Der Ausbau der B 14 endet zurzeit an der Kreuzung Waldrems. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Das vom Landesverkehrsminister für den vierspurigen B-14-Weiterbau bis Backnang ausgegebene Ziel 2026 wird deutlich verfehlt werden. Das Regierungspräsidium nennt auf Nachfrage nun ein neues Datum.

Das noch zuletzt von Landesverkehrsminister Winfried Hermann ausgegebene Ziel eines vierspurigen Ausbaus der B 14 bis Backnang bis zum Jahr 2026 wird bei Weitem nicht zu halten sein. Das geht aus einer Antwort des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP) auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung hervor. Demnach rechnet die Behörde, die den Ausbau der Straße im Auftrag des Bundes vorantreiben soll, nun damit, dass sich die Fertigstellung des Projekts um mindestens zwei bis drei Jahre verzögern wird. Der Neubau der B 14 zwischen Nellmersbach und Backnang-West werde sich „trotz Ausschöpfung aller Optimierungsmöglichkeiten auf das Jahr 2028/2029“ verschieben, heißt es in der Antwort des RP wörtlich.

 

Mehrere Faktoren schuld an Verzögerung

Für die Verzögerungen sind offenbar mehrere Faktoren ursächlich. Zum einen muss für den Bauabschnitt Nord, also das Murrtalviadukt bis zur Anschlussstelle Backnang-West, noch eine Finanzierungsfreigabe des Bundes eingeholt werden. Eine Kostenfortschreibung sowie alle unterschriebenen Straßenkreuzungsvereinbarungen seien dem Verkehrsministerium im August vergangenen Jahres zwar vorgelegt worden, doch erst nach der Verabschiedung des Bundeshaushalts und einem positiven Bescheid kann die Stuttgarter Behörde die Ausschreibung für den zweiten Überbau des Murrtalviadukts losschicken. Zwar rechnet man damit, dass die Freigabe in diesem Sommer erfolgt, doch ein Baubeginn in Form von ersten Rodungsarbeiten ist frühestens für Anfang 2023 geplant, und die Fertigstellung wird nicht vor 2027 möglich sein. „Der BA Nord ist eine komplexe Baumaßnahme, bei der das Murrtalviadukt Ostseite, zwei Unterführungsbauwerke sowie ein Überführungsbauwerk gebaut werden müssen. Zudem muss der Bau in diesem Bauabschnitt unter Verkehr stattfinden“, so das RP. Mit den Bauabschnitten Süd und Mitte wolle man parallel vom Jahr 2024 an beginnen.

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Kompliziert ist auch der Bereich, in dem zwei neue Bahnbrücken gebaut werden müssen. Der Entwurf einer sogenannten Eisenbahnkreuzungsvereinbarung soll der Deutschen Bahn AG zwar im kommenden Monat zur Abstimmung vorgelegt werden, doch die für die Baumaßnahme notwendige dreimonatige Sperrung der beiden Bahnstrecken kann nicht, wie bisher geplant, 2025 erfolgen. Die Bahn habe zwischenzeitlich mitgeteilt, dass in diesem Jahr aufgrund zahlreicher anderer Maßnahmen im Schienennetz keine weiteren Sperrpausen gewährt werden könnten, so das Regierungspräsidium. Die Brückenbauten müssten deshalb auf das Jahr 2027 verschoben werden.

2022 wird wieder ein Jahr der Planer

Handwerker wird man in Sachen B-14-Weiterbau aber auch in diesem Jahr keine im Einsatz sehen – wenn man von den Erkundungsbohrungen absieht, die zurzeit an verschiedenen Stellen durchgeführt werden. Diese Untersuchungen, die bis Anfang April an den Anschlussstellen Backnang-West und Mitte sowie im Zu- und Abfahrtsbereich der Kreisstraße 1987 angesetzt sind, seien erforderlich, um „die Planung baureif zu machen und auszuschreiben“, so das RP.

Nötig sind bau- und genehmigungsrechtliche Schritte beispielsweise auch für den Tunnel unter der Kreuzung bei Waldrems. Dort hat sich der Untergrund komplizierter erwiesen als ursprünglich gedacht, weswegen die Baufenster erweitert werden mussten. Da aber nicht alle Zustimmungen der betroffenen Eigentümer für die notwendigen Planänderungen erreicht werden konnten, muss das Regierungspräsidium Stuttgart dieses Jahr ein Plangenehmigungsverfahren durchführen.

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Ein Flurneuordnungsverfahren ist zudem für den Bereich zwischen Waldrems und dem Bauende nötig. Derzeit finde die Ausarbeitung der Wertermittlung für das Verfahren statt, von dem rund 680 Hektar betroffen seien, so die Behörde. Weiterhin sei es nötig, einzelne Flächen für den Bau der Straße zu erwerben.

Eines ist auf jeden Fall jetzt schon klar: Die genehmigten 150 Millionen Euro werden nicht ausreichen, um die Baukosten bezahlen zu können. Das Regierungspräsidium geht aktuell von 187 Millionen Euro aus. Die wesentlichen Gründe dafür seien allgemeine Baupreissteigerungen und deutlich aufwendigere Bauweisen, etwa beim Tunnel Waldrems und den Bahnbrücken. Und bis 2028/2029 kann in dieser Hinsicht natürlich auch noch einiges passieren.

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Der Ausbau der B 14

Gesamt
Die Bundesstraße 14 ist eine der längsten Bundesstraßen Süddeutschlands. Sie führt vom Ortsrand von Stockach (Landkreis Konstanz) aus über eine Länge von 421 Kilometern bis nach Waidhaus an der tschechischen Grenze.

Kreis
Die vierspurige Strecke zwischen Waiblingen und Winnenden ist bereits im Jahr 1979 freigegeben worden. Bis die Ortsumgehung von Winnenden realisiert wurde, hat es dann noch einmal 25 Jahre gedauert. Der Leutenbachtunnel und das Stück bis zur Anschlussstelle Nellmersbach wurden 2009 freigegeben. Das vorerst letzte vierspurige Teilstück bis zur Kreuzung Backnang-Waldrems wurde Ende 2018 fertiggestellt.