Die Villa Berg muss vor dem Verfall gerettet werden, darüber sind sich alle einig – ob das durch ein Neubauprojekt im Park finanziert werden soll, ist umstritten. Foto: 7aktuell.de/Eyb

Der Poker um die Zukunft der sanierungsbedürftigen Villa Berg und vor allem um Neubauten im Park geht weiter – in verschärfter Form. Der Investor PDI hat den Kauf jetzt perfekt gemacht, obwohl eine Gemeinderatsmehrheit sein Projekt ablehnt und den Park erweitern will.

Der Poker um die Zukunft der sanierungsbedürftigen Villa Berg und vor allem um Neubauten im Park geht weiter – in verschärfter Form. Der Investor PDI hat den Kauf jetzt perfekt gemacht, obwohl eine Gemeinderatsmehrheit sein Projekt ablehnt und den Park erweitern will.

Stuttgart - Es gibt erheblichen Gesprächsbedarf. Deshalb werden OB Fritz Kuhn (Grüne) und der Chef des Düsseldorfer Projektentwicklers PDI, Mathias Düsterdick, am 30. Januar wieder mal die Klingen kreuzen. Sie wollen zu klären versuchen, wie der Streit um die Zukunft der Villa Berg und die alten Fernsehstudios des Südwestrundfunks im Park der Villa Berg endlich zu lösen wäre.

Die Voraussetzungen für eine Einigung sind denkbar schlecht. Denn jetzt ist bekannt geworden, dass die Firma PDI nicht vom Kauf der Liegenschaften aus der Insolvenzmasse der Firmengruppe Häussler zurückgetreten ist – obwohl dies bis Ende 2013 möglich gewesen wäre. Und obwohl die Stadt Stuttgart zuvor keinen Zweifel daran gelassen hatte, dass sie PDI kein Baurecht für Wohnungen im Torso der alten Studios geben will. PDI möchte damit Geld verdienen und einen Teil in die Sanierung der denkmalgeschützten Villa stecken, in der sie ein zweites Varieté für Stuttgart ansiedeln will.

Die Stadtverwaltung ist auch nicht nachzugeben gewillt. Das machte sie am Donnerstag mit einer Pressemitteilung klar. Grundlage für das Gespräch sei der Beschluss des Gemeinderats vom 24. Juli 2013. Danach soll die Villa einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Den Park will man nach Abriss der Fernsehstudios den Stuttgarter Bürgern zurückgeben. Kuhn: „An dem Ziel hält die Stadt fest.“ Über die Hintergründe des Kaufs durch PDI und die Ziele könne die Stadt keine Auskunft geben.

Ziel bleibt Erweiterung des Parks

Was will PDI erreichen? Martin Körner, der ehrenamtliche Bezirksvorsteher im Stuttgarter Osten und Spitzenkandidat der SPD für die Gemeinderatswahl, vermag sich nur zwei mögliche Motive vorzustellen. Düsterdick könnte darauf spekulieren, dass bei der Gemeinderatswahl am 25. Mai die öko-soziale Mehrheit im Gemeindeparlament verloren geht und eine konservative Mehrheit ihm doch noch das Baurecht verschafft. Ansonsten könne PDI nur darauf hoffen, dass sie die Immobilien der Stadt zu einem erhöhten Preis weiterverkaufen könne.

Dass Düsterdicks Kalkül so aussieht, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. CDU, Freie Wähler und FDP haben am 24. Juli 2013 schon angedeutet, dass sie das Bauvorhaben letztlich unterstützen könnten. Damals lehnten sie den Zielbeschluss ab, dass die Stadt das Gelände der Fernsehstudios vom Insolvenzverwalter kaufen und es in Park zurückzuverwandeln soll. Lediglich den Kauf der Villa Berg, einstmals Wohnhaus des württembergischen Kronprinzen Karl und seiner Ehefrau Olga, trug das bürgerlich-konservative Lager mit. Aber im amtierenden Gemeinderat verfügt es über maximal 28 Stimmen – versus 33 Stimmen der anderen Stadträte und des Oberbürgermeisters. Niemand weiß, wie es nach der ­Gemeinderatswahl am 25. Mai aussehen wird.

SPD-Spitzenkandidat Körner folgerte am Donnerstag aus der neuen Entwicklung, wer Neubauten im Park verhindern und die Villa künftig gern in städtischer Hand sehen wolle, der müsse SPD wählen. Damit spielte er auch darauf an, dass es bei den Grünen in den vergangenen Jahren bisweilen Neigungen gab, Neubauten zu tolerieren. Am Donnerstagnachmittag stellten die Grünen-Stadträte in ihrer Fraktionssitzung aber einstimmig fest, dass sie unverändert „hinter dem Grundsatzbeschluss“ von 2013 stehen. Die Erweiterung des Parks bleibe das Ziel, sagte Fraktionschef Peter Pätzold. Zum Jahreswechsel habe sich auch gar nicht viel verändert: nur der Ansprechpartner der Stadt bei den Kaufverhandlungen. Das sei jetzt PDI, nicht mehr der Insolvenzverwalter. In der Analyse des Vorgangs sind sich Pätzold und Körner auch einig.

Düsterdick lässt sich vor der neuen Pokerrunde genauso wenig in die Karten schauen wie die Verwaltung. Gekauft habe man die Immobilien schon vor zwei Jahren. Jetzt sei ein Restbetrag überwiesen worden, sagte der PDI-Chef. Es sei nun an der Stadt, sich zu erklären, zumal merkwürdigerweise seit dem Grundsatzbeschluss von der Stadtverwaltung niemand bei ihm angerufen habe. PDI habe in den vergangenen Jahren viel Geld in Planung und Veranstaltungen zu diesem Projekt gesteckt. Wie lange er den Streit mit der Stadt notfalls durchstehen will, ließ er offen. „Bis zum Ruhestand habe ich noch 20 Jahre“, spaßte Düsterdick.

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