Die Türen verrammelt, auf dem Dach wachsen Büsche: Die Villa Berg braucht Hilfe, die Stadt hat sie aber noch nicht wieder in ihren Besitz bringen können. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Am 1. August hatte die Stadt Stuttgart die historische Villa Berg nach rund 50 Jahren wieder in ihren Besitz bringen wollen – samt der benachbarten alten Fernsehstudios. Die Verkäuferin PDI hat aber noch nicht den Nachweis beigebracht, dass ihre Bank ein Grundpfandrecht aufgegeben hat.

Stuttgart - Von der Stadt Stuttgart beauftragte Gutachter stehen in den Startlöchern, dürfen aber noch nicht in die abgesperrte und verriegelte Villa Berg, wo sie sich ein Bild vom aktuellen Zustand des Denkmals machen sollen. Der Grund: Die Stadt konnte das Gebäude immer noch nicht in ­Besitz nehmen.

Eigentlich hatten die Verwaltungsspitze und der Chef der aktuellen Eigentümerin, der Düsseldorfer Firma PDI, den Übergang des Eigentums für den 1. August vorgesehen. Rund sechs Wochen später hat es immer noch nicht geklappt. Und weitere zwei Wochen dürften mindestens noch ins Land ziehen. Das liegt nach Informationen unserer Zeitung daran, dass ein Bankkredit in Höhe von rund acht Millionen Euro durch eine Grundschuld auf die alten Studiogebäude abgesichert worden ist. Zunächst muss der Nachweis über die Löschung der Grundschuld auf dem Tisch liegen – dann erst kann im Grundbuch die Stadt als neue Eigentümerin eingetragen werden. Das bestätigte Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) am Dienstag unserer Zeitung.

„Zeitdruck hin, Zeitdruck her – ich kann nicht einen Kaufvertrag protokollieren lassen, solange die Freistellung von Grundpfandrechtslasten nicht vollzogen ist“, sagte er.

Stadt von Problem überrascht

Die Probleme von PDI bei der Lastenfreistellung hätten die Stadtverwaltung überrascht. Denn in der gemeinsamen Absichtserklärung für den Handel, auch Letter of Intent genannt, sei diese Voraussetzung formuliert worden. Sein Gesprächspartner bei der PDI habe jetzt angekündigt, dass es bis Ende September eine Lösung geben werde. „Ich teile diese Zuversicht. Wenn ich eines anderen belehrt werden sollte, müssen wir klären, wie wir weiter vorgehen“, sagte Föll.

Wenn die Stadt wieder Eigentümerin sei, werde man sofort in das Gebäude gehen und sich ein Bild vom Zustand machen, hatten OB Fritz Kuhn (Grüne) und Föll Ende Juni versichert. Das war, als sie die Übernahme des Kulturdenkmals durch die Stadt ankündigten – nach langem und zähem Ringen mit PDI-Chef Mathias Düsterdick. Der sagte am Dienstag nichts zur Frage des Grundpfandrechts, sondern nur so viel: „Es gibt noch immer keine Einigung mit der Stadt über die Details der Abwicklung.“

Dass die Zeit für die Rettung der Villa drängt, liegt auf der Hand. Auf dem Dach des Hauses, das für den württembergischen Kronprinzen und späteren König Karl gebaut worden ist, wachsen inzwischen Büsche und Bäumchen. Drinnen quillt in manchen Räumen der Parkettboden, weil Nässe ins Haus eindrang. Hinter die verrammelten Türen sind in den vergangenen Jahren, seit der Südwestrundfunk (SWR) auszog, nur selten Besucher vorgedrungen. Nur ab und zu haben die jeweiligen Herren über die Gemäuer jemanden reingelassen.

Nach dem SWR, der das Gebäude in den 1950er Jahren von der Stadt übernahm, hatte erst der Projektentwickler Rudi Häussler das Sagen. Nach der Insolvenz seiner Firmen war es dann PDI-Chef Düsterdick, der sich zum Herrn der Villa aufschwang und die Bereitschaft zur Sanierung als Hebel benutzen wollte, um ein Baurecht im Park der Villa Berg zu erhalten. Vergeblich.

Die Bürger im Stuttgarter Osten spielten nicht mit. Am Schluss verweigerten auch der Gemeinderat und die Stadtverwaltung ihre Unterstützung. Kuhn und Föll erhielten den Auftrag, in Verhandlungen die Übernahme der Villa zu erreichen. Ende Juni, als Kuhn und Föll den Durchbruch vermeldeten, war die Erleichterung groß.

Demnächst werden Ideen für Nutzung gesucht

In einem Bürgerbeteiligungsverfahren will die Stadt vermutlich im kommenden Jahr Ideen für die künftige Nutzung der Villa und des Parks suchen. Dass die alten, verlassenen Fernsehstudios verschwinden und das Gelände renaturiert wird, ist schon klar. Der sogenannte Gutbrod-Bau mit Rundfunkstudios neben der Villa wird stehen bleiben. Er ist ebenfalls denkmalgeschützt, und der SWR will ihn weiter nutzen.

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