aber kein Filmhaus und kein kommunales Kino.“ Für ein Varieté mit Lokal sei die Villa zu klein. Hahn möchte sich aber nicht unter Zeitdruck bringen lassen: Die Villa halte auch noch zwei Jahre Leerstand durch. Gegen Vandalismus sei sie gut gesichert. Gleichwohl wolle die Verwaltung nach Ostern mit den Fraktionsvorsitzenden das weitere Vorgehen abstimmen. Zu klären sei unter anderem, wie viel Geld für die Sanierung verfügbar sein wird.

Körner drückt weiter aufs Tempo. Kein Wunder: Die Veranstaltung unserer Zeitung aus der Reihe „Mittendrin“, bei der Hahn und Föll sich erstmals zur Übernahme der Villa durch die Stadt bekannten, ist schon elf Monate her. Gerade eben hat auch das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium den Druck erhöht. „Es ist zu hoffen, dass unter dem Eindruck der fortschreitenden Schadensentwicklung zeitnah ein behutsames Nutzungskonzept entwickelt und umgesetzt werden kann“, stellte Marie Schneider im Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege fest.

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