Hamadi Al Ghaddioui (Mi.) schießt den VfB zum Sieg, Torhüter Gregor Kobel hält ihn fest. Foto: Baumann

Nach sechs Zweitligaspielen in der Fremde ohne Sieg hat es für den VfB Stuttgart in Bochum endlich wieder einmal mit drei Punkten geklappt. Der Spielbericht zum 1:0 (0:0)-Erfolg.

Bochum - Montagabendspiele sind ja nicht jedermanns Sache. Für viele Fans bedeuten sie mehr Ärgernis als Vergnügen, und auch beim VfB Stuttgart war man nicht sonderlich glücklich über die Ansetzung des 22. Spieltags: Ruhrstadion Bochum, Flutlicht, tiefer Rasen. Und dann musste man auch noch der Musik in der zweiten Liga hinterherlaufen: Das Spitzenduo aus Bielefeld und Hamburg war punktemäßig am Wochenende bereits vorausgeeilt.

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Doch der VfB hat die Nerven behalten und seine Nachzüglerarbeit in Bochum mit der vollen Punktzahl bestanden. Der eingewechselte Joker Hamadi Al Ghaddioui traf zehn Minuten vor dem Abpfiff zum viel umjubelten 1:0-Siegtreffer. Durch den ersten Auswärtserfolg seit September, einem 1:0 in Bielefeld mit demselben Siegtorschützen, hat der VfB die von Sportdirektor Sven Mislintat ausgegebene Marschroute erfolgreich umgesetzt: „Nach vorne Druck machen, nach hinten das Polster vergrößern.“ Nach Punkten hat der Aufstiegsfavorit aus Stuttgart zum anderen Aufstiegsfavoriten aus Hamburg aufgeschlossen, nur das Torverhältnis trennt die Weiß-Roten noch von einem direkten Aufstiegsplatz. Zum Tabellenführer Bielefeld sind es drei Punkte. Beide Topteams sind noch in Stuttgart zu Gast.

„Ein dreckiger 1:0-Sieg“

Abwehrspieler Pascal Stenzel freute sich nach umkämpften 90 Minuten aber erst einmal über einen „dreckigen 1:0-Sieg. Es war nicht einfach, nachdem die Konkurrenten schon gepunktet hatten. Umso glücklicher sind wir, dass wir nachlegen konnten.“ Mittelfeldspieler Daniel Didavi meinte: „Wenn man auswärts so lange nicht gewonnen hat, fehlt die Souveränität. Aber wir haben gut gekämpft.“

Anders als zuletzt verzichtete Trainer Pellegrino Matarazzo auf größere Wechselspielchen. Die einzige Veränderung gegenüber dem 3:0 gegen Aue: Außenbahnspieler Roberto Massimo rückte in die Startelf. Er ersetzte Nicolas Gonzalez. Taktisch gab es dafür die eine oder andere Umstellung. Heraus kam ein eher seltenes 3-2-4-1-System. In dem die Gäste von Anbeginn den Takt vorgaben. Körperbetont gingen die Mannen in Rot zu Werke, erspielten sich Chance um Chance. Allein Gonzalo Castro und Silas Wamangituka verpassten in der ersten Halbzeit jeweils dreimal. Auf rekordverdächtige 17 Torabschlüsse kamen die Gäste zur Pause. Angeführt vom starken Wataru Endo beherrschte der VfB Ball und Gegner – nur eines nicht: das Toreschießen.

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Irgendwas fehlte immer: Übersicht und Präzision beim finalen Pass, die letzte Konsequenz vor dem Tor, Glück beim Abschluss. „Im letzten Drittel waren wir nicht zwingend“, kritisierte Matarazzo. Hinzu kam das schier bedingungslose Spiel durch die Mitte, wo es aber so eng zuging wie auf der A 40 zwischen Bochum und Essen im Feierabendverkehr. So erinnerte der Auftritt fast ein wenig an den Fußball der Hinrunde unter Tim Walter. Dominant und mit viel Ballbesitz – aber wenig Effektivität.

Hohes Risiko ging Matarazzo, weil er auch bei gegnerischem Ballbesitz nur mit Dreierkette verteidigen ließ. So ergaben sich für den tief im Kampf gegen den Abstieg steckenden Revierclub immer wieder Kontermöglichkeiten, bedingt auch durch Schlampigkeiten etwa bei Abwehrspieler Nat Phillips. Schnörkellos ging es dann in Richtung Tor von Gregor Kobel, wo die Aktionen um Toptorjäger Silvere Ganvoula aber meist vogelwild zu Ende gespielt wurden.

Matarazzo wünscht sich mehr Souveränität

Seinen hohen Ansprüchen wurde der große Aufstiegsfavorit auch nach der Pause nur bedingt gerecht. Von einer geordneten Struktur war nicht viel zu erkennen, zu kompliziert verliefen viele Angriffe gegen einen immer leidenschaftlicher verteidigenden Gastgeber. Bis Wamangituka nach einem Schnitzer von Saulo Decarli kurz vor dem Ende doch noch die Lücke fand und Joker Al Ghaddioui eiskalt stach und sich freute: „Solche Siege sind besonders schön.“ Der Rest war Jubel – auch weil Kobel in der Schlussphase den Sieg festhielt. „Mehr Souveränität“, wünschte sich Matarazzo für die kommenden Spiele. Er sah dennoch einen „verdienten Sieg“.

Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht. Noch in der Nacht ging es mit dem Bus zurück nach Stuttgart, an diesem Dienstag steht bereits wieder Training auf dem Programm. Am Samstag will der VfB dann seine Heimserie ausbauen: Um 13 Uhr ist Jahn Regensburg zu Gast.

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