Soll das ehemalige VfL-Post-Gelände in der Pliensauvorstadt bebaut werden? Das ist in Esslingen umstritten. Foto: Roberto Bulgrin

Die Stadt Esslingen lässt sich durch den wachsenden Widerstand gegen die Bebauung des ehemaligen VfL-Post-Geländes nicht von ihren Plänen abbringen.

Einfach war es nie: Seit bald zehn Jahren wird in Esslingen über die Bebauung des früheren VfL-Post-Geländes in der Pliensauvorstadt diskutiert. Fast ebenso lange gibt es Widerstand gegen die Pläne – zunächst vor allem aus der Bürgerschaft. Auch der örtliche Bürgerausschuss stellt sich gegen das Projekt. Inzwischen kommen auch aus dem Gemeinderat vermehrt kritische Stimmen. Im Esslinger Rathaus will man sich davon aber offenbar nicht aus dem Konzept bringen lassen.

 

Nachdem viele Bürgerinnen und Bürger bereits seit Jahren Kritik an den Plänen für das ehemalige VfL-Post-Gelände äußern, hatten zuletzt auch die Gemeinderatsfraktionen von Grünen und WIR/Sportplätze erhalten in einem gemeinsamen Antrag gefordert, vorhandene Grünflächen wie Sportplätze nicht zu bebauen. Ende vergangenen Jahres folgte die Fraktion FDP/Volt mit ihrem Antrag, die Planungen für die Bebauung des früheren VfL-Post-Geländes einzustellen. Jetzt hat die Stadtverwaltung auf diesen Antrag reagiert – und ihn für erledigt erklärt.

Esslinger Stadträte fordern Einstellung der Planungen

Denn aus Sicht der Verwaltung spricht vieles für das Vorhaben und wenig für den Antrag von FDP/Volt. In diesem hatte die Fraktion neben dem Aus für die Baupläne auch die Erarbeitung eines neuen Nutzungskonzepts für das Areal gefordert. Dabei sollten Freiflächen für Sport und Freizeit erhalten und geprüft werden, ob das Gelände als Erweiterungsfläche für Schulen dienen könne. Wohnungsbau hingegen solle auf dem Areal in dem ohnehin schon stark verdichteten Stadtteil nicht zugelassen werden. Erste Vorschläge für eine alternative Nutzung sollten dem Gemeinderat innerhalb von zehn Monaten vorgelegt werden.

Im Rathaus hält man wenig von diesen Forderungen. „Sämtliche Untersuchungsergebnisse zum vorliegenden Sachstand sprechen nach fachlichen Kriterien für eine Fortführung der Planung“, heißt es von dort. Vor allem im Hinblick auf den Wohnungsbau: „Der Esslinger Wohnungsmarkt ist sehr angespannt, wir sollten jede Chance auf Wohnungsbau nutzen“, betonte Axel Fricke, Leiter des Stadtplanungsamtes, jüngst im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK). Die ehemalige Sportfläche in der Pliensauvorstadt sei dafür sehr wichtig: „Auf dem VfL-Post-Gelände ist Wohnungsbau vorgesehen und auch möglich.“

Stadt sieht keinen Bedarf an Flächen für Schulen oder Vereinssport

Bedarf an zusätzlichen Flächen für Schulen oder Vereine in der Pliensauvorstadt sieht die Stadt hingegen nicht. Derzeit werde zwar noch ein Teil des Areals für Interimscontainer der Neuen Schule sowie der Schule Innenstadt benötigt, jedoch nur bis voraussichtlich Mitte 2027. Zudem habe man die Neue Schule und die Grundschule Pliensauschule bereits auf den künftigen Bedarf ausgerichtet. Im Übrigen werde die Zahl der Schülerinnen und Schüler in etwas fernerer Zukunft wohl eher sinken als steigen. Und für den Vereinssport habe man im Sportpark Weil bereits viele Angebote geschaffen.

Viele würden das ehemalige VfL-Post-Gelände in Esslingen gern als große Grünfläche erhalten. Foto: Roberto Bulgrin

Auch die Einschätzung, die Pliensauvorstadt sei durch große Bauvorhaben und Nachverdichtung überbeansprucht, teilt man im Rathaus nicht. „Außer den Grünen Höfen gab es in den vergangenen zehn Jahren sehr wenig Bautätigkeit in der Pliensauvorstadt“, betonte Fricke im ABMK. Und die geplanten Baugebiete auf dem Nürk-Areal und dem VfL-Post-Gelände befänden sich eher an den Rändern des Stadtteils. Im Übrigen sollten im künftigen „Quartier Weilstraße“, wie die Stadt das ehemalige VfL-Post-Gelände jetzt nennt, neue öffentlich zugängliche Grün- und Freizeitflächen entstehen. Neben einem sogenannten Aktivspielraum sei auch ein Bürgerpark geplant.

Im Ausschuss war man geteilter Meinung. So sprachen sich Grüne, FDP/Volt, Linke/FÜR und WIR/Sportplätze erhalten sowie der Bürgerausschuss Pliensauvorstadt, dessen Vorsitzender Andreas Jacobson ausnahmsweise in der Sitzung das Wort ergreifen durfte, gegen die Bebauung des ehemaligen VfL-Post-Geländes aus. „Wir wissen alle, dass wir mehr bezahlbaren Wohnraum brauchen“, sagte etwa Carmen Tittel, Fraktionschefin der Grünen. Sinnvoller als die Bebauung einer Grünfläche in der dicht besiedelten Pliensauvorstadt seien aber die Aufstockung bestehender Gebäuden oder die Umwidmung von Büroflächen.

Gemeinderat vertagt Entscheidung über VfL-Post-Gelände

Die SPD-Rätin Christa Müller hingegen, deren Fraktion sich ebenso wie CDU und Freie Wähler für eine Bebauung ausspricht, betonte: „Esslingen braucht mehr bezahlbaren Wohnraum und den sehen wir auf dem ehemaligen VfL-Post-Gelände.“ Zumal das Areal der Stadt gehöre und sie bezweifle, dass es einen Bedarf an zusätzlichen Grünflächen gebe. Während der AfD-Rat Alexander Anderka sich bei dem Thema zwiegespalten zeigte, wurde auf Antrag der Volt-Stadträtin Anita Marinović-Matičević beschlossen, es bei einer ersten Lesung zu belassen und erst in einer nächsten Sitzung über das Thema zu entscheiden.

Chronologie der Planung

Beschlüsse
Bereits im Januar 2016 hat der Esslinger Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Weilstraße/Geuernrain gefasst. Es folgten Diskussionen über verschiedene Varianten für die Neuordnung des Areals

Planungen
In den Jahren 2023 und 2024 wurde die städtebauliche Konzeption überarbeitet und fertig gestellt. Es folgte ein Prozess zur integrierten Stadtentwicklung inklusive Bürgerbeteiligung. Seit Mitte 2024 liegt laut der Stadt der Bebauungsplan-Vorentwurf zur Einbringung in den ABMK vor, sei aber wegen der Einwohnerversammlung Pliensauvorstadt im November 2024 zurückgestellt worden.