Ministerpräsident Winfried Kretschmann wandte sich in einer Ansprache direkt an Ungeimpfte. Foto: Baden-Württemberg.de/Youtube

In einer persönlichen Videobotschaft appelliert der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann an Ungeimpfte. Eigensinn verdiene Respekt, sagt er – aber das sei nicht alles.

Stuttgart - In einer Videobotschaft wendet sich der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) an Ungeimpfte: „Eigensinn verdient unseren Respekt – selbst dann, wenn man ihn nicht teilt“, sagt Kretschmann in dem am Freitagmorgen veröffentlichten Video an jene gerichtet, die sich bisher noch nicht gegen das Coronavirus haben impfen lassen. Menschen dürften in einer freiheitlichen Demokratie eigensinnig sein – „außer natürlich, wenn sie rote Linien überschreiten“, wenn sie gefährliche Verschwörungsideologien verbreiteten oder sich mit Rechtsradikalen verbündeten.

Persönlich allerdings halte er die Entscheidung, sich nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen, für falsch, so Kretschmann: „Weil wir nicht einfach ohne Rücksicht auf andere tun können, was uns gefällt. Weil unsere Freiheit immer mit Verantwortung verbunden ist. Und weil Freiheit da endet, wo ich andere Menschen in Gefahr bringe.“ Durch seine Schutzpflicht müsse der Staat dafür sorgen, dass möglichst wenige Menschen mit dem Virus angesteckt werden und dass Intensivstationen nicht volllaufen. „Denn die Entscheidung gegen das Impfen ist eine Entscheidung, die nicht nur mich selbst betrifft. Durch diese Entscheidung bringe ich auch andere in Gefahr.“

Veränderte Gene oder Unfruchtbarkeit – diese Mythen seien falsch

Die Gefahr für andere werde deutlich bei einem Blick auf die Infektionszahlen. Aktuell liege die Corona-Inzidenz bei Geimpften demnach bei knapp 20 und bei Ungeimpften deutlich über 200. Die Rechenmethode, das haben Recherchen unserer Zeitung gezeigt, hat allerdings auch Schwächen. Kretschmann betont darüber hinaus aber auch: „Mehr als 90 Prozent der Menschen, die mit einem schweren Verlauf auf den Intensivstationen liegen, haben keinen Impfschutz. Dies ist ein himmelweiter Unterschied.“ Deswegen brauche es jetzt strengere Corona-Regeln für Ungeimpfte, sagt Kretschmann: „Wir wollen damit niemanden ausgrenzen. Es geht nicht um Strafe, sondern um Vorsorge und Schutz.“

Der Grüne geht auch auf Verschwörungserzählungen und Mythen in Bezug auf das Impfen ein. „Im Internet kursieren die wildesten Falschbehauptungen: Eine Impfung mache unfruchtbar, unsere Gene würden verändert oder wir bekämen Mikrochips eingesetzt. Ich versichere Ihnen: All das stimmt nicht! Nicht die Impfung ist die Gefahr, sondern die Erkrankung“, so der grüne Ministerpräsident. „Die Gründe für eine Impfung gegen das Corona-Virus sind stark. Mit einer Impfung schützen Sie sich selbst und Ihre Mitmenschen. Eine Impfung bringt uns der gewohnten Freiheit Schritt für Schritt wieder näher. Deshalb appelliere ich an Sie: Denken Sie noch einmal darüber nach, sich doch noch impfen zu lassen!“

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