Daniel Wagner und Benyamin Senkal durften ihre Drohne in schwindelnder Höhe über die Schätze des Mercedes-Mu Foto: Helix 4 Motion

Zwei Stuttgarter haben im Mercedes-Benz-Museum Videodrohnen steigen lassen. Das Ergebnis zeigt Automobilgeschichte aus ganz neuen Perspektiven. Dabei hatte es der Dreh bisweilen in sich.

Bad Cannstatt - Gut hundert Mal ist Benyamin Senkal mit seinem Daimler-Oldtimer, einem 250 SE Baujahr 67, um das Mercedes-Benz-Museum gefahren und hatte immer den gleichen Gedanken: Einmal mit seiner Videodrohne einen Film über die „wertvollste Autosammlung der Welt machen“, wie er sie nennt. Das war vor zwei Jahren. In den vergangenen zwölf Monaten sollte der Traum des Werbefilmers Wirklichkeit werden.

Das Ergebnis der Auftragsarbeit des Konzerns kann sich sehen lassen. So sieht es jedenfalls Friederike Valet, eine Sprecherin des Museums. „Wir sind super happy damit“, sagt sie. Der Film zeige die Autosammlung aus komplett neuen Blickwinkeln. „Unsere Drohnen können sich barrierefrei, dreidimensional im Raum bewegen und erlauben ganz neue Perspektiven“, ergänzt Senkal.

Filmer mit Flugvehikeln

Ein Jahr haben er und Daniel Wagner, Mitgründer der Firma Helix 4 Motion, an dem Projekt gedreht. „Meistens montags, wo auch andere Wartungsarbeiten im Museum durchgeführt werden“, sagt Senkal, „und manchmal auch nachts.“ Etwa ein Mal im Monat, jeweils für vier bis fünf Stunden, kurvten die Drohnenfilmer mit ihren Flugvehikeln um Autos, deren Wert sich teilweise überhaupt nicht beziffern lässt. Doch bis es soweit war, dass die Aktiengesellschaft Senkal, Wagner und der Drohnen-Zukunftstechnologie ihre Schätze für einen Werbefilm anvertraute, war es ein weiter Weg.

Rückblende: 2014. Der Mercedes-Fan Benyamin Senkal fährt gefühlt zum hundertsten Mal um das Museum in Bad Cannstatt. Der Hobbyschrauber tut das, weil sich bei kürzeren Strecken Ruß in der Zündkerze bildet. „Wenn ich meinen Oldtimer ausfahre, dann mindestens eine halbe Stunde“, sagt Senkal. Noch ahnt er nicht, dass sein Wunschprojekt in Erfüllung gehen wird.

„Ich hatte einen Auftrag, CEO Dieter Zetsche mit einer Drohne vor dem historischen Gewächshaus bei einem Vortrag zu filmen – der Überlieferung nach der Geburtsort des Verbrennungsmotors“, sagt Senkal. Dort knüpfte er zufällig den Kontakt zur Museumsleitung.

Erstmal hieß es da aber: Keine Chance, im Mercedes-Benz-Museum Drohnen steigen zu lassen. Und das, obwohl die Daimler AG ja auch vor dem Gewächshaus davon ausgegangen, dass die Begegnung ihres Vorstandsvorsitzenden mit den Flugobjekten unfallfrei verlaufen würde.

Aber Senkal ist keiner, der so schnell aufgibt. Er schickte der Museumsführung Drohnen-Videos, die er zuvor gemacht hatte – etwa in den Produktionsstätten von Evobus in Ulm und Mannheim, einer Daimler-Tochter, die Busse herstellt, zu deren Abnehmern auch die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gehört. Offenbar waren die überzeugend. Senkal erhielt den Auftrag.

Allerdings: Auf eigene Haftung, was den Firmengründern ganz schön Kopfzerbrechen bereitete. Was, wenn die Technik ausfällt und eine der Fünf-Kilo-Drohnen auf ein Unikat wie das Weltmeisterauto 300 SL Böhringer kracht? „Das wollten wir lieber nicht riskieren“, sagt Senkal. Darum haben Wagner und er eine Versicherungspolice abgeschlossen. Höhe: zehn Millionen Euro.

Daimler gehört zur Familiengeschichte

Abgesehen von technischen Problemen mit der Schnurloskamera, die auf der gleichen Frequenz sendete wie der Audio-Guide des Museums und darum streckenweise ausfiel, verliefen die Dreharbeiten aber reibungslos. Obwohl es nicht ein einfach war. „Indoorflüge sind immer eine Herausforderung und quasi die Königsdisziplin, da man keinerlei elektronische Helferlein wie beispielsweise GPS hat“, sagt Wagner.

Der gelernte Mediengestalter Benyamin Senkal ist heute 34 Jahre alt und betreibt mehrere kleine Firmen in einem Hinterhof an der Silberburgstraße im Westen, darunter eine weitere Filmfirma, die ohne Drohnen auskommt. In seinem Büro steht auch sein Mercedes 250 SE – ein Erbstück von seinem Großvater. „Bei uns in der Familie ist Daimler schon sehr lange ein Thema“, sagt Senkal.

Auch Daniel Wagner ist vom Fach. Er lebt mittlerweile im Lehenviertel, ist 30 Jahre alt und hat an der Akademie für Grafik- und Kommunikationsdesign in Fellbach studiert. Sein Schwerpunkt: Fotografie, ursprünglich vor allem im Skateboarding-Bereich.

Zumindest für Senkal hat sich mit den Tagen und Nächten im Mercedes-Benz-Museum ein Kindheitstraum erfüllt. „Ich fand das schon als kleiner Junge interessant – und jetzt nehme ich meinen Junior immer wieder gerne mit“, so der Familienvater. Für Wagner waren andere Aspekte entscheidend: „Erstmals ist das Museum natürlich architektonisch ein absolutes Highlight und ein Stuttgarter Wahrzeichen.“ Doch wie geht es jetzt weiter, wo der Streifen über das Museum im Kasten ist?

Einmal wäre da der monetäre Aspekt, das Geschäft weiter auszubauen. „Wir haben unseren Umsatz verglichen mit dem ersten Jahr der Unternehmensgründung, 2014, verfünfzehnfacht“, sagt Senkal. Und auch neue Geschäftsfelder interessieren ihn – etwa mit Drohnen bei Fernsehfilmproduktionen mitzuwirken, was gerade sehr gefragt sei. Zum anderen ist Benyamin Senkal auch scharf auf einen Preis. Einen Drohnenfilmpreis, um genau zu sein, einen Award des New York Drone Festivals. Ob er seinen Film über das Mercedes-Benz-Museum einreichen will? Senkal grinst. „Das lassen wir unsere Konkurrenz lieber nicht wissen.“

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