Mal wieder Großeinsatz an der Geflüchtetenunterkunft in Schönberg, in diesem Fall am 18. Juli. Foto: Torsten Schöll

Allein zu einem Haus in Schönberg musste die Feuerwehr in diesem Jahr schon rund 30-mal ausrücken. Viele Alarme werden mutwillig ausgelöst. Das belastet Retter und Anwohner.

Es mischen sich Erheiterung und Genervtsein, wenn die Angehörigen einer Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr in Stuttgart von ihren jüngsten Einsätzen berichten. Die haben sie allesamt in eine große Flüchtlingsunterkunft in ihrem Stadtbezirk geführt. So, wie das schon seit längerem der Fall ist. Angebranntes Essen, das kommt vor, aber viel häufiger werden die Alarme mutwillig oder wegen einer gewissen Naivität ausgelöst. „Beim vergangenen Mal hatte einer seine Räucherstäbchen direkt unter dem Rauchmelder aufgestellt“, erzählt einer der Retter.

 

Die Stuttgarter Flüchtlingsunterkünfte haben ganz unterschiedliche Größen und auch verschiedene Alarmierungssysteme. Manche Häuser sind direkt auf die Feuerwehr aufgeschaltet, andere nicht. Bei einigen kleineren sind private Wachdienste im Auftrag der Stadt unterwegs. Dort rückt aus Kostengründen erst einmal ein Fahrer der Sicherheitsfirma an oder es wird vor Ort nachgeschaut, wenn jemand ohnehin dort ist. Nur im Ernstfall wird dann umgehend die Feuerwehr verständigt.

Lage ganz unterschiedlich

Bei solchen Sicherheitsunternehmen heißt es, die Lage sei in den Häusern ganz unterschiedlich. In vielen gebe es überhaupt keine Probleme mit Fehlalarmen, in einigen häufe sich das dagegen schon. Dabei gebe es auch diverse Fälle, in denen mutwillig ein Alarm ausgelöst werde, etwa per Handdruckmelder.

Bei der Stuttgarter Feuerwehr werden Einsätze in Geflüchtetenunterkünften nicht separat erfasst. „Grundsätzlich sind wir mehrmals täglich im ganzen Stadtgebiet bei ausgelösten Brandmeldeanlagen in allen möglichen Gebäuden im Einsatz: zum Beispiel Hotels, Einkaufszentren, Bürogebäude, Kliniken oder Pflegeheime“, sagt Feuerwehrsprecher Daniel Anand. 2024 sei man zu insgesamt 1797 Fehlalarmen ausgerückt, davon seien 63 mutwillige Alarme gewesen. Die Zahlen waren dabei ähnlich wie in den Vorjahren. „ Darunter sind auch Einsätze in Sammelunterkünften“, so Anand. Die Lage in einzelnen Häusern wechsle dabei immer wieder.

Manchmal werden Handmelder mutwillig ausgelöst. Foto: picture alliance / dpa

Am schlimmsten ist die Lage derzeit zweifellos in der Flüchtlingsunterkunft in Schönberg. Unterstützt durch die Freiwillige Feuerwehr Birkach mussten die Einsatzkräfte der Feuerwehr Stuttgart allein im Juli neun Mal dorthin ausrücken. Von den letzten sechs Einsätzen in der Flüchtlingsunterkunft ging, nach Auskunft der Feuerwehr, lediglich ein einziger tatsächlich auf angebrannte Speisen zurück. Insgesamt listet die Freiwillige Feuerwehr Birkach im laufenden Jahr 29 derartige Einsätze in der Flüchtlingsunterkunft auf.

Wie Feuerwehrsprecher Anand erklärt, müssten aufgrund der Größe des Schönberger Objekts jeweils zwei Löschzüge der Berufsfeuerwehr, also neun Fahrzeuge, und die Freiwillige Feuerwehr ausrücken. Die Kosten pro Einsatz liegen bei rund 2200 Euro. Im laufenden Jahr wären das etwa 64 000 Euro, die, findet sich kein Schuldiger für die Fehlalarme, an der Stadt hängen bleiben. Zwar erstattet die Stadt gelegentlich Anzeigen gegen Unbekannt, im vergangenen Jahr sind das laut Polizei aber nur zwölf gewesen – mit bescheidenen Erfolgsaussichten.

Der Schönberger Alexander Fischer hat viele der Feuerwehreinsätze in unmittelbarer Nähe seines Hauses beobachten können. Er spricht inzwischen von „großem Frust“ in Schönberg. „Ich habe nun mindestens zehn Alarme live miterlebt“, sagt er. „Die Kinder in der Einrichtung haben richtig Spaß, und auch die Erwachsenen scheinen Spaß daran zu haben, und das auf Kosten der Allgemeinheit und zum Leidwesen der Anwohner und der Feuerwehrleute“, so Fischer.

Aktiv geworden ist nun auch der Bürgerverein Schönberg, der sich mit einem Brandbrief an Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann und Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann gewandt hat: „Wir haben in unserem Schreiben darauf hingewiesen, dass es im Schönberg inzwischen kein Verständnis mehr für diese unnötigen Einsätze gibt. Sie sind extrem störend, insbesondere bei Einsätzen in der Nacht“, so der Verein auf seiner Internetseite.

Runder Tisch soll helfen

Bereits im Mai hatte auf Grund mutwillig ausgelöster Feueralarme, aber auch wegen anderer Probleme in der Flüchtlingsunterkunft im Schönberger Röhrlingweg ein Runder Tisch aus Vertretern des Sozialamts, der Unterkunftsleitung, des Bezirks sowie der Anwohnerschaft getagt und nach Lösungen gesucht, um den Missbrauch der baurechtlich vorgeschriebenen Feuermeldeanlagen in den Griff zu bekommen.

Wie die Feuerwehr nun weiter mitteilt, würden „durch das Referat Soziales, Gesundheit und Integration der Landeshauptstadt Stuttgart bereits Maßnahmen umgesetzt, um die Anzahl der Fehlalarme zu reduzieren“. Demnach sollen unter anderem die Rauchmelder in unmittelbarer Nähe zur Küche der Einrichtung neu kalibriert werden.

Handmelder als Problem

Viele der in Schönberg nachweislich mutwillig ausgelösten Fehlalarme werden allerdings durch das Drücken von Handmeldern verursacht. Deshalb sollen die Bewohner nun, so die Feuerwehr weiter, durch die Hausleitung verstärkt sensibilisiert werden. Zudem werde auch nach Möglichkeiten gesucht, das „versehentliche Auslösen“ der Handdruckmelder zu verhindern. Das dürfte sich allerdings als schwierig erweisen, wenn es sich überhaupt nicht um Versehen handelt.