Freut sich auf die Rückkehr in die Schleyerhalle: Michael Jung, Olympiasieger in der Vielseitigkeit. Foto: Imago/Stefan Lafrentz

Drei olympische Einzel-Goldmedaillen hat Michael Jung, der ab diesem Mittwoch beim Turnier in Stuttgart startet, schon gewonnen – sein Ehrgeiz ist damit aber noch nicht gestillt.

Der Kalender von Michael Jung ist prall gefüllt. Allein in den vergangenen sechs Wochen bestritt er Turniere in Italien, Polen, Belgien, zweimal in den Niederlanden und zuletzt erneut in Polen. Erst am Montag kehrte er frühmorgens aus Warschau zurück, nach knapp 1200 Kilometern auf der Autobahn.

 

Auch deshalb schätzt der Vielseitigkeits-Olympiasieger aus Horb den Termin, der in seinen Planungen Jahr für Jahr dick rot angestrichen ist, ganz besonders: Die Anreise an diesem Mittwoch nach Stuttgart ist angenehm kurz. Doch es gibt noch mehr Gründe für seine große Vorfreude auf die Veranstaltung in der Schleyerhalle. „Es ist für mich eine Art Heimspiel, zu dem viele Leute kommen, die ich kenne. Diese Arena hat etwas Magisches“, sagt Michael Jung (43), „und zugleich ist das Turnier sportlich hoch angesehen.“ Nicht zuletzt dank ihm selbst.

Drei deutsche Paris-Olympiasieger starten in Stuttgart

Michael Jung holte 2012 bei den Sommerspielen in London Doppel-Gold, vier Jahre später wurde er in Rio de Janeiro erneut Einzel-Olympiasieger. Und er gehörte 2024 zu dem deutschen Trio, das im Schlosspark von Versaille Geschichte schrieb: Michael Jung (Vielseitigkeit), Jessica von Bredow-Werndl (Dressur) sowie Christian Kukuk (Springen) gewannen die drei olympischen Einzel-Wettbewerbe, und alle drei starten nun auch in der Schleyerhalle. „Das Publikum wird wieder für eine tolle Atmosphäre sorgen“, sagt Michael Jung, „es bekommt aber auch einiges geboten.“

Zweite Heimat Schleyerhalle: Michael Jung Foto: Imago/Stefan Lafrentz

Der Mann, der nicht nur der vielseitigste Reiter der Welt ist, sondern nach Meinung etlicher Experten auch der beste, kommt zwar nicht mit seinem Gold-Pferd Chipmunk nach Stuttgart („Er darf sich ausruhen“), aber trotzdem mit großen Ambitionen. Michael Jung hat sieben Starts auf drei unterschiedlichen Pferden geplant, besonders im Fokus steht die internationale Prüfung in der Vielseitigkeit an diesem Mittwoch (21.30 Uhr), die er schon neunmal gewonnen hat – und bei der ihn diesmal große Konkurrenz erwartet.

Vielseitigkeits-Klassentreffen in der Schleyerhalle

Die EM, die Mitte September in der englischen Grafschaft Oxfordshire stattfand, war ein voller Erfolg für die deutsche Vielseitigkeit. Michael Jung blieb auf Chipmunk ohne Hindernisfehler, belegte am Ende Rang zwei hinter der Britin Laura Collett, die im Gelände etwas schneller war. „Es ist ein sehr schwerer, intensiver Parcours gewesen“, sagt Michael Jung, „Chipmunk ging gigantisch, alles hat super gepasst. Mit unserer Leistung und Silber war ich sehr zufrieden. Die Freude wäre nicht so groß gewesen, wenn ich mit einem Fehler gewonnen hätte.“ Gold gab es trotzdem – zusammen mit Jerome Robine, Malin Hansen-Hotopp und Libussa Lübbeke in der Teamwertung. Nun gibt es ein Wiedersehen bei der rasanten, mit ganz besonderen Hindernissen versehenen Prüfung in der Schleyerhalle. „Wir sind sehr gut befreundet, Stuttgart wird ein bisschen wie ein Klassentreffen“, meint Michael Jung, „dass unsere komplette EM-Mannschaft am Start ist, zeigt den Stellenwert des Turniers auch in der Vielseitigkeit.“ Und trotzdem geht der Blick schon über das Heimspiel hinaus.

Michael Jung ist auch deshalb mit dem Jahr 2025 sehr zufrieden, weil es ihm laut eigener Aussage gelungen ist, „junge Pferde toll weiterzuentwickeln“. Das ist angesichts des Alters von Olympiasieger Chipmunk nicht ganz unwichtig. Mit dem 17-jährigen Hannoveraner Wallach plant Michael Jung noch für die WM 2026 in Aachen, aber nicht mehr darüber hinaus: „Sehr wahrscheinlich wird das ein toller Abschluss für ihn.“ Der Reiter? Denkt weiter!

Michael Jung will zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles

Das große Ziel von Michael Jung („Ich bleibe dabei, so lange ich fit bin“) sind die Olympischen Spiele 2028. Bis Los Angeles ist es zwar ein langer Weg, dafür geeignete Pferde aber sieht er schon jetzt in seinem Stall. Solution und Powerfast haben die Olympia-Qualifikation bereits geschafft, sie spielen in den Gedanken von Jung eine wichtige Rolle. „Natürlich geht mir immer mal wieder die Frage durch den Kopf, welches Pferd bis Los Angeles olympiareif sein könnte“, sagt er, „ich bin selbst gespannt, wie die Antwort ausfallen wird.“ Und dann gibt es ja auch noch eine ganz besondere Idee.

Nach seinem Olympiasieg in Paris überraschte Michael Jung in der Mixed-Zone des im Schlossgarten von Versailles erbauten Reitstadions die Journalisten mit der Aussage, dass er mit einem olympischen Doppelstart in der Vielseitigkeit und im Springen liebäugle, vielleicht ja sogar schon in Los Angeles. Nun, gut 15 Monate später, hält der Starreiter aus Horb einen solchen Coup immer noch für möglich. „Ich habe auch tolle Springpferde im Stall“, sagt Michael Jung – um mit einem Lächeln hinzufügen: „Es ist eher ein Traum als ein realistisches Ziel.“

Was nichts daran ändert, dass nicht nur das Turnier in Stuttgart im Kalender von Michael Jung rot unterstrichen ist. Sondern auch jetzt schon der Termin der Sommerspiele 2028.