Macht sich beliebt: der kanadische Schauspieler Keanu Reeves ist nicht nur gut in Action-Filmen, sondern auch darin, sich respektvoll und bodenständig zu geben. Foto: AFP

Alte Schule: der kanadische Schauspieler Keanu Reeves (55) benimmt sich respektvoll, bodenständig und angenehm zurückhaltend. Auf Fotos achtet er darauf, seinen weiblichen Fans nicht zu nahe zu kommen. Hat er sich die #metoo-Debatte zu Herzen genommen?

Los Angeles - Keanu Reeves ist einer der bekanntesten Action-Stars (derzeit ist er im dritten Teil des Films „John Wick“ zu sehen) und zählt zu den bestbezahltesten Schauspielern. Und er ist auch einer der beliebtesten. Laut einer Journalistin des „New Yorker“ sei Reeves sogar „zu gut für diese Welt“. Er sei das Gegengift zu allem, was im Nachrichtengeschäft gerade falsch laufe, schwärmte die Autorin Naomi Fry kürzlich in einem Artikel. In dem Text beschreibt sie unter anderem ihre eigene Begegnung mit Reeves. 2006 habe sie ihn bei einer Veranstaltung in Brooklyn gesehen. Der Hollywoodstar habe sich auffällig bescheiden gezeigt: Er habe sich in einen engen Sitz auf den billigen Plätzen gequetscht.

Was vielleicht auch mit seiner Abneigung gegen Fanaufläufe zu tun haben könnte. Kürzlich beklagte er sich laut der britischen Zeitung „Daily Mail“ über die so genannten „Star Spotter“, die ihm vor seiner Villa in Los Angeles auflauern würden. „Ich gehe morgens raus, um die Zeitung zu holen und sie sind da. Man fühlt sich wie ein Tier in einem Käfig“, zitiert die „Daily Mail“ Reeves.

Ganz die alte Schule, der Herr Reeves

Nun hat sich der 55-Jährige erneut beliebt gemacht. Das Internet feiert ihn für seinen respektvollen Umgang mit Frauen. Er fasst sie nämlich nicht an, wenn er mit ihnen zusammen für ein Foto posiert, sonder lässt laut Medien „seine Hand hinter den Damenrücken in der Luft schweben“. Ganz die alte Schule, der Herr Reeves. Vielleicht ist er auch durch die #metoo-Debatte sensibilisiert worden und versucht nun, jegliche Gesten zu vermeiden, die ihm auch nur im Entferntesten negativ ausgelegt werden könnten.

Manche finden, er lasse sich dadurch etwas entgehen, wie eine Twitter-Nutzerin amüsiert anmerkt und verschiedene Bilder zusammen gestellt hat, auf denen Reeves Hand hinter weiblichen Fanrücken schwebt – so als würde er seinen Arm um sie legen, in Wirklichkeit berührt er sie aber nicht, sondern deutet die Geste nur an.

Laut einer Reporterin der „Bild“-Zeitung, die den „Matrix“-Star einmal persönlich zum Interview getroffen hat, sei Keanu Reeves überraschend schüchtern. Er könne kaum Blickkontakt halten, sein Händedruck sei sehr sanft und als sie zusammen ein Foto machten, sei es ihr so vorgekommen, als wäre es ihm sehr unangenehm gewesen, sie zu berühren. Reeves, der in Beirut geboren wurde, gilt als öffentlichkeitsscheu, das US-Magazin „Time“ bezeichnete ihn einmal als „Hollywoods ultimativen Introvertierten“. Auch das würde die „schwebende Hand“ auf Fotos mit Frauen erklären.

Reeves hatte in den Neunzigerjahren mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen. Eine gemeinsame Tochter mit der Schauspielerin Jennifer Syme wurde im Dezember 1999, einen Monat vor dem errechneten Entbindungstermin, tot geboren. Zwei Monate später trennte sich das Paar, hielt aber weiter engen Kontakt. Im April 2001 starb Syme bei einem Autounfall. Auch den Drogentod seines Kollegen und engen Freundes River Phoenix 1993 hat er jahrelang nicht verkraftet.

Anekdoten und Begegnungen mit dem Schauspieler

Das US-Magazin „New Yorker“ hat unlängst die Leser dazu aufgefordert, Anekdoten und Begegnungen mit Keanu Reeves einzureichen. Es kam einiges an Resonanz zusammen. Ein Nutzer schrieb, er sei Reeves vor etwa 15 Jahren begegnet. Damals habe er selbst in einer Bar gearbeitet. Sie hätten sich über Motorräder, Gitarren und Scotch unterhalten. „Er ist ein großartiger Typ.“ Ein anderer Nutzer berichtete, er sei dem Schauspieler in New York begegnet. Er habe ihn angesehen, der habe gelächelt und freundlich gegrüßt. „Es war ein kurzer Moment, eine Verbindung, die ich nie vergessen habe.“

Erst kürzlich war Reeves mit einer amüsanten Episode in den Schlagzeilen. Wegen einer Flugzeugpanne saß der Schauspieler mit anderen Passagieren an einem Flughafen in Kalifornien fest. Er nahm den Vorfall mit Humor und wurde zum Unterhalter für die Gestrandeten. Für seine bodenständige Attitude wird er von seinen Fans gefeiert. Er fährt zum Beispiel angeblich selbstverständlich mit der U-Bahn zu Arbeit. Neulich schlenderte er vollkommen alltäglich durch die Straßen und vesperte ein Brötchen auf einer Parkbank, wie ein Instagram-Nutzer fotografisch festhielt.

Vor ein paar Wochen wurde Keanu Reeves in einer US-Talkshow gefragt, was er glaube, was nach dem Tod geschehe. Der Schauspieler atmete aus, ließ sich Zeit. Dann antwortete er: „Ich glaube, dass diejenigen, die uns lieben, uns vermissen werden.“ Der Ausschnitt wurde im Netz tausendfach geteilt – eine würdevolle Antwort auf eine schwierige Frage.

Auch Kollegin Sandra Bullock (54) schwärmte Ende vergangenen Jahres in einem Interview mit der US-Moderatorin Ellen DeGeneres in den höchsten Tönen von Keanu Reeves. 1994 erschien der Film „Speed“, der Sandra Bullock zum Superstar machen sollte. In dem Thriller spielt sie an der Seite des beliebten Schauspielers, der sich zuvor bereits mit Filmen wie „My own private Idaho“ (1991) oder „Point Break – Gefährliche Brandung“ (1991) einen Namen gemacht hat. DeGeneres wollte wissen, was Bullock jetzt über ihn denke. „Ich denke darüber nach wie nett er war, wie gut aussehend er war“, sagte Bullock.

Eine Ausnahme von der „schwebenden Hand“

Für die Schauspielerin machte Reeves übrigens eine Ausnahme von der „schwebenden Hand“. Auf einem Foto bei Twitter, das ihn 2018 mit Sandra Bullock an der einen Seite sowie der Sängerin Rihanna an der anderen zeigt, legt er vertrauensvoll den Arm um die Taille seiner „Speed“-Kollegin.

Offenbar kennt er sie dafür lange genug. Den anderen Arm hält er an seinem Körper, die Hand in der Hosentasche. Dafür versucht sich Rihanna zaghaft anzunähern und legt Keanu Reeves ihrerseits die Hand auf den Rücken. Aber, wer weiß, vielleicht ließ sie ja ihre Hand auch nur schweben.

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