Medien berichten über eine „Verheiratung“ von vier Männern durch eine Berliner Pfarrerin. Das sagt der evangelische Esslinger Dekan Klaus-Peter Lüdke dazu.
Dieses Posting sorgte für Wirbel. Die evangelische Pfarrerin Lena Müller aus Berlin-Kreuzberg hatte laut Berichten von evangelisch.de auf Instagram öffentlich gemacht, im Sommer vier Männer im Rahmen einer „Polyhochzeit“ miteinander „verheiratet“ zu haben.
Die Männer, so heißt es auf evangelisch.de weiter, hätten sich laut Zeitungsinterviews der Theologin zum Teil schon länger gekannt. In dieser polyamorösen Konstellation seien sie in diesem Jahr zusammen gekommen. Evangelisch.de ist ein Portal des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), dem bundesweiten Medienunternehmen der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Ablehnend äußert sich Klaus-Peter Lüdke zu diesem Vorgang. Der evangelische Dekan des Kirchenbezirks Esslingen stellt klar: „Eine evangelische kirchliche Trauung einer Viererbeziehung ist nicht möglich. Auch eine öffentliche Segensfeier auf eine Viererbeziehung bezogen kann es nach evangelischem Verständnis nicht geben.“
Lena Müller sieht das wohl anders. Die Seelsorgerin soll laut evangelisch.de in Zeitungsinterviews mit Blick auf die Verbindung der vier Männer von einer kleinen gottesdienstlichen Zeremonie im Rahmen eines Pop-up-Hochzeit-Festivals der Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gesprochen haben. Das Quartett habe sich einen Trauspruch aus der Bibel ausgesucht. Es handle sich um einen Satz aus dem ersten Korintherbrief: „Die Liebe hört nie auf.“ Das Portal zitiert die Seelsorgerin zudem mit einer gegenüber Medien geäußerten Aussage: „Ich bin auf jeden Fall davon überzeugt, dass sie vor Gott wirklich geheiratet haben.“
„Pop-up-Trauungen ohne standesamtliche Eheschließung“ gibt es laut Dekan nicht
Eine Ansicht, der Klaus-Peter Lüdke widerspricht. Die evangelische Kirche setze für eine kirchliche eine standesamtliche Trauung voraus. Oft gebe es im Anschluss an eine solche standesamtliche Eheschließung einen öffentlichen Traugottesdienst für das Brautpaar mit Freunden und Familie. Das sei nach evangelischem Verständnis der erste gemeinsame gottesdienstliche Segen nach dem Standesamt. Meist suche sich das Brautpaar einen Trauspruch aus, ein Bibelwort, das die beiden unterstützend durch ihr Leben tragen solle.
Für den Bereich des evangelischen Kirchenbezirks Esslingen, zu dem neben der Gesamtkirchengemeinde Esslingen auch Aichwald, Altbach, Baltmannsweiler, Hohengehren, Berkheim, Deizisau, Denkendorf, Hochdorf, Köngen, Lichtenwald, Plochingen, Wernau oder Reichenbach gehören, schließt der 57-Jährige Handlungen wie die von Pfarrerin Müller aus. Sein Fazit: „Für eine kirchliche Trauung von vier Personen miteinander gibt es keine Möglichkeit. Es gibt weder einen gesellschaftlichen Konsens noch einen standesamtlichen Vorgang dafür. Somit sind auch in der württembergischen Landeskirche keine Pop-up-Trauungen ohne eine standesamtliche Eheschließung möglich.“
Landessynode wird am ersten Advent gewählt
Aktuell gibt es laut dem Dekan in der evangelischen Landeskirche in Württemberg noch keine Ordnung für die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Menschen: „Es ist die Aufgabe der Landessynode, die am ersten Advent neu gewählt wird, kirchliche Gesetze zu verabschieden.“ Bei einer entsprechenden Zusammensetzung des Gremiums könnte auch die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlich liebender Menschen möglich werden, so der Dekan. Gesegnet werden könnten sie heute schon. Im Interview mit unserer Zeitung hatte Klaus-Peter Lüdke im September gesagt: „Gott und Jesus haben queere Menschen nie ausgeschlossen. Ich hoffe, dass meine Kirche diese Diskriminierung endlich beendet.“