Christian Träsch (re.) durfte zuletzt nicht oft mitjubeln beim VfL Wolfsburg. Foto: dpa

Ehemaliger VfB-Profi ist in Wolfsburg meist nur Joker und muss um die EM-Teilnahme bangen.

Stuttgart - Nein, die üppige Gehaltserhöhung habe nicht den Ausschlag für seinen Wechsel zum VfL Wolfsburg gegeben, beteuerte Ex-VfB-Profi Christian Träsch vor einem Jahr – es sei die sportliche Perspektive. Bisher hat er sich da schwer verrechnet.

Stuttgart, die vertraute Mercedes-Benz-Arena, das Wiedersehen mit den Kollegen von früher: Das alles sorgt bei Christian Träsch für ein Wohlgefühl. „Ich freue mich auf meine Rückkehr“, sagt er vor dem letzten Bundesliga-Saisonspiel des VfL Wolfsburg an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky und Liga total) beim VfB Stuttgart. Träsch (24) wird vor dem Anpfiff ein wenig mit seinen Kumpels Sven Ulreich, Christian Gentner und Georg Niedermeier flachsen. Die Ex-Teamkollegen werden Träsch freundlich empfangen. Ob das die VfB-Fans auch tun werden, ist noch die Frage, auch für den verlorenen Sohn selbst: „Ich hoffe, mit Freude. Aber ich lasse mich überraschen.“

Womöglich muss sich der Ingolstädter auch auf eine Spur Spott und Häme einrichten. Für neun Millionen Euro und einem mutmaßlichen Gehalt von vier Millionen Euro christiapro Saison war Träsch vergangenen Sommer zu den Wölfen gewechselt. Trainer Felix Magath hatte ihn auf Anhieb zum ­Kapitän befördert, Träschs Welt war in ­Ordnung. Und heute?

Nach 24 Bundesligaspielen, die er allesamt über 90 Minuten bestritten hat, hatte Magath reagiert. Denn Träsch war langsam, aber sicher in eine Formkrise gerutscht, über die Magath damals sagte: „Seine Defensivleistung ist nicht bundesligareif.“ Seither ging die Kurve nicht nach oben, im Gegenteil: In den folgenden Partien wechselte Magath ihn erst frühzeitig aus, zuletzt setzte er ihn sogar auf die Ersatzbank, brachte ihn nur als Joker und sagte: „Ihm fehlt noch die Stabilität, um mit Fehlern fertig zu werden.“

„Vielleicht habe ich mir zu viel Druck gemacht“

Der Psychologe in Magath sieht den Defensivmann noch auf dem langen Weg der Eingewöhnung. „Es gibt nun einmal Spieler, die mit Vereinswechseln Probleme haben. Auch Träsch findet sich offenbar in einer neuen Umgebung nicht schnell zurecht“, sagt der ehemalige VfB-Trainer und zieht Parallelen zu vergleichbaren Fällen: „Mario Gomez hat bei den Bayern im ersten Jahr kaum getroffen, und Stefan Kießling hat in Leverkusen Zeit gebraucht.“ Die gesteht Magath in Wolfsburg auch Träsch zu: „Christian wird seinen Weg machen. Er ist ein wichtiger Spieler für die Zukunft des VfL. Ich baue auf ihn“, versichert er.

Träsch ist mit sich „selbst unzufrieden. Zuweilen haben einfache Dinge nicht mehr geklappt.“ Woran das liegen könnte? „Vielleicht habe ich mir zu viel Druck gemacht, die Erwartungen von mir und an mich waren womöglich zu hoch.“ Seine Saison bezeichnet er als durchschnittlich: „Ich habe 32 Bundesliga-Einsätze, Vor der Saison wäre ich damit nicht unzufrieden gewesen.“

Nicht Lockruf des Geldes erlegen

Also ist er es jetzt auch nicht. Selbstzweifel plagen ihn jedenfalls keine: „Ich weiß, was ich kann, ich mache mir da keine Sorgen.“ Dass er allein dem Lockruf des Geldes erlegen sei, weist er von sich. Beim VfB wollten Trainer Bruno Labbadia und Manager Fredi Bobic um ihn herum eine Mannschaft aufbauen, allerdings hätte er dann auf der ungeliebten Position als rechter Verteidiger spielen müssen.

In Wolfsburg stellte ihm Magath einen Platz auf seiner Wunschposition im zentralen defensiven Mittelfeld in Aussicht, was er nicht einmal zur Hälfte einlöste. Dennoch versichert Träsch: „Meine Entscheidung für Wolfsburg war richtig. Ich bereue nichts, auch wenn der VfB vor uns in der Tabelle steht.“ Schließlich sei er „nicht wegen eines Jahres“ nach Wolfsburg gewechselt: „In Wolfsburg habe ich optimale Bedingungen, um nach oben zu kommen.“

Zunächst wäre er froh, zur EM zu kommen. Am Montag ist die Nominierung. „Es kommt, wie es kommt. Was geschehen ist, kann ich nicht rückgängig machen. Es wäre eine Riesenehre, dabei zu sein“, sagt Träsch. Zumal er Nachholbedarf hat: 2010 zog er sich einen Bänderriss zu und musste auf die WM-Teilnahme in Südafrika verzichten. Umso dringender will er diesmal dabei sein.

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