Dieter Hecking (li.) und Klaus Allofs: Strahlemänner. Foto: Bongarts

An diesem Samstag empfängt der VfL Wolfsburg den VfB Stuttgart (18.30 Uhr/Sky) und geht als Favorit ins Spiel. Das hat mit den finanziellen Möglichkeiten zu tun – neuerdings aber auch mit einem ausgeklügeltem Konzept.  

An diesem Samstag empfängt der VfL Wolfsburg den VfB Stuttgart (18.30 Uhr/Sky) und geht als Favorit ins Spiel. Das hat mit den finanziellen Möglichkeiten zu tun – neuerdings aber auch mit einem ausgeklügeltem Konzept.

Stuttgart/Wolfsburg - Klaus Allofs (57) ist ein leidenschaftlicher Radfahrer. Er habe rund um Wolfsburg schon seine Spezialstrecke entdeckt, sagt der Geschäftsführer Sport des VfL. Es geht meist eine Stunde lang durch den Wald nahe der VW-Stadt – und das nach Allofs’ Angaben so oft, „dass die Wege schon fast abgenutzt sind“.

Allofs will mit dieser Anekdote nicht nur seine Sportlichkeit belegen, es geht ihm um mehr. „Ich bin ein Wolfsburger Bürger“, sagt er, „ich will wissen, was die Menschen hier bewegt – und ich will spüren, was in der Stadt los ist.“ Und wenn es sein muss, schwingt er sich dazu eben auch mal aufs Rad und erkundet so die Stimmungen.

Im November 2012 wechselte Allofs nach 13 Jahren bei Werder Bremen zum VfL Wolfsburg. Der Manager löste damit so etwas wie ein mittleres Erdbeben im Norden aus, und irgendwie verstand kaum jemand, warum Allofs sich das antut. Vom ruhigen, beständigen Biotop in Bremen in die mausgraue Stadt zum Retortenclub VfL, der es trotz der Millionen von Sponsor VW und immenser Transferausgaben nicht schafft, so etwas wie Kontinuität in die sportliche Entwicklung zu bekommen. Geschweige denn, sein Image als graue Maus loszuwerden. Das war das gängige Meinungsbild nach Allofs’ Wechsel – doch all diese Punkte waren für den Ex-Nationalspieler mehr Reiz als Last. Er nahm sie als seine ganz persönliche Herausforderung an und zog ins Wolfsburger Stadtzentrum, von wo er nun wie selbstverständlich zu seinen Radtouren aufbricht.

Allofs soll dem VfL so etwas wie eine Seele geben. Wenn man so will, ist er für die Farbtupfer bei der grauen Maus zuständig. „Sympathien“, sagt er dazu, „erarbeitet man sich zuallererst durch sportlichen Erfolg.“ Auf dem Weg dahin aber, und das ist wohl Allofs’ Hauptanliegen, will er die Menschen in Wolfsburg endlich mitnehmen. Und sie nicht, wie unter seinen Vorgängern oft ­geschehen, jeden Sommer mit einer neu ­zusammengewürfelten, sündhaft teuren Mannschaft konfrontieren. „Wir wollen Emotionen wecken“, sagt Allofs, „und wir wollen dabei so agieren, dass die Leute unseren Weg verstehen.“ Dann würde der VfL zwar sicher immer noch nicht von allen geliebt werden: „Aber so können wir uns den Respekt der Menschen erarbeiten.“

In diesem Zusammenhang spricht Allofs gerne davon, „die Mittel vernünftig und sinnvoll einzusetzen“. Der Geschäftsführer weiß, dass es keinen Sinn machen würde, die Gelder von Sponsor VW nur im Ansatz in Abrede zu stellen. Jetzt aber soll bei den Verpflichtungen von teuren Profis ein Konzept dahinterstecken. In der Vergangenheit schien es beim VfL ja noch der einzige Plan zu sein, einfach mal ein paar teure Spieler zu holen – weshalb der Kader bei Allofs ­Amtsantritt noch so aufgebläht war, dass Spötter dazu rieten, einen Anhänger an den Mannschaftsbus zu montieren. Nun hat ­Allofs den Kader ausgemistet und einige teure Ersatzspieler abgegeben. Und alle VfL-Profis haben dem Vernehmen nach wieder einen Sitzplatz im Bus. Wenn er Millionen auf dem Transfermarkt ausgebe und Stars hole, sagt Allofs, müsse der Spieler ins Team passen. So wie bei Mittelfeldmann Luiz Gustavo, den der VfL im Sommer für rund 16 Millionen Euro vom FC Bayern holte.

Gustavo ist eine Stütze in der Mannschaft von Trainer Dieter Hecking, er fällt unter die Kategorie teurer Star. Mittlerweile aber, und das ist das Werk von Allofs und Hecking, der einen Monat nach dem Geschäftsführer zum VfL kam, spielt die Jugend in Wolfsburg auch eine entscheidende Rolle. Maximilian Arnold (19) etwa wird in der VW-Stadt bereits als Nachfolger von Spielmacher Diego gesehen, einige trauen ihm sogar den Sprung ins Nationalteam zu. „Wir wollen möglichst viele Spieler aus unserem Nachwuchsleistungszentrum bei den Profis integrieren“, sagt Allofs: „Sie sollen eine tragende Rolle in der Bundesliga übernehmen. Dieter Hecking kennt diese Vorgaben und setzt sie um. Es ist uns wichtig, dass der Trainer unser Konzept – den Mix aus Stars und Spielern aus der eigenen Jugend – voll mitträgt.“

Der VfB Stuttgart, auf den der VfL an diesem Samstag trifft (18.30 Uhr/Sky), sei im Hinblick auf die Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis ein Vorbild, sagt Allofs: „Wir wollen das bei uns weiter verbessern.“ Die Basis dafür ist gelegt, das Wolfsburger Nachwuchsleitungszentrum genießt ein hohes Ansehen. Spätestens in ein paar Jahren will der VfL die Früchte ernten – und dauerhaft wieder im internationalen Geschäft präsent sein. „Das ist unser Ziel“, sagt Allofs, „aber auf dem Weg dahin verfolgen wir die Politik der kleinen Schritte.“ Auch die Zeit der großspurigen Worte scheint in Wolfsburg der Vergangenheit anzugehören. Klaus Allofs will Taten sprechen lassen.

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