VfB-Torhüter Vlachodimos Am Ziel – und doch ganz am Anfang

Von Thomas Näher 

Gegen Hertha BSC erstmals in der VfB-Startelf: Odisseas Vlachodimos. Foto: Bm
Gegen Hertha BSC erstmals in der VfB-Startelf: Odisseas Vlachodimos. Foto: Bm

Er startete in die Saison als Nummer drei im VfB-Tor. Nach der Verletzung von Mitch Langerak und der Sperre für Przemyslaw Tyton ist Odisseas Vlachodimos (21) unversehens zur Nummer eins aufgestiegen – zumindest im Spiel bei Hertha BSC.

Stuttgart - Einmal ist keinmal. Die 22 Minuten, die er zuletzt gegen Eintracht Frankfurt ran durfte, hat Odisseas Vlachodimos genossen, soweit das bei zwei Gegentoren in dieser Zeit möglich war. Aber richtig zählt es erst an diesem Samstag. Im Spiel bei Hertha BSC (15.30 Uhr/Sky) steht das Torwart­talent erstmals in der Startelf bei den Profis, und wie es ihm ergeht, ahnt keiner besser als Andreas Menger. „Für Odi geht ein Traum in Erfüllung“, sagt der Torwarttrainer.

Der Traum lautet: einmal die Nummer eins beim VfB werden. „Jetzt kann er zeigen, was er kann“, sagt Trainer Alexander Zorniger und spielt dabei auf die Ansprüche an, die Vlachodimos im Sommer geäußert hatte. Sie sind höher als der dritte Platz in der Torhüter-Hierarchie, den er eigentlich innehat.

Drei, zwei, eins – Pech und Ungeschick der Kollegen ermöglichten Vlachodimos (21) in kürzester Zeit einen Blitzaufstieg. Erst verletzte sich Mitchell Langerak. Vlachodimos, der gebürtige Stuttgarter mit griechischen Wurzeln, rückte eine Position auf. Dann flog Przemyslaw Tyton gegen Eintracht Frankfurt vom Platz und wurde für ein Spiel gesperrt – deshalb ist Vlachodimos nun plötzlich die Nummer eins. Zumindest für 90 Minuten. „Wir haben Vertrauen in ihn“, versichert Sportvorstand Robin Dutt.

Vlachodimos hat seit der U 15 alle Auswahlteams des DFB durchlaufen

Notgedrungen – oder guten Gewissens? Nach dem Wechsel von Sven Ulreich zum FC Bayern hatte Vlachodimos darauf gehofft, seinem Traum näher zu kommen. Doch so richtig trauten sie beim VfB dem Talent, das alle U-Mannschaften des DFB durchlaufen hat, den Stammplatz nicht zu. Über den Status einer Nummer drei war er aber hinweg, weshalb eine Ausleihe zu einem Zweitligisten im Gespräch war. Bis feststand, dass Langerak langfristig ausfällt.

Ohne Tyton muss Vlachodimos sofort ran, und dabei soll ihm seine Erfahrung aus 68 Drittligaspielen Halt geben. „Da hat er sich ein breites Fundament geschaffen und sich gegen starke Konkurrenten wie Kevin Müller und Andre Weis durchgesetzt“, sagt Andreas Menger, der überzeugt ist: „Er kann mit der Situation gut umgehen.“ Vorsichtshalber hat der VfB die Einladung zu Vlachodimos’ erstem U-21-Länderspiel an den DFB zurückgegeben und alle Medienanfragen für den Keeper abgeblockt. Vlachodimos soll sich konzentrieren und in Berlin bewähren, danach kann er immer noch reden.

Schon als A-Jugendlicher kam er zu Einsätzen in der dritten Liga

Denn Vlachodimos ist zwar fürs Erste am Ziel, steht aber dennoch ganz am Anfang seiner Profilaufbahn, die im Grunde schon vor dreieinhalb Jahren begonnen hat. Seither trainiert er bei den Profis mit, erst sporadisch, dann dauerhaft. Davor war er schon als A-Jugendlicher in der dritten Liga zum Einsatz gekommen. Mit starken Reflexen auf der Linie und mit seinen fußballerischen Qualitäten wusste er früh zu überzeugen – 2011 wurde Vlachodimos mit der deutschen U-17-Auswahl Vize-Europameister und WM-Dritter, zudem zeichnete ihn der DFB als einen der Besten seines Jahrgangs mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze aus. „Ich kann noch in allen Bereichen lernen“, hat er kürzlich gesagt – vor allem bei der Strafraumbeherrschung und beim Dirigieren ­seiner Vorderleute kann er zulegen.

Jetzt ist dafür keine Zeit, jetzt muss er seinen Mann stehen. „Im ersten Spiel braucht man auch ein wenig Glück“, weiß Robin Dutt und drückt die Daumen. Bestenfalls erwischt Vlachodimos in Berlin einen Glanztag, und wer spielt dann: Tyton oder er? Da schmunzelt Dutt nur: „Diese Torwartdiskussion nehmen wir dann gern in Kauf.“

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