Immer wieder kämpfen überall auf der Welt Frauen gegen Sexismus und für ihre Rechte. Foto: imago/Stefan Boness/Ipon

„Der life-saving Handjob: So tastet du deine Hoden ab“: So lautet der Titel eines Videos, das im Netz aktuell für Diskussionen sorgt. Viele kritisieren den Clip zurecht, kommentiert unsere Autorin – und erklärt, warum der Ansatz problematisch ist.

Hamburg - Das Video, das die Gemüter erhitzt, beginnt ziemlich plump. Eine Frau unter der Dusche, es klingelt an der Tür, der neue Nachbar. Kurz darauf sitzen die beiden zusammen auf dem Sofa, sie – knapp bekleidet – beginnt ihn zu küssen und deutet an, seine Hose zu öffnen. Dann ein Schnitt: „Die Techniker Krankenkasse präsentiert: Der Handjob gegen Hodenkrebs.“ Was bewusst – so jedenfalls wird es kommuniziert – beginnt wie ein Porno, soll Aufmerksamkeit schaffen für die Früherkennung von Hodenkrebs.

 

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Während einige – insbesondere Männer – den Ansatz für unproblematisch halten oder gar für innovativ, zeigen sich viele andere unter den Instagram-Posts der Krankenkasse und der Darstellerin bei Instagram entsetzt. Zurecht! Warum der „ungewöhnliche Ansatz“ in der Tat problematisch ist, zeigen Kommentare von Männern, die „so eine Behandlung von der Kasse“ bezahlt haben wollen. Das ist herabwürdigend und abscheulich – und zeigt, wozu der gewählte Ansatz eben auch führen kann.

Männer müssen die Verantwortung für ihre Gesundheit selbst übernehmen

Warum braucht es eine plumpe Sexualisierung von Frauen, eine Degradierung zum Sexobjekt, damit Männer dazu angeregt werden, sich mit ihrer Gesundheit und dem Thema Hodenkrebs zu befassen? Es gibt schließlich auch keine „im pornografischen Umfeld platzierten“ Videos über Männer, die Frauen zeigen, wie sie zur Krebsvorsorge ihre Brust richtig abtasten. Vielmehr scheint hier völlig klar, dass Frauen das schon selbst wissen und können.

Solch unterschiedliche Anspruchshaltungen müssten längst der Vergangenheit angehören. Frauen und Frauenkörper dürfen nicht dazu benutzt werden, Männer zu etwas zu bewegen – sei es zum Kauf von Produkten durch sexistische Werbung oder zur gesundheitlichen Vorsorge. Die Gesellschaft muss Männer endlich stärker in die Verantwortung nehmen – und diese müssen die Verantwortung für ihre Gesundheit gefälligst selbst übernehmen.