Der Revierleiter Reiner Ertl zeigt einen Tannenzweig, dessen Nadeln sich innerhalb weniger Wochen krankhaft verfärbt haben. Foto: Michael Steinert

Weil in den Wäldern die Käferplage um sich greift, haben die Förster alle Hände voll zu tun. Die kranken Bäume müssen schleunigst aus dem Wald gebracht werden.

Kreis Göppingen - Schlechte Preise und viel Arbeit: Auf diesen Nenner bringt der Revierleiter Reiner Ertl das bisherige Forstjahr, wenn er sorgenvoll auf die Weißtannen blickt. Weil der krummzähnige Tannenborkenkäfer die Bäume schädige, müssten die kranken Bäume vorzeitig gefällt werden; das bringe nur wenig Ertrag. Die heißen Sommer haben die Vermehrung der Käfer begünstigt.

Die Käferplage greift voll um sich

Dieser Sommer werde wohl wieder ein Käferjahr, erklärt der Forstfachmann bei einem Termin im Wald. Jedenfalls greife die Käferplage im Ottenbacher Gewann Eichholz schon voll um sich. Der Blick nach oben offenbart das Schadensbild: Rotbraun verfärbte Baumkronen weisen den Forstfachmann schon von Weitem auf kranke Bäume hin. Bis zu 40 Prozent der Tannen im Eichholz seien bereits befallen, erklärt der Revierleiter. Und auch in den anderen Wäldern im Kreis sehe es nicht viel besser aus. Zudem bedrohten weitere Borkenkäfer – etwa Kupferstecher und Buchdrucker – die Fichten.

„Damit die Käferplage nicht außer Kontrolle gerät, müssen die befallenen Bäume so schnell wie möglich entsorgt werden.“ Diese Waldhygiene sei unbedingt notwendig, betont der Förster. Das von Käfern befallene Holz müsse mitsamt der Brut möglichst schnell aus dem Wald gebracht und verarbeitet werden. Soweit es noch zu verwenden ist, wird es verkauft, ansonsten gehäckselt. Ertl zeigt einige abgelöste Rindenteile, unter denen sich die Käfer eingenistet haben. Die Tiere, die sich massenhaft vermehren, legen ihre Gänge in doppelarmiger Formation dich an dicht nebeneinander.

Der Baum seift den Käfer mit Harz ein

Das sich daraus ergebende Bild sei immer gleich: Bevor sich die Tannennadeln verfärbten, lasse sich der Befall an der Baumrinde erkennen, wo zahlreiche Harztröpfchen auf die kleinen Bohrlöchern der Käfer hinwiesen. „Mit dem Harz wird der Käfer eingeseift“, beschreibt Ertl die Abwehrreaktion der Tanne. Aber bei solch einem extremen Befall wie in diesem Sommer hätten nur die stärksten Bäume eine Überlebenschance.

„Der hier steht nahe am Bach, das könnte ihn retten, denn seine Wurzeln reichen bis zum Talgrund. Die Tannen brauchen halt viel Feuchtigkeit.“ Ertl zeigt auf eine rund 120 Jahre alte Tanne, die zwar Veränderungen an der Borke aufweist, deren Nadeln aber noch grün sind. „Vielleicht müssen wir sie irgendwann doch fällen, wir werden sehen.“ Zweimal pro Woche überprüfen die Fachleute den Zustand der Bäume.

Der Forst pflanzt neuerdings mehr klimaresistente Baumarten

In höheren Lagen, wie beispielsweise im tannenreichen Schwarzwald, profitierten die Bäume von der höheren Luftfeuchtigkeit. Weil es im Kreis Göppingen vergleichsweise trocken und heiß ist und sich diese klimatischen Bedingungen seit 2001 immer mehr verstärkten, lässt das Forstamt mehr klimaresistente Baumarten nachpflanzen, erklärt Ertl die neue Strategie. Das sollen, je nach Standort, Eichen und Douglasien sein. Auch Kiefern würden sich eignen, allerdings nur auf weniger eng bepflanzten Flächen, weil sie viel Licht zum Gedeihen bräuchten.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

„Wir informieren die Öffentlichkeit, weil wir teilweise Wanderwege für die Beseitigung des Käferholzes kurzfristig sperren müssen“, erklärt Ertl. Der zusätzliche Holzhieb, der sonst im Winter erfolge, sei auch eine wirtschaftliche Belastung: Bei einem Erlös von nur 30 Euro, während üblicherweise 90 bis 100 Euro pro Festmeter erzielt würden, seien das keine Hiebe, mit denen der Forst Geld verdiene. Zudem sei Käferholz oft nicht so hochwertig, weil es Festigkeit eingebüßt habe – keine guten Voraussetzungen für die Weißtanne, die von Alters her ein sehr beliebtes Konstruktionsholz sei. Man müsse froh sein, wenn der Hieb die Kosten decke.

Und eigentlich habe der Forst im Sommer andere Aufgaben, als jeden kranken Baum mit viel Aufwand einzeln aus dem Wald zu holen. Die Instandsetzung von Wegen, Hütten und Grillstellen und die Jungbestandspflege müssten jetzt warten.

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