Der VfL Bochum und die SpVgg Greuther Fürth steigen als echte Einheiten in die Bundesliga auf – doch nur in Bochum bleibt das Team in Liga eins größtenteils zusammen, in Fürth dagegen droht ein Aderlass.
Stuttgart - Nein, nicht der Hamburger SV oder Fortuna Düsseldorf steigen in die Bundesliga auf, es sind der Zweitligameister VfL Bochum und die SpVgg Greuther Fürth – und damit zwei Clubs mit besonderen Geschichten.
Die Aufstiegsgeschichte des VfL Bochum
Herbert Grönemeyer hörte sich womöglich selbst singen, als er sich aus dem fernen Berlin zu Wort meldete. Als die Profis des VfL Bochum die Meisterfelge der zweiten Liga im Ruhrstadion hochreckten, da konnte es nur ein passendes Lied dazu geben: das eine, das auch für viele Nichtbochumer längst eine Hymne ist. Aus den Stadionlautsprechern schallte also Grönemeyers „Bochum“ vom Band, und wenig später meldete sich Grönemeyer selbst aus der Hauptstadt.
„Der Aufstieg ist etwas ganz Besonderes“, ließ der Edlelfan und Hymnensinger verlauten: „Ich bin VfL-Fan durch und durch, da laufen alle Auf- und Abstiege noch mal an einem vorbei. Der Himmel hier in Berlin weint Freudentränen.“ Da war der Himmel über Berlin nicht allein, denn allen voran rund ums Stadion an der Castroper Straße zu Bochum soll es am Sonntagabend nach dem Aufstieg Sturzbäche an Freudentränen gegeben haben.
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Eingereiht in die Liste der Gratulanten haben sich dann später auch noch VfL-Ikonen wie Hermann Gerland und Stefan Kuntz. Nach elf Jahren Bundesliga-Abstinenz also ist der Traditionsclub aus dem Revier wieder da. Gerland und Kuntz, einst beide erfolgreich in Bochum aktiv, betonten in ihren Lobeshymnen den Anteil der Clubführung um die Geschäftsführer Ilja Kaenzig und Sebastian Schindzielorz.
Der Vater des Erfolgs aber hört auf den Namen Thomas Reis – und der Trainer wusste, bei wem er sich zu bedanken hat: Der VfL hatte eine echte Mannschaft. Der Coach hob den Charakter und die Konstanz seines Teams hervor, die er selbst in den Verein gebracht hat, nachdem er das Team im September 2019 auf dem 17. Tabellenplatz von Robin Dutt übernommen hatte. Der Aufstieg ist die Fortführung der Leistungen der vergangenen Spielzeit, als Reis den VfL noch auf den achten Platz führte.
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Nun trumpften Spieler wie Robert Tesche und Anthony Losilla auf, die in dieser Runde den dritten Frühling erleben. Zusammen mit Talenten wie Abwehrmann Armel Bella Kotchap formte Reis ein Team, das in der zweiten Liga das konstanteste war. Alle Leistungsträger haben Verträge und werden nun aller Voraussicht nach das Projekt Klassenverbleib angehen. Und dabei frei nach Grönemeyer mit ’nem Doppelpass zwar nicht jeden, aber so manchen Gegner nassmachen.
Die Aufstiegsgeschichte der SpVgg Greuther Fürth
Auf den Aufstiegsshirts schrieb die Spielvereinigung Greuther Fürth den Lokalkolorit groß. „Der Franken-Meister is dann amohl wech. Mir sin erschdklassich“ stand da geschrieben, und der kleine Seitenhieb auf den großen fränkischen Nachbarn 1. FC Nürnberg durfte also nicht fehlen. Auch Trainer Stefan Leitl hatte sich das Fürther Aufstiegsleiberl angezogen – und sprach bierdurchnässt von einem „Fußballmärchen“. Doch ob der Märchenprinz seine Geschichte am Fürther Ronhof fortschreiben wird, ließ Leitl selbst offen. Er werde jetzt erst einmal die Saison „analysieren“, sagte er: „Es geht nicht um ein offenes Türchen, sondern darum, dass ich das mit meiner Familie besprechen möchte.“
Fakt ist: Die Arbeit Leitls in Fürth seit 16 Monaten weckt Begehrlichkeiten. Auf die Frage nach Angeboten von anderen Clubs wich Leitl aus. Darum gehe es nicht, sondern „um mich persönlich“. Fürths Geschäftsführer Rachid Azzouzi gab sich gelassen. Er sei sich „relativ sicher, dass Stefan bleibt. Ich hatte auch zuvor schon nicht den Eindruck, dass er etwas anderes machen möchte.“
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Nach 2011 jedenfalls stieg Fürth, das in grauer Vorzeit 1914, 1926 und 1929 dreimal deutscher Meister wurde, nun zum zweiten Mal ins Oberhaus auf. Und das mit einem Mini-Etat von 8,5 Millionen Euro und dem jüngsten Kader der zweiten Liga. Das Erfolgsgeheimnis erklärt Azzouzi so: „Wir wären nicht erfolgreich, wenn wir Spieler für viel Geld kaufen würden, sondern sind es nur, wenn alle mit Hingabe dabei sind.“ Die Mannschaft habe „brutalen Charakter“.
Allerdings: Die Verträge der Topstürmer Branimir Hrgota (16 Saisontore) und Havard Nielsen (11) laufen aus. Und in den U-21-Nationalspielern David Raum (TSG Hoffenheim) und Paul Jaeckl (Union Berlin) sowie Mittelfeldspieler Sebastian Ernst (Hannover 96) verlieren die Franken drei Stammkräfte mit Blick auf die Mission Klassenverbleib in Liga eins.