Auf Links gesetzt: Emiliano Insua Foto: Baumann

Emiliano Insua ist als Linksverteidiger beim VfB Stuttgart gesetzt. Vor allem das Zusammenspiel mit Simon Terodde funktioniert. Der 28-Jährige zählt zu den besten Vorbereitern, schmälert den guten Eindruck aber immer wieder selbst.

Stuttgart - Manni Flanke, ich Kopf, Tor!“ So simpel lautete die Erfolgsformel des Hamburger SV in den 1980er Jahren, wenn Horst Hrubesch zu den vielen Siegen damals befragt wurde. Und noch heute, in Zeiten also, da der Fußball deutlich komplexer geworden ist, sehnen sich die Fans nach einfachen Erklärungen. Die schwäbische Antwort auf die hanseatische Masche heißt deshalb: „Eat. Sleep. Insua-Flanke. Terodde-Tor. Repeat.“

Auf T-Shirts haben Fans des VfB Stuttgart diese Botschaft drucken lassen. In der Hoffnung, dass sie sich bis zum Aufstieg ständig bewahrheitet und sich der Vertrieb lohnt. Nur hat sich seit Simon Teroddes Tor auf Vorarbeit von Emiliano Insua Ende Februar gegen den 1. FC Kaiserslautern ein Problemchen eingeschlichen: Der Argentinier hat zwar weiterhin fleißig geflankt, aber der Torjäger nicht mehr getroffen.

Ein vorübergehender Produktionsstopp ist das wohl nur, da die Qualitäten der beiden Spieler unbestritten sind und schon am Samstag bei der SpVgg Greuther Fürth die nächste Gelegenheit kommt, dass Insua seinen Lieblingsabnehmer Terodde wieder findet. Fünfmal war das schon der Fall, siebenmal hat er insgesamt Treffer vorbereitet. Damit gehört der Linksverteidiger zu den besten Vorlagengebern in der zweiten Liga, und beim VfB liegt er hinter dem Rechtsaußen Carlos Mané auf Rang zwei.

Stets ist Insua für einen Scherz zu haben

Konkurrenzlos glücklich erscheint Insua damit auf seiner Position links hinten, da sich im Stuttgarter Kader offenbar weit und breit keiner findet, der defensiv oder offensiv an den 28-Jährigen aus Buenos Aires heranreicht. „Konkurrenzlos ist bei uns aber keiner“, sagt der Trainer Hannes Wolf, „Emiliano Insua hat sich diese Stellung durch Leistung erkämpft.“ Er ist der Feldspieler mit den meisten Einsatzminuten in Reihen der Stuttgarter. Lediglich einmal musste Insua bisher vorzeitig vom Platz.

„Ich fühle mich sehr wohl beim VfB, bin topfit und spiele mit Selbstvertrauen“, sagt Insua, der im Sommer 2015 nach einer Abenteuerreise quer durch Europa in Stuttgart landete. Von seinem Heimatclub Boca Juniors ging es zum FC Liverpool, zu Galatasaray Istanbul, zu Sporting Lissabon, zu Atlético Madrid und Rayo Vallecano in Spanien. Doch nirgends fasste er richtig Fuß und schätzt nun, was ihm Deutschland bietet: eine gute (erste und zweite) Liga, volle Stadien und pünktliche Bezahlung. Er liefert dafür hohe Professionalität, Zuverlässigkeit und ein wohltuendes Maß an südamerikanischer Gelassenheit.

Stets ist Insua für einen Scherz zu haben. Doch respektiert wird er im Mannschaftskreis vor allem, weil er seinen Beruf so ernst nimmt, dass er altgediente Vereinsmitarbeiter an Krassimir Balakov erinnert. Der einstige Mittelfeldstar legte sich gerne eine Banane an den Rand des Trainingsplatzes, um nach den Übungseinheiten gleich mit der Regeneration zu beginnen – auch wenn er mal wieder länger Autogrammwünsche erfüllen musste. Bei Insua liegt ein Mixgetränk bereit. Gewissenhaft arbeitet er auch im Kraftraum und erweckt nicht den Eindruck, als schiebe er auf dem Wasen eine ruhige Kugel. Eigentlich. Denn auf dem Rasen gibt es Momente, da wird das Bild über ihn so schräg wie sein Stellungsspiel. Oder der positive Gesamteindruck verzerrt sich, weil er wieder einen folgenschweren Querschläger am eigenen Strafraum fabriziert.

Dank Insua gilt die linke Seite nicht mehr als Problemzone

Doch die Zahlen sprechen für sich. Auch in der Bundesliga stand Insua 33 Mal in der Anfangself und fehlte nur einmal wegen einer Gelbsperre. Womöglich liegt das daran, dass er Linksfuß ist und es rein statistisch weniger Rechts- als Linksfüßer gibt. Und für einen Linksverteidiger ist es ja kein Nachteil, den starken Fuß auf der Außenseite zu haben. Es sei denn, man heißt Philipp Lahm und kann gleichzeitig der weltbeste Rechts- wie Linksverteidiger sein.

„Dass er Linksfuß ist, ist zwar ein Alleinstellungsmerkmal, aber ich hätte kein Problem, einen Rechtsfuß nach links hinten zu stellen“, sagt Wolf, der das in Testbegegnungen schon getan hat. Im Ernstfall vertraut der Trainer jedoch dem Mann mit der Nummer zwei auf dem Rücken. Wechselspiele wie auf der Gegenseite, wo sich in dieser Runde schon Kevin Großkreutz, Florian Klein, Benjamin Pavard und Jean Zimmer versucht haben, gibt es nicht.

Ein weiterer Beleg für die Konstanz: Seit Insua da ist, gilt die linke Abwehrseite trotz seines Tempodefizits nicht mehr als Problemzone. So wie zuvor, als noch Adam Hlousek, Gotoku Sakai oder Konstantin Rausch dort spielten. Vergangenheit. In der Gegenwart sieht Insua, der über einen Vertrag bis 2018 verfügt und seine Zukunft in Stuttgart plant, dass noch „zehn Endspiele“ bis zum 21. Mai auf den Tabellenführer warten. Und bis zum Aufstieg soll es mit der neuen Erfolgsmasche Insua-Flanke, Terodde-Tor noch möglichst oft klappen.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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