Der YouTuber Rezo. Foto: dpa

Kurz vor der Europawahl entwickelt sich das YouTube-Video „Die Zerstörung der CDU“ zu einem immer größeren Internethit. Zugleich räumt CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak eine Schwäche seiner Partei ein, die erheblich unter Druck steht.

Berlin - Ein unter dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ laufendes YouTube-Video entwickelt sich kurz vor der Europawahl zu einem immer größeren Internethit. Bis Donnerstagvormittag klickten mehr als 4,8 Millionen Internetnutzer das Video des YouTubers Rezo an. Die Zahl der Kommentare stieg auf über 94.000, darunter sehr viele zustimmende Äußerungen. Eine Nutzerin schrieb etwa, „Danke, danke danke! Sagt eine 44jährige Olle, für die Du die Hoffnung Deiner Generation bist.“

Der in seinen YouTube-Kanälen ansonsten eher unpolitische Rezo attackiert in dem 55 Minuten langen Clip CDU und CSU, aber auch SPD und AfD. Dabei beklagt er ungerechte Vermögensverteilungen in Deutschland, eine nach seiner Meinung jeder wissenschaftlichen Vernunft widersprechende Klima- und Umweltpolitik, Inkompetenz einzelner Unionspolitiker oder die angebliche deutsche Beteiligung an Kriegsverbrechen. Unterlegt ist dies mit einer langen Liste an Quellen.

Kritik von Paul Ziemiak

Zu Beginn des Clips sagt der YouTuber, sein Video sei kein langweiliges Politikvideo, sondern ein echtes Zerstörungsvideo. „Nicht, weil ich aktiv versuche jemanden zu zerstören, sondern weil die Fakten und Tatsachen einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf, und ihr Wahlergebnis und damit selbst zerstört.“ 

So habe jahrzehntelange, CDU-lastige Politik in Deutschland dazu geführt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander gegangen sei. Rezo sagt, dass er unter CDU auch CSU verstehe, weil dies nur eine Art bayerische CDU sei.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hatte dem in dem Internetkanal YouTube erfolgreichen Rezo „Falschbehauptungen“ vorgeworfen, ohne dies aber zu konkretisieren. „Rezo hat keine Hemmungen, Dinge im Internet einfacher darzustellen, als sie tatsächlich sind. Wir haben da mehr Skrupel, weil wir wissen, wie komplex viele Fragen sind“, hatte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vom Mittwoch gesagt.

Schwäche der CDU

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak hat eine Schwäche seiner Partei beim Erreichen junger Menschen im Internet eingeräumt. „Wir müssen online präsenter sein. Wir müssen das Internet noch mehr nutzen, um komplexe Fragen verständlicher darzustellen“, sagte Ziemiak den Zeitungen des Redaktionsnetzwerk Deutschland von Donnerstag. 

Die Partei steht wegen eines bei YouTube zu einem Hit gewordenen Videos „Die Zerstörung der CDU“ kurz vor der Europawahl am Sonntag erheblich unter Druck. Der fast einstündige Clip wurde bereits fast fünf Millionen Mal angeklickt. Darin rechnet der YouTuber Rezo an einer Vielzahl von Beispielen mit der Politik von CDU und CSU in den vergangenen Jahren, aber auch mit SPD und AfD ab.

Ziemiak beklagte im Redaktionsnetzwerk Deutschland mit Blick auf das Video ein Übermaß an Populismus, Beleidigungen und falschen Vereinfachungen in sozialen Medien. Der CDU-Generalsekretär räumte aber ein, auch bei der Vermittlung ihrer Position zur Reform des europäischen Leistungsschutzrechts zu wenig durchgedrungen zu sein.

„Die Debatte um die EU-Urheberrechtsreform hat gezeigt, wie schwer wir es oft haben, junge Menschen zu erreichen. Mich beschäftigt das sehr. Daraus müssen wir lernen“, sagte Ziemiak. In diesem Streit hatte es ebenfalls auf einer Reihe von YouTube-Kanälen massive Kritik an der Bundesregierung gegeben, hier oft auch direkt an CDU und CSU.

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