Die Sängerin Simone Alex-Kummer gibt im VHS-Foyer eine Kostprobe ihrs Könnens. Foto: Frank Eppler

Simone Alex-Kummer leitet an der Volkshochschule Backnang den Kurs Einfach singen. Die Frau kann andere begeistern. Singen, sagt sie, kann jede und jeder.

Backnang - Diese Frau hat schon als Schülerin gerne gesungen – und viel besser als fast alle anderen Kinder. Sie hat mit knapp 18 Jahren einen bundesweit ausgeschriebenen Gesangswettbewerb gewonnen. Auch deshalb konnte sie daheim in Rendsburg im hohen Norden ihre Eltern überzeugen: Sie müsse unbedingt Gesang studieren. Gesagt, getan. Doch das Studium in Detmold, sagt Simone Alex-Kummer an diesem herbstlichen Tag im Spätsommer, habe sich leider als Reinfall erwiesen. Sie sei schlechter geworden statt besser. Ihr Herr Professor habe es nicht verstanden, die Studenten, speziell die Studentinnen, zu erreichen. Lange her.

Heute ist Simone Alex-Kummer 59 Jahre alt. Sie lebt im Aspacher Teilort Rietenau, betreibt zusammen mit ihrem Mann Hans Kummer die Schmiede Rietenau, einen Veranstaltungs-, Seminar- und Begegnungsort, und sie ist Dozentin an der Volkshochschule (VHS) Backnang. Im neuen VHS-Programm, das am 24. September beginnt, bietet Alex-Kummer den Kurs „Einfach singen!“ an. Seit genau zehn Jahren sei dieser Kurs, der früher „Lust zu Singen? Nur Mut!“ hieß, ein Renner, sagt die Leiterin der VHS, Monika Eckert.

„Falsch und richtig, das gibt es beim Singen nicht.“

„Jeder und jede kann singen“, das ist Simone Alex-Kummers Credo. Und dann demonstriert sie auf die Bitte des Fotografen, was sie drauf hat: Eine Liedzeile in Richtung Kamera schmettern? Kein Problem. Alex-Kummer lächelt ihr freundlichstes Lachen und legt im VHS-Foyer los. Keine Frage, diese Frau kann begeistern.

Der Kurs „Einfach singen!“ beginnt Mitte November. Einige Wiederholungstäter haben sich längst angemeldet, aber es gibt noch freie Plätze. Und falls jemand nicht unterkommen sollte: in der Schmiede Rietenau gehen weitere Kurse über die Bühne. In der ersten Stunde machen die Teilnehmer – immer in der Mehrzahl Frauen – spielerische Tonübungen, diese, sagt die Dozentin, „verhelfen der Stimme zu Mut“. Zu dem Mut, sich auszuprobieren.

Viele Menschen müssten die Lust am Singen (wieder) entdecken, denn ungezählte Männer und Frauen hätten während der eigenen Schulzeit schlechte Erfahrungen gemacht im Musikunterricht. „Falsch und richtig, das gibt es beim Singen nicht“, sagt Alex-Kummer. Und Noten sollten im Musikunterricht auch nicht verteilt werden. Bewegung helfe „den Körper als Instrument wahrzunehmen, zu stimmen“. In „Einfach singen!“ stehen bekannte Kinder- und Volkslieder auf dem Programm, Kanons und Gospels. Allen Teilnehmern empfiehlt die Dozentin in bequemer Kleidung zu kommen.

Der Liebe wegen aus Berlin ins beschauliche Rietnau gezogen

Simone Alex-Kummer hat ungezählten Menschen das Singen nahe- und beigebracht. Man könnte wohl sagen, Kurse wie jener an der Volkshochschule sind ihre Mission. Die Profi-Sängerin will immer und immer wieder beweisen, dass sie es besser kann als ihr „Professor mit null Einfühlungsvermögen“ vor all den Jahren. Der Erfolg gibt ihr ganz offenkundig Recht. Die VHS-Kurse und die Angebote daheim in der Schmiede seien sehr gefragt

Nach dem verunglückten Studium in Detmold hat Alex-Kummer noch in Hamburg studiert, dann eine feste, aber befristete Stelle am Stadttheater Lüneburg bekommen. Die Anstellung beim Rias Kammerchor von 1989 bis 1996 sei für sie „wie ein Sechser im Lotto“ gewesen. Der „großen Liebe“ wegen ist sie Mitte der 1990er-Jahre aus dem pulsierenden Berlin ins beschauliche Rietenau gezogen. Aber ganz egal, wo Alex-Kummer lebt: Singen ist ihr Beruf und ihre Berufung. Singen, sagt sie und strahlt wieder über das ganze Gesicht, „hat eine harmonisierende Wirkung“. Die Kursteilnehmer kämen oft ziemlich gestresst von der Arbeit zum Kurs. Nach ein paar Lockerungsübungen – etwa beim „Trappen mit den Füßen“ – und nach den ersten Strophen seien alle ganz schnell viel besser gelaunt.

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