Dortmund, Deventer, Hamburg, Bochum (v. li. o. nach r. u.): Der VfB Stuttgart kommt in den kommenden zwei Wochen einiges herum. Foto: imago

Vier Auswärtsspiele in Folge sind nichts Alltägliches. Wie der VfB Stuttgart diese besondere logistische Herausforderung angeht.

Gut möglich, dass die Delegation des VfB Stuttgart an diesem Freitag in der Abfertigungshalle des Stuttgarter Flughafens per Handschlag begrüßt wird. Man wird sich in den kommenden 13 Tagen schließlich des Öfteren über den Weg laufen. Für den Fußball-Bundesligisten steht ein Trip der besonderen Art an. 2571 Kilometer in 13 Tagen – einmal durch die halbe Republik und retour, eingelagert von einem kurzen Abstecher in die Niederlande. Die besondere Konstellation in Bundesliga, Europa League und DFB-Pokal macht es erforderlich. Und stellt den Verein vor einige logistische Herausforderungen.

 

Die zumindest Sebastian Hoeneß aber (noch) nicht beschäftigen. „Ich bin in Gedanken jetzt erst einmal beim Dortmund-Spiel. Dann kommt Deventer, dann kommt Hamburg, und dann Bochum“, lautet die nüchterne Sichtweise des Trainers. So lief die Trainingswoche vor dem BVB-Spiel denn auch noch einigermaßen normal. An diesem Freitagnachmittag geht es nach dem Abschlusstraining in Bad Cannstatt per Flieger nach Dortmund. Dort bestreitet der Tabellenvierte beim punktgleichen Tabellendritten am Samstag (15.30 Uhr) Teil eins seiner ungewöhnlichen Auswärtsexpedition. Direkt im Anschluss an die Partie geht es dann vom Flughafen Dortmund zurück nach Leinfelden-Echterdingen.

Die Reiseroute von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß (re.) in den kommenden zwei Wochen. Der Transfer vom Flughafen erfolgt jeweils im Mannschaftsbus. Foto: Imago/Rudel, Baumann. Grafik: Zapletal

So weit, so gewöhnlich. Nach drei Tagen in Stuttgart heißt es wieder: Ab in die Lüfte! Ab nach Teuge! Für alle Geografie-Unkundigen: Teuge ist ein Dorf in der niederländischen Provinz Gelderland, etwa zehn Kilometer entfernt von Deventer gelegen. Teuge beherbergt den örtlichen Flughafen. In der 100 000-Einwohner-Stadt Deventer tritt die Mannschaft von Sebastian Hoeneß am späten Donnerstagabend im Stadion „Adlerhorst“ bei den Go Ahead Eagles Deventer in der Europa League an. Aufgrund der späten Anstoßzeit von 21 Uhr und des anschließenden Banketts ergibt eine Weiterreise in der Nacht keinen Sinn.

Von Deventer geht es direkt nach Hamburg – die Wäsche macht einen Umweg

Also erfolgt das sogenannte Auslaufen am Freitagfrüh vor Ort. Für die Organisation der Trainingsplätze waren die Teambetreuer Günther Schäfer und Peter Reichert zuständig. Nach einer Saison in der Champions League verfügen sie über die nötige Erfahrung. Nach der Trainingseinheit in Deventer geht es direkt weiter nach Hamburg.

Einmal pro Saison erfordert der Bundesligaspielplan für jeden Verein zwei Auswärtsspiele in Folge. Umgekehrt auch zwei Heimspiele. Dass der Bundesliga-Auswärtsdoppler für den Pokalsieger nun ausgerechnet zwischen Europa League und DFB-Pokal fällt, mag aus VfB-Sicht unglücklich sein – vor allem für die Fans. Nicht wenige nehmen alles mit, was geht.

„Das ist tatsächlich ungewöhnlich“, sagt Sebastian Hoeneß zu den vier Gastspielen in Folge. Er selbst hat es in seiner VfB-Zeit noch nicht erlebt, von einem Auswärtsspiel direkt zum nächsten zu reisen. Die Stadt an der Elbe bietet dafür gewiss die nötige Abwechslung. „Wir werden die Zeit gemeinsam sicher nutzen, auch wir als Trainerteam. Das gehört ein Stück weit auch dazu“, sagt Hoeneß, ohne ins Detail zu gehen.

Rein sportlich betrachtet bereitet sich der VfB ab Freitag zwei Tage lang auf die Partie beim Aufsteiger vor. Sonntag, 15.30 Uhr, geht’s ins Volksparkstadion. Bis dahin kommt bei örtlichen Trainingseinheiten fast schon Trainingslager-Feeling auf. Solange es nicht zum Lagerkoller kommt! Nach dem Spiel beim HSV wartet am Stadion schon wieder der Mannschaftsbus. Er befördert den Tross zum Helmut-Schmidt-Flughafen. Und wieder retour nach Stuttgart.

Auch Zeugwart Michael Meusch muss sich in den kommenden Wochen umstellen. Foto: Baumann

Als besondere Herausforderung erweist sich beim Direkttrip von Deventer nach Hamburg das Thema Kleidung. Da sich ein Riesenberg von schmutzigen Trikots, Hosen, Stutzen und Trainingskleidung nicht mal eben in der örtlichen Wäscherei durchwaschen lässt und Zeugwart Michael Meusch auf seine heimischen Geräte vertraut, wird das Equipment von einem Fahrer in Deventer abgeholt und frisch wieder nach Hamburg gefahren.

Mehr im Flugzeug als auf dem Trainingsplatz

Derweil wird die Mannschaft am Sonntagabend wieder in Stuttgart landen. Wo sie mal für ein paar Tage durchschnaufen kann. Ehe sie am Mittwochfrüh ein vorerst letztes Mal in den Flieger steigt. Am Spieltag selbst geht es erneut gen Dortmund. Tageshotel beziehen, Spielvorbereitung, Anschwitzen – und ab nach Bochum. Um 18 Uhr geht es im Ruhrstadion gegen den Zweitligisten um den Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals. Direkt nach dem Spiel ist schließlich die Rückkehr nach Stuttgart geplant.

Auch wenn die Profis nicht in Jugendherbergen absteigen und ihnen abseits des Platzes jedwede Last abgenommen wird, so ist der 2571-Kilometer-Trip binnen 13 Tagen doch eine Belastung für Körper und Geist. Vier Auswärtsspiele in Folge sind eben keine Selbstverständlichkeit.

Freuen darf sich der VfB Stuttgart auf sein nächstes Heimspiel dann am 6. Dezember. Einfach wird’s aber nicht: Die Bayern kommen.