Thanh (rechts) wurde mutmaßlich aus Berlin entführt. Foto: dpa/VNA

Für den vietnamesischen Geschäftsmann, der im Juli aus Deutschland mutmaßlich vom Geheimdienst seines Heimatlandes entführt wurde, fordert die Staatsanwaltschaft in Hanoi doch nicht die Höchststrafe.

Hanoi - Im Prozess um den mutmaßlich aus Deutschland entführten vietnamesischer Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh sieht die Staatsanwaltschaft von der Forderung der Todesstrafe ab. Dies bestätigte Thanhs deutsche Anwältin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Staatsanwälte forderten eine lebenslange Haftstrafe wegen Untreue sowie 13 bis 14 Jahre Haft wegen Missmanagements für den 52-jährigen ehemaligen kommunistischen Funktionär, berichteten staatliche Medien. Ausländischen Medien verweigerten die vietnamesischen Behörden den Zutritt zum Gericht.

Die Regierung glaubt, Thanh sei entführt worden

Thanh war im vergangenen Sommer unter rätselhaften Umständen aus Berlin verschwunden, wo er sich um Asyl bemüht hatte. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass er vom vietnamesischen Geheimdienst entführt wurde. Vietnam gibt an, dass er freiwillig zurückgekehrt sei.

Thanh hatte den Medienberichten zufolge am Dienstag wirtschaftliches Fehlverhalten zugegeben, seine Anwältin Petra Schlagenhaupt hingegen sagte damals, er habe lediglich eine strafrechtlich nicht relevante Mitverantwortung als Top-Manager eingeräumt, wenn Mitarbeiter des Unternehmens Fehler begingen und daraus Verluste entstünden.

Thanh soll sich persönlich bereichert haben

Die Anklage wirft ihm zudem vor, sich als Chef des staatlichen Baukonzerns PetroVietnam Construction (PVC) persönlich bereichert zu haben. Er soll demnach mindestens vier Milliarden vietnamesische Dong (etwa 150 000 Euro) in die eigene Tasche gesteckt haben. Diese Korruptionsvorwürfe hatte Thanh vor Gericht zurückgewiesen. Für Korruption kann die Todesstrafe verhängt werden.

„Die geforderte lebenslange Haft für meinen Sohn ist unsinnig, weil er dieses Geld nicht veruntreut hat“, sagte Thanhs Mutter Dam Thi Ngoc Kha der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Aber um ihrem Sohn zu helfen, habe sie vier Milliarden Dong zurückgezahlt. Vietnamesische Gericht verhängen oft mildere Urteile, wenn Angeklagte Gelder zurückzahlen.

Mit Thanh zusammen müssen sich 21 weitere ehemalige Manager wegen Misswirtschaft und Korruption verantworten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: