Die drei Kanditaten René Weißenberger, Dennis Mews und Reinhard Riesch (v.l.n.r.) stellten sich am Dienstagabend in der Deckenpfronner Gemeindehalle vor. Foto: Käthe Ruess

Wer folgt als Bürgermeister auf Daniel Gött? Die drei Kandidaten René Weißenberger, Dennis Mews und der frühere Kurzzeit-Bürgermeister von Weissach Reinhard Riesch präsentierten sich und ihre Ideen für Deckenpfronn.

Die ursprünglich geplanten 300 Plätze reichten am Dienstagabend bei Weitem nicht aus – daher wurden eilends weitere Stuhlreihen herbeigeschafft, damit zumindest die Mehrzahl der gut 500 Interessierten die Vorstellung der drei parteilosen Bürgermeisterkandidaten René Weißenberger, Dennis Mews und Reinhard Riesch sitzend verfolgen können. „So voll war die Gemeindehalle selten“, kommentierte Deckenpfronns stellvertretender Bürgermeister Ralph Süßer.

 

Er führte gemeinsam mit dem scheidenden Bürgermeister Daniel Gött, der nach 16 Jahren im Amt aus gesundheitlichen Gründen auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet, durch den Abend, der im klassischen Vorstellungsformat erfolgte: Jeder Kandidat hatte 20 Minuten, um sich und seine Pläne für die mit rund 3300 Einwohnern kleinste Gemeinde im Landkreis Böblingen zu präsentieren. Direkt danach war jeweils eine Viertelstunde Zeit für Fragen aus dem Publikum. Voll ausgeschöpft wurde keines dieser Zeitbudgets.

Ein Mann der Justiz

Der 29-jährige René Weißenberger ist ausgebildeter Justizfachangestellter, der aktuell als Ordnungspolizist bei der Stadt Mörfelden-Walldorf in Hessen arbeitet. Deckenpfronn kennt er aus der Zeit, als er als kommissarischer Landesjugendvorsitzender der Deutschen Justiz-Gewerkschaft Baden-Württemberg im ganzen Bundesland rumgekommen sei, berichtet er. Er stellt seine Verwaltungserfahrung, die er als Mitglied im städtischen Personalrat gewonnen hat, ebenso ins Schaufenster wie sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement. Als „bodenständig, offen und transparent“ beschreibt sich Weißenberger selbst. Selbstbewusst spricht er konsequent von „unserem“ Deckenpfronn, wenn er seine Zukunftspläne erläutert. Dabei will er angesichts der prekären Haushaltslage neue Fördertöpfe anzapfen und bringt außerdem die Idee eines limitierten „Bürgertaler“ zur Ankurbelung der örtlichen Wirtschaft sowie den Bau kostengünstiger überdachter Stellplätze ins Spiel. „Bürgermeister ist für mich kein Projekt auf Zeit“, betonte Weißenberger, der sich zum ersten Mal um ein solches Amt bemüht.

Ortsvorsteher will ins Rathaus

Zweimal – 2019 in Schlaitdorf (Kreis Esslingen) und 2020 in Steinenbronn – hat sich der 40-jährige Dennis Mews bereits vergeblich um den Bürgermeisterposten beworben. Seitdem habe er sich durch seine beiden Ortsvorsteherämter in Zizishausen und Reudern im Landkreis Esslingen weiterentwickelt, betont der Wirtschaftsjurist. Deckenpfronn sei für ihn keine Durchgangsstation, sondern solle wie bei Daniel Gött und dessen Vorgänger Winfried Kuppler möglichst über viele Jahre seine neue berufliche Heimat werden. Eine große Herausforderung für die Zukunft sieht er darin, das „aktuell überragende“ Angebot in puncto Nahversorgung und niedergelassene Ärzte im Ort zu erhalten. Mit Blick auf den Wirtschaftsstandort hat er die seit Langem geplante Erweiterung des Gewerbeparks als drängendstes Problem ausgemacht.

Agraringenieur mit Ambitionen

In einem Alter, in dem andere schon im Ruhestand sind, möchte der 66-jährige Stuttgarter Reinhard Riesch dagegen nochmals durchstarten. Der Agraringenieur, der sich selbst als „älterer Junggebliebener“ bezeichnet, war bereits ab 2004 Bürgermeister in Weissach, bevor er das Amt nach weniger als einem Jahr wegen Krankheit wieder aufgab. Seitdem hatte er 2012 in Steinenbronn und 2019 in Gerlingen vergeblich für den Bürgermeisterposten kandidiert. Er wirft seinen beruflichen Erfahrungsschatz aus 17 Jahren als Projektingenieur auf dem Schiltacher Rathaus sowie seine fünfjährige Beschäftigung bei der Ingenieurkammer Baden-Württemberg in einer Führungsfunktion in die Waagschale. Er möchte in Deckenpfronn die Vereinslandschaft, das „Rückgrat“ der Kommune, stärken, und verspricht, ein Bürgermeister „mit einer offenen Tür und zwei offenen Ohren“ zu sein, der auf den direkten Austausch schätzt.

Gang zur Urne

Termin
Gewählt wird in Deckenpfronn am Sonntag, 13. April. Falls keiner der drei Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit erhält, kommt es am 11. Mai zur Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Der neue Bürgermeister wird sein Amt am 5. Juli antreten.

Festwochenende
Bereits am letzten Juli-Wochenende steht dann sein erstes Großevent vor der Tür: Das große Jubiläumswochenende, bei dem das 950-jährige Bestehen des Ortes und 150 Jahre Feuerwehr gemeinsam gefeiert werden. Ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr, der Festakt findet bereits an diesem Samstag, 29. März, ab 19 Uhr in der Gemeindehalle statt.