Mit Hochsteckfrisur und elegantem Blazer spricht Beckham im September vor den Vereinten Nationen - Victoria Beckhams viele Seiten in Bildern Foto: dpa

Für viele ist Victoria Beckham das ewige Spice Girl, das im engen Mini auf der Bühne trällert. Doch für ein britisches Management-Magazin ist die 40-Jährige die wichtigste Unternehmerin auf der Insel.

London - Spice Girl, Spielerfrau, mehrfache Mutter und jetzt auch noch Spitzenmanagerin: Victoria Beckham (40) führt die Liste der 100 wichtigsten britischen Unternehmer 2014 des Magazins „Management Today“ an. Für Spötter mag das ein Zeichen sein, dass es um das Unternehmertum auf der Insel nicht besonders gut bestellt sein kann. Wer jedoch auf Beckhams Karriere blickt, muss neidlos anerkennen: Die Frau ist ein Profi.

„Beckham ist der lebende Beweis dafür, dass Prominenz die vielleicht am besten vermarktbare Ware der Welt ist“, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift. Das Vermögen der Modeschöpferin, die im September ihre erste Boutique in London eröffnet hat, wird auf umgerechnet rund 266 Millionen Euro geschätzt. Der Umsatz ihrer Marke habe sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreißigfacht – schreibt „Management Today“. Nun liege er bei 30 Millionen Pfund (38 Millionen Euro).

Victoria ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Das Ausmaß ihres Erfolgs mag manchen überraschen. Aus ihrem Ehrgeiz macht Victoria allerdings schon zu Beginn ihrer Karriere vor 20 Jahren keinen Hehl. Da heißt sie noch Victoria Adams und steht bereit, als das „Stage“-Magazin fünf junge Frauen für eine Girl-Group sucht: „Lebhaft, schlagfertig, ehrgeizig und hingebungsvoll“ heißt es in der Anzeige für das Casting. Victoria ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort – die Idee der Girl-Group setzt sich durch, der Aufstieg beginnt. Die Spice Girls werden schnell zur prominentesten Mädchenband ihrer Zeit.

Nach der Trennung 2001 versucht es „Posh“ (die Vornehme ) mit einer Solokarriere – jedoch mit deutlich weniger Erfolg als ihre Kolleginnen. Statt sich mit Mittelmäßigkeit zufriedenzugeben, sucht sie sich ein anderes Betätigungsfeld. Nicht etwa, weil sie das Geld braucht – Victoria kommt aus wohlhabenden Verhältnissen und ist zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem britischen Fußball-Superstar David Beckham verheiratet. Mit der aufwendigen Zeremonie in Irland hatte das Paar Maßstäbe gesetzt. Die Presse stürzt sich auf das Traumpaar, das zwei Jahre nach dem Tod von Prinzessin Diana zum neuen Ziel der Paparazzi erkoren wird.

Victoria Beckham wird zum Dauergast auf den Tribünen der Fußballstadien: Stets mit riesiger Sonnenbrille auf der Nase und keinem Zentimeter zu viel Stoff am Leib. Die britische Regenbogenpresse liebt die perfekte Inszenierung und erfindet 2002 eigens für Miss Beckham den Begriff der Wags ­(wives and girlfriends of high-profile sportsmen), mit dem bis heute der kameraverliebte Typus der Spielerfrauen beschrieben wird.

Die Ehe der Beckhams ist seit 15 Jahren ohne Skandale

Der Ehe der Beckhams war anfangs übrigens keine lange Lebensdauer prophezeit worden. Victoria war als karriereorientierte, bisweilen kaltschnäuzige Aufsteigerin porträtiert worden, die für Bildschirmpräsenz zu fast allem bereit war. Doch das Mädchen aus der Grafschaft Hertfordshire straft alle Kritiker Lügen. Die Ehe hat mittlerweile 15 Jahre und mehrere Umzüge überstanden – skandalfrei.

Und Victoria füllt auch die Rolle der Mutter mit Ehrgeiz und der gewohnten Perfektion aus. Um die drei Söhne Brooklyn, Romeo, Cruz sowie um Nachzüglerin Harper kümmere sie sich rührend, heißt es. Die Familie lebt derzeit in einem Haus im Londoner Süden. Die Mutter fährt ihre Kinder täglich in die Schule. Anschließend arbeitet sie als Modedesignerin, dem Beruf, dem sie seit nunmehr zehn Jahren die Treue hält.

Ihr Sinn für Selbstinszenierung hat Victoria Beckham berühmt gemacht. Das Gespür für ­Mode ist ihr Schlüssel zum Erfolg. In der Modeszene hat sie sich inzwischen durchgesetzt – keine Selbstverständlichkeit für einen ehemaligen Showstar. Beckhams Kreationen sind auf den großen Schauen in New York und London zu sehen, Modegrößen wie Karl Lagerfeld suchen ihre Nähe. „Ich liebe Victoria Beckham“, sagt der. Das hat Gewicht in der Modewelt. Von den Spice Girls, die zu ihrer großen Zeit stets die moderne Form der Emanzipation junger Mädchen propagierten, hat sich Victoria nun selbst emanzipiert.